Nicht gerade ein perfekter Start für "Start Unterelbe"

Trotz vieler Startschwierigkeiten ist "Start" auf einem guten Weg   Foto: jab
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Vor zwei Monaten nahm das Bahnunternehmen den Betrieb auf: eine erste Bilanz

(jd). Ein paar Pannen, reichlich Pech und der feste Wille, die Probleme in den Griff zu bekommen - so ließe sich die Zwischenbilanz für die ersten Wochen von "Start Unterelbe" auf den Punkt bringen. Das Bahnunternehmen, das als Nachfolger des Metronom die Strecke Hamburg - Stade - Cuxhaven bedient, hat vor genau zwei Monaten den Betrieb aufgenommen. Der Start am 9. Dezember wurde gleich zum Fehlstart - allerdings unverschuldet: Der bundesweite Eisenbahnerstreik hatte den Zugverkehr an diesem Tag zum Erliegen gebracht. Das ist ebenso in die Kategorie "Pech" einzuordnen wie die Streckensperrung gleich am folgenden Tag: Grund war ein in Stade auf die Gleise gestürzter Baum. Seitdem werden auf der Internet-Seite von "Start" fast täglich Verspätungen oder Zugausfälle gemeldet. Beginnt die Bahn-Tochter etwa so, wie der Vorgänger Metronom aufgehört hat?

Technische Störungen,schwierige Infrastruktur
Zur Erinnerung: Der Metronom legte einen holperigen Abgang hin, Pendler beklagten sich im vergangenen Herbst über die Häufung von Zugausfällen. Zeitweise wurden nach Angaben der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG), die in Niedersachsen für die Bedarfsplanung beim Schienenverkehr zuständig ist, bis zu zehn Fahrten pro Tag gestrichen. In dieser Hinsicht sieht die derzeitige Bilanz für "Start" wesentlich besser aus: Zugausfälle kommen nur alle paar Tage vor. Die Ursachen gehören überwiegend in die Kategorie "Pannen": Vor allem technische Störungen an Fahrzeugen, Weichen und Signalen führten zu liegengebliebenen Zügen und Verspätungen, kurz vor Weihnachten war ein "kurzfristiger" Personalausfall der Grund.

Gerade bei der Infrastruktur, die eine andere Bahntochter, die DB Netz AG, als Streckeneigentümerin bereitstellt, scheint es immer wieder zu haken. Signale fallen aus und die Stellwerkstechnik streikt - Probleme, mit denen auch der Metronom zu kämpfen hatte. Er sei sich dieser Herausforderungen auf dieser Strecke bewusst, erklärte "Start"-Geschäftsführer Lars Kappel drei Monate vor Betriebsbeginn. Da ahnte Kappel noch nicht, was auf sein junges Unternehmen zukommt.

Fehlende Züge, falsche Informationen
So fehlten in den ersten Wochen Züge, weil diese instand gesetzt werden mussten, und es gab erhebliche Probleme bei der Fahrgastinformation. Inzwischen seien mehr Züge verfügbar, erklärt "Start"-Sprecherin Claudia Böhner auf WOCHENBLATT-Nachfrage. Bei kleineren Reparaturen werde auf eine "mobile Instandhaltung" zurückgegriffen. Der Vorteil: Ausfallzeiten werden reduziert, weil die Wagen nicht in die Werkstatt müssen. Allerdings stehe nach der Kollision eines Zuges mit einem Lkw am Bahnübergang in Agathenburg aktuell kein Reservezug mehr zur Verfügung, so Böhner.

Besonders ärgerlich für Bahnreisende waren die Fehlinformationen bei Verspätungen. Oftmals wurden verzögerte Ankünfte bzw. Abfahrten angezeigt, obwohl das gar nicht der Fall war. Das liege an einem Softwarefehler, der jetzt behoben werde, so Böhner. Das Fahrgast-Infosystem soll die Meldungen auch automatisiert über Twitter verbreiten. "Twitter werden wir jetzt solange manuell bedienen, bis die technischen Schwierigkeiten beseitigt sind", erklärt die Sprecherin.

Trotz vieler Probleme einen guten Job gemacht
Trotz aller Startschwierigkeiten: Die LNVG sieht "Start" auf einem guten Weg. LNVG-Sprecher Rainer Peters attestiert dem Newcomer, trotz der technischen Widrigkeiten, "für die das Unternehmen nichts kann", "professionell" zu arbeiten. "Wir haben nach zwei Monaten alles in allem den Eindruck gewonnen, dass der neue Betreiber und seine Beschäftigten sehr motiviert sind und einen guten Job machen."

Hinsichtlich der Pünktlichkeits-Statistik kann Peters bei "Start" noch keine konkreten Aussagen machen. Für eine Analyse sei es zu früh, weil bisher nur die Daten der ersten zwei Wochen ausgewertet seien. Fest stehe hingegen, dass der Vorgänger Metronom das Pünktlichkeitsziel für 2018 verfehlt habe, so Peters: "Gefordert waren 95 Prozent pünktliche Züge, erreicht wurden 91,61 Prozent." Als pünktlich wertet die LNVG alle Züge, deren Verspätung unter fünf Minuten liegt. Ende Februar könne er für "Start" erste Zahlen nennen, so Peters.

"Start"-Sprecherin Böhner versprüht jedenfalls Optimismus: "Unser Fazit fällt nach den zwei Monaten positiv aus. Trotz diverser Schwierigkeiten - unter anderem bedingt durch Streik, Fahrzeugmangel und die Infrastruktur der Strecke - haben wir unser Bestes gegeben und Probleme gelöst."

Trotz vieler Startschwierigkeiten ist "Start" auf einem guten Weg   Foto: jab
Bahnfahrer mussten häufiger auf verspätete Züge warten

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