"Gasolin-Tanke" zieht um: Stader Tankstelle als "Zeitzeuge" auf dem Kiekeberg

Die Tankstelle ist fast "versandfertig". Die großen Glasfronten des Kassenhäuschens sind bereits mit Holz gegen Transportschäden geschützt  Fotos: jd/Kiekeberg
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  • Die Tankstelle ist fast "versandfertig". Die großen Glasfronten des Kassenhäuschens sind bereits mit Holz gegen Transportschäden geschützt Fotos: jd/Kiekeberg
  • hochgeladen von Jörg Dammann

jd. Stade. Hier und da ein altes Fachwerkhaus, Straßen mit Kopfsteinpflaster und Fassaden, deren Inschriften an frühere Firmen erinnern: Es scheint, dass im Stader Stadtteil Campe an manchen Ecken die Zeit stehen geblieben ist. In dem früheren Bauerndorf vor den Toren der Garnisons- und Beamtenstadt haben sich bis heute einige Relikte aus vergangenen Zeiten erhalten. Wie von einer unsichtbaren Zeitkapsel umhüllt ist auch eine alte Tankstelle. Das kleine Häuschen mit dem geschwungenen Vordach wurde in 1950er Jahren an einer der Einfallsstraßen in die Stader City, der Harburger Straße, errichtet. Tankstellen dieses Typs symbolisieren die beginnende Motorisierung in der Nachkriegszeit, als die Deutschen mit Isetta, Borgward, Käfer und Co. in die Wirtschaftswunderjahre starteten. Jetzt verschwindet die Tankstelle aus dem Camper Ortsbild - um an anderer Stelle wieder aufgebaut zu werden. Sie bildet den Grundstein für ein neues Projekt im Freilichtmuseum Kiekeberg.

Mit dem Begriff Translozierung wissen wohl die wenigsten etwas anzufangen: Das Wort stammt aus dem Fachjargon der Denkmalpfleger und bedeutet die Versetzung eines historischen Bauwerkes an einen anderen Ort - manchmal sogar als komplettes Gebäude, um den ursprünglichen Zustand zu erhalten. Genau das geschieht auch mit der "Kult-Tanke", in deren beiden Säulen zunächst die Spritmarke Gasolin und dann bis zur Stilllegung im Jahre 1984 Benzin von Aral gezapft wurde.

Auf dem Kiekeberg soll die Tankstelle den Charme der jungen Bundesrepublik versprühen und an die Zeiten erinnern, als Tanken noch ein kleines Ritual darstellte: Der bemützte Tankwart eilte mit der obligatorische Frage "Volltanken?" zum Automobilisten und reinigte während des Betankens auch noch die Frontscheibe. Ein Prozedere, das auch an der Stader Tankstelle bis zur deren Schließung üblich war. Per Klingel konnte der Service angefordert werden.

Die Tankstelle wird das erste Objekte sein, das auf der neu konzipierten Ausstellungsfläche "Königsberger Straße" errichtet wird. Diese Straße werden später Gebäude säumen, die exemplarisch für einzelne Zeitabschnitte der jüngeren deutschen Geschichte zwischen 1950 und 1970 stehen. Der große Umzug soll am kommenden Mittwoch erfolgen. Derzeit macht eine Firma, die sich auf den Transport historischer Bauten spezialisiert hat, die Tankstelle "versandfertig".

Das Fundament ist bereits freigelegt worden, um die oberirdischen Gebäudeteile davon abzutrennen. "Das ist wie bei einem Fertighaus - nur rückwärts", beschreibt einer der Bauarbeiter vor Ort das Verfahren. In drei Einzelteilen - Dach, tragende Säule und Kassenhäuschen - geht es auf die Reise in Richtung Kiekeberg. Damit die Tankstelle auf jeden Fall heil ankommt, wird alles akkurat in Holz verpackt.

• Einen ausführlichen Bericht über den "Tankstellen-Umzug" und das Kiekeberg-Projekt lesen Sie in der nächsten Samstagsausgabe der WOCHENBLATT.

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