Corona-Aus für Raketen und Böller wird diskutiert
Kommt Silvester ein Böllerverbot?

Ein Silvesterfeuerwerk ist für viele Menschen selbstverständlich. Kann Corona das in diesem Jahr ausbremsen?
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  • Foto: Michael Plachetka
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(tk/jd). Dass Silvester in diesem Jahr ganz anders wird, steht außer Frage: Große Partys wird es nicht geben. Welche Regeln es für private Treffen gibt, steht, Stand heute, noch in den Sternen. Angesichts der seit Jahren immer häufiger diskutierten Frage nach generellen Böllerverboten könnten Gegner wie Fans von Raketen und Co. auf die Idee kommen, dass Corona der Einstieg in weitreichende Böllerverbote sein könnte. NRW-Innenminister Reul hat das ebenso gefordert wie der Chef der Polizeigewerkschaft Wendt. Und: Der Nachbar Holland hat es bereits vorgemacht: Dort darf in der Silvesternacht nicht geknallt werden. Damit sollen vor allem Kliniken entlastet werden, die sich neben Intensivpatienten mit COVID-19 nicht auch noch um Opfer der eigenen Knallerei kümmern sollen.

Ein Verbot der Silvesterknallerei sei mit der Begründung der Corona-Pandemie nur schwer umsetzbar, glaubt Ralf Dessel, Volljurist und Mitglied im Führungsteam der Buxtehuder Stadtverwaltung. Denn: Das Infektionsschutzgesetz könne nicht grundsätzlich das Recht in anderen Bereichen brechen. Als Beispiel nennt er den Versuch in Nordrhein-Westfalen, das Verbot der Sonntagsöffnung auszusetzen. Ziel war es, dem Einzelhandel während des ersten Shutdowns zu helfen und damit auch die Kundenströme zu entzerren.
Ein Oberverwaltungsgericht habe das jedoch gestoppt. Per Allgemeinverfügung mit der Begründung Corona das Böllern zu verbieten, würde mutmaßlich nicht funktionieren. Klagen dagegen seien programmiert. Wolle der Gesetzgeber ein Verbot von Knallern und Raketen durchsetzen, müsste das über das Sprengstoffgesetz erfolgen. Dort sei schon jetzt geregelt, welche Einschränkungen es beim Feuerwerk es gibt, wie etwa in der Nähe von reetgedeckten Gebäuden.

Allein 120 solcher Reetdachhäuser gibt es im Stader Stadtgebiet und den dazugehörigen Ortschaften. In einem näheren Umkreis dieser Häuser ist wie bei anderen brandgefährdeten Gebäuden - dazu zählen u.a. Kirchen, Seniorenheime und Tankstellen - das Abbrennen von Feuerwerkskörpern streng verboten.
Stades Bürgermeister Sönke Hartlef denkt aber nicht nur an die Brände, die als Folge des unsachgemäßen Umgangs mit Böllern entstehen. Er hat vor allem die Gesundheit der Menschen im Blick: Immer wieder würde Leichtsinn beim Zünden von Knallern und Raketen zu schweren Unfällen führen. Hartlef plädiert zwar nicht ausdrücklich für ein Verbot der Silvesterknallerei, er appelliert aber an die Bürger, "verantwortungsvoll" damit umzugehen. "Das Krankenhauspersonal ist in diesem von der Pandemie geprägten Jahr auch ohne diese klassischen Silvesterverletzungen schon belastet genug", sagt Hartlef.

Diese Ansicht vertritt auch Dr. Bernd Hohendorff vom Elbe Klinikum Stade. Der Mediziner muss sich als leitender Arzt der Handchirurgie um die Folgen der Böller-Unfälle kümmern. „Wir hatten in den Elbe Kliniken in den vergangenen Jahren an Silvester glücklicherweise nur wenige Handverletzungen aufgrund von Feuerwerkskörpern", berichtet Hohendorff. Darunter habe es aber schwere Fälle gegeben, bei denen die Amputation von Fingern erforderlich gewesen sei.

"In Anbetracht solch schlimmer bleibender Gesundheitsschäden kann die traditionelle Knallerei in der Silvesternacht eigentlich nicht gerechtfertigt werden", meint der Mediziner. Nach seiner Ansicht sollte kritisch hinterfragt werden, ob das Risiko schwerster Verletzungen durch das Millionengeschäft mit Feuerwerkskörpern gerechtfertigt sei. Hohendorff hält öffentliche Feuerwerke durch Pyrotechniker für eine sinnvolle Alternative zur privaten Böllerei.

Aus ärztlicher Sicht sei bereits eine einzelne Verletzung schon zu viel, so Hohendorff. Dieser Aussage kommt angesichts der aktuellen Pandemie-Situation sicher noch zusätzliche Bedeutung zu. Schließlich ist zu befürchten, dass die zweite Corona-Welle zu einer noch nicht absehbaren Mehrbelastung bei Ärzten und medizinischem Personal führen kann. Der Handchirurg versichert aber: "Die Notfallversorgung in den Elbe Kliniken läuft auch während der Pandemie-Situation ohne Einschränkungen 24 Stunden am Tag weiter."
Dennoch, so der Arzt: "Ein Silvester ohne jegliche Verletzungen wäre für alle Beteiligten sicherlich der schönere Start in ein neues Jahr."

Soll in diesem Jahr das Böllern und Abschießen von Raketen verboten werden? Wäre das richtig, weil damit Krankenhäuser in der Pandemie entlastet werden? Und wenn doch geböllert werden darf - wie sollen Abstandsregeln überhaupt kontrolliert werden, wenn sich Feiernde Silvester treffen? Ihre Meinung ist gefragt: Schicken Sie uns eine Mail an thomas.kreib@kreiszeitung.net.

Ein Interview mit dem Feuerwerker Florian Graf von Bothmer lesen Sie hier

Ein Silvesterfeuerwerk ist für viele Menschen selbstverständlich. Kann Corona das in diesem Jahr ausbremsen?
Handchirurg Dr. Bernd Hohendorff begrüßt ein 
Böllerverbot für 
Privatpersonen
Autor:

Tom Kreib aus Buxtehude

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