Lokale Nachrichtenschmiede im Elb-Dorf Freiburg: "Hier wird jeden Tag die Welt gerettet"

Männerrunde in der alten Korbwerkstatt (v. li.): Ex-Käpt'n und Hafenmeister Hansi Stahr, der "Major" Gerhard Heinrich, Ofensetzer Bruno Gehlhaar, der frühere Landarbeiter Hermann Ringeloth, Heinz Decker alias  "King Kong"
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  • Männerrunde in der alten Korbwerkstatt (v. li.): Ex-Käpt'n und Hafenmeister Hansi Stahr, der "Major" Gerhard Heinrich, Ofensetzer Bruno Gehlhaar, der frühere Landarbeiter Hermann Ringeloth, Heinz Decker alias "King Kong"
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Ältestenrat tagt bei Hafenmeister Hans-Heinrich Stahr (84)


tp. Freiburg. Ex-Seebär Hans-Heinrich Stahr alias "Hansi" (84) wirft am Morgen selbst gehackte Holzscheite ins Feuer, der Geruch des Ofenqualms mischt sich mit dem Duft seines Pfeifentabaks, der bald den ganzen Raum im engen Keller des Hafenmeisterhauses im Elb-Dörfchen Freiburg erfüllt. Punkt 10.30 Uhr, wenn der Reihe nach seine Freunde an die Tür klopfen, ist die Bude warm. Jeden Vormittag - sogar sonntags und zu Weihnachten - treffen sich bei Hafenmeister Hansi die Dorfältesten zum Klönschnack der Kehdinger Originale.

"Hier wird die Welt gerettet", sagt der leidenschaftliche Skipper und Bundeswehr-Offizier A.D., "Major" Gerhard Heinrich (79), ohne beim Sprechen seine Pfeife aus dem Mund zu nehmen. "Nee, wir reden nur dummes Zeug und lügen uns gegenseitig was vor", sagt Bruno Gehlhaar (82), ehemaliger Ofensetzer und Fliesenleger, der nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Ostzone flüchtete.

Tatsächlich wird bei dem Vormittagsplausch viel Seemannsgarn gesponnen. Besonders Hansi Stahr hat Abenteuer-Storys von den sieben Weltmeeren auf Lager. Der Sohn eies Freiburger Korbflechters war ein halbes Kind, als er als Schiffsjunge anheuerte und vom Matrosen über Bootsmann nach dem Besuch der Seemannschule in Schweden zum Fischerei-Kapitän auf großer Fahrt aufstieg. Er hat die ganze Welt gesehen, von Südafrika, wo er eine Kneipe besaß, bis Südamerika. Dann kehrte er in sein Elternhaus, dem verwitterten Backsteinkoloss am Freiburger Hafen, zurück. Er blieb unverheiratet und kinderlos in der Wohnung im ersten Stock des ansonsten unbewohnten Hauses zurück. Angeblich "durch Ärztepfusch" verlor er ein Bein, und versorgt sich trotz des hohen Alters und der Gehbehinderung noch selbst. Fuß-Salbe aus der Apotheke oder auch mal einen Kasten Wasser bringen ihm seine Freunde vom Ältestenrat ins Haus, bevor sie in eingeweihter Runde in die Gespräche einsteigen - von Leben und Tod, hoher See und dem flachen Land in Nordkehdingen.

Hansis Kellergewölbe gilt als lokale Nachrichtenschmiede für die Generation Ü70 des beschaulichen Fleckens. "Wir brauchen keine Zeitung, was morgen drin steht, wird nämlich heute schon hier besprochen", sagt Heinz Decker alias "King Kong" und knackt sich mit dem Taschenmesser mit keckem Blick eine Walnuss. Mit seinen 70 Jahren ist der frühere Zimmermann und heutige Freiburger Schleusenwärter das "Küken". Zur Altherrenrunde gehört auch Hermann Ringeloth (79), früherer landwirtschaftlicher Arbeiter. Wie seine Gefährten aus dem Dorfsenat, in dem Platt die Amtssprache ist, betrachtet Ringeloth die Entwicklung der ehemaligen Kehdinger Kreisstadt Freiburg, wo es früher sogar ein Krankenhaus gab, mit Skepsis: "Der Ort hat sich wirtschaftlich zurück entwickelt", stimmen die alten Herren mit Blick auf verlassene Wohnhäuser und leer stehende Geschäfte überein. "Doch wir haben das Alter erreicht, in dem wir so etwas an uns vorbeiziehen lassen", sagt der Major.

An manchen Tagen kommt kein großes Thema zur Sprache, dann spielen die Herren gemeinsam eine Partie Tischkegeln um ein Paar Münzen. Und wenn einer Geburtstag hat, dampft ein Topf Fliederbeer-Grog in der Werkstatt. "Ansonsten ist Hochprozentiges Tabu", sagt die Oldie-Riege: "Wir müssen schließlich einen klaren Kopf bewahren."

Gegen 12 Uhr löst sich das Konzil auf, denn zu Hause warten die Frauen mit dem Mittagessen und erfahren als Erste die Dorf-News. Der Hafenmeister bleibt allein zurück. "Tschüss, Hansi. Morgen sehen wir uns ja schon wieder."

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Thorsten Penz aus Stade

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