Mögliche Schadstoff-Belastung in Kita: Kirche soll erst spät informiert haben

Stein des Anstoßes: die Stader Johannis-Kita  Foto: jd
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jd. Stade. Die Vorwürfe sind heftig: Im Johannis-Kindergarten soll es Probleme wegen einer angeblich erhöhten Schadstoffbelastung geben. Seitdem der Kita-Neubau vor rund einem Jahr bezogen wurde, würde das Personal vermehrt über gesundheitliche Probleme klagen, heißt es in einem wahrscheinlich von Mitarbeitern verfassten Schreiben, das dem WOCHENBLATT vorliegt. Bei den Erzieherinnen sollen vermehrt Symptome wie Schwindel, Atemnot, Brustschmerzen, geschwollene Nasenschleimhäute und Heiserkeit auftreten. Der Krankenstand sei hoch und einige Mitarbeiter hätten inzwischen gekündigt, um nicht weiter den Schadstoffen ausgesetzt zu sein.

Doch die Sorgen des Personals sollen vom Arbeitgeber, dem evangelisch-lutherischen Kindertagesstätten-Verband Stade (Kita-Verband), lange Zeit ignoriert worden sein, so der Vorwurf: "Die verbleibenden Mitarbeiter versuchen seit einem Jahr immer wieder, sich mit dem Luftproblem Gehör zu verschaffen", steht in dem Schreiben. Erst im Juli, also fast ein Jahr nach der Eröffnung, habe die Kirche als Träger der Kita endlich ein Gutachterbüro beauftragt, Messungen vorzunehmen. "Ein recht später Zeitpunkt, wenn man an die Fürsorgepflicht von Träger und Stadt Stade gegenüber Mitarbeitern und Kindern denkt", so die Verfasser des Schreibens.

Über die Ergebnisse des Gutachtens gibt es unterschiedliche Aussagen. In dem Schreiben wird behauptet, dass laut Untersuchung "Schadstoffe ausdünsten, die auf keinen Fall mehr nach einem Jahr gemessen werden dürften und in einem Kindergarten nichts zu suchen haben." Diese Stoffe sollen unter anderem krebserregend und Auslöser für verschiedenen Krankheiten sein.

Als "im Ergebnis unbedenklich" bezeichnet hingegen Stades Bürgermeisterin Silvia Nieber die vom Biolabor Hamburg gemessenen Schadstoffwerte. Die festgestellten Konzentrationen würden sich am unteren Richtwert bzw. auch noch unterhalb davon bewegen. In Auftrag gegeben wurden die Messungen aber nicht von der Stadt, sondern vom Kita-Verband. Laut dessen Geschäftsführerin Elisabeth Salzburg-Reymann sei festgestellt worden, dass "die Durchlüftung in den Räumen nicht ausreichend ist, aber für Mitarbeitende und Kinder keine Gesundheitsgefahr besteht."

Der Kita-Verband räumt zwar ein, dass die Mitarbeiter über Kopfschmerzen und schlechte Luft im Kindergarten geklagt hätten, der Krankenstand derzeit aber nicht höher sei als in anderen Einrichtungen. Zudem handele es sich nicht um Atemwegserkrankungen.
Warum aber die Eltern bei einem Thema von solcher Brisanz nicht schon viel früher informiert wurden, bleibt ungeklärt. Erst nach den Sommerferien soll kurzfristig ein Elternabend anberaumt worden sein, auf dem erstmals das Problem zur Sprache kam.

Erst dort zeigte sich angeblich, dass bei einigen Kindern ebenfalls ähnliche Symptome wie beim Personal aufgetreten sind, deren Ursache aber von den unwissenden Eltern nicht in der Kita vermutet wurde. Der Kita-Verband soll laut der Geschäftsführerin konkret nur von zwei Eltern angesprochen worden sein. Inzwischen ist ein zweites Gutachten in Auftrag gegeben worden - diesmal von der Stadt Stade.

Nieber erklärte auf WOCHENBLATT-Nachfrage, dass "eine differenziertere Raumluftuntersuchung" auf flüchtige organische Verbindungen und Formaldehyd erfolgt sei. Eine Belastung mit diesen Schadstoffen liege nicht vor, sicherheitshalber seien aber Proben des Bodenbelags entnommen worden. Das Ergebnis dieser Proben müsse noch ausgewertet werden, so Nieber. Bei einzelnen Stoffen seien "hervorstechende Werte" gemessen worden, diese würden aber noch deutlich unter den Grenzwerten liegen.

Der Kita-Verband verspricht aber, gegebenenfalls zu handeln: "Wenn sich herausstellt, dass tatsächliche eine Belastung gegeben ist, werden wir gemeinsam mit der Hansestadt Stade nach einer anderen Lösung Ausschau halten."

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