Mit 174 km/h über die Landstraße
Zwei Extrem-Raser im Landkreis Stade erwischt
- Im Landkreis Stade wurden jetzt wieder zwei Raser erwischt, die deutlich zu schnell unterwegs waren (Symbolbild)
- Foto: KI-generiert
- hochgeladen von Jörg Dammann
Mal wieder sind zwei Autofahrer aufgefallen, die eine Landstraße offenbar mit einer Rennstrecke verwechselt haben. Der eine wurde mit 174 Stundenkilometern geblitzt, der andere mit 164. Erlaubt waren in beiden Fällen 100 km/h.
Am Dienstagabend erwischten die Messbeamten des Landkreises auf der Landesstraße 123 bei Ohrensen einen BMW-Fahrer mit Stader Kennzeichen. Das Messgerät zeigte 174 Stundenkilometer an – also 74 km/h mehr als erlaubt. Dem Fahrer drohen ein mehrmonatiges Fahrverbot, zwei Punkte in Flensburg und ein Bußgeld von mindestens 600 Euro. Sollte die Behörde von Vorsatz ausgehen, kann sich die Geldbuße verdoppeln.
Einen Tag später folgte der nächste Treffer: Auf der Bundesstraße 74 bei Willah raste ein Ford-Fahrer mit Bremervörder Kennzeichen mit 164 Stundenkilometern in Richtung Elm. Auch ihm drohen ein Fahrverbot und mindestens zwei Punkte. Außerdem sind mindestens 480 Euro Bußgeld fällig.
Das hat nichts mit "Wegelagerei" zu tun
Bei beiden Kontrollen zeigt sich zugleich, wie wenig die immer wieder erhobene Behauptung von angeblicher „Wegelagerei“ mit der Realität zu tun hat. Auf der L123 passierten innerhalb von eineinhalb Stunden 218 Fahrzeuge den Radarwagen. Ganze zwei waren zu schnell. Auf der B74 wurden in fünf Stunden 1190 Fahrzeuge gemessen, 38 überschritten das Tempolimit.
Diese Zahlen machen deutlich: Hier handelt es sich nicht um eine Masche zum Abkassieren. Das sind punktuelle Kontrollen, bei denen die weit überwiegende Mehrheit der Autofahrer vollkommen unbehelligt weiterfährt – schlicht deshalb, weil sie sich an die Regeln hält.
Vielleicht könnten deshalb auch endlich die reflexhaften Beschwerden mancher Geblitzter aufhören. Wer zu schnell fährt, wird nicht vom Landkreis „abgezockt“. Er oder sie hat vorher selbst entschieden, das Tempolimit zu ignorieren. Der Blitzer drückt weder aufs Gaspedal noch zwingt er jemanden, mit 174 Sachen über eine Landstraße zu fahren.
Mehr als die Hälfte zu schnell
Besonders bemerkenswert ist das Ausmaß der Verstöße. Tempo 174 statt 100 bedeutet eine Überschreitung um 74 Prozent. Bei 164 Stundenkilometern sind es 64 Prozent. Das ist keine kurze Unaufmerksamkeit und kein versehentliches Rollenlassen am Ortseingang. Wer die zulässige Höchstgeschwindigkeit derart deutlich überschreitet, nimmt ganz bewusst in Kauf, dass der Bremsweg drastisch wächst und andere Verkehrsteilnehmer kaum noch eine Chance haben, auf das heranrasende Fahrzeug zu reagieren.
Andere Länder greifen härter durch
Ein Blick über die Grenze zeigt, dass Deutschland bei extremen Tempoverstößen keineswegs zu den strengsten Staaten gehört. So gilt es in der Schweiz als Raserdelikt, wenn jemand innerorts mindestens 40 km/h zu schnell fährt oder außerhalb einer Ortschaft mindestens 60 km/h schneller unterwegs ist als erlaubt. Rasern drohen sehr hohe Geldstrafen. Außerdem kann eine Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu vier Jahren verhängt werden. Der Führerschein wird für mindestens zwei Jahre entzogen. Man erhält ihn nur nach einem positiven verkehrspsychologischen Gutachten zurück. Unter bestimmten Voraussetzungen kann sogar das Fahrzeug eingezogen, verkauft oder verschrottet werden.
Dagegen erscheinen zwei Punkte, einige Monate Fahrverbot und ein Bußgeld im mittleren dreistelligen Bereich eher moderat.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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