Papierabzüge von Bildern dürfen nicht per Brief ins Ausland verschickt werden
Post-Irrsinn bei Fotoversand

Bei einem Brief ins Ausland dürfen Fotos eigentlich nicht ins Kuvert  Foto: jd
  • Bei einem Brief ins Ausland dürfen Fotos eigentlich nicht ins Kuvert Foto: jd
  • hochgeladen von Jörg Dammann

(jd). Das Briefeschreiben ist in Zeiten von E-Mail, Whatsapp und Co. aus der Mode gekommen - und das Versenden von Fotos per Post erst recht. Bilder werden einfach ins Internet hochgeladen und über die sozialen Medien geteilt. Es gibt aber noch Menschen, die lieber aus guter alter Gewohnheit Fotoabzüge auf Papier in den Händen halten, als sich durch eine Bildergalerie auf dem Smartphone zu wischen. Dazu gehört auch die Schwiegermutter von WOCHENBLATT-Leser Jürgen Reinke. Der ärgert sich über das, was der alten Dame kürzlich am Postschalter widerfahren ist.
Sie hatte einem Brief an ihre Cousine in New York - so wie sie es immer macht - vier aktuelle Familienfotos beigelegt. Für solche Briefe in die USA zahlte sie bislang, je nach Gewicht, höchstens 3,70 Euro Porto. Doch diesmal sollte die gleiche Postsendung 16 Euro kosten. Die Schwiegermutter lehnte ab und die Cousine in den Staaten muss nun auf Bilder von den Lieben in "good old Europe" verzichten.

Was war passiert? "Der Mitarbeiter in der Postfiliale hat den Briefumschlag abgetastet und nach dem Inhalt gefragt", berichtet Reinke. Als Schwiegermutter Renate dann erklärte, es handele sich um Fotos, erhielt sie die Auskunft, dass der Foto-Versand im sogenannten "Brief international" seit diesem Jahr nicht mehr zulässig sei. Der Mann am Schalter bot ihr als Alternative das "Päckchen international" an. Kostenpunkt: besagte 16 Euro. "Dass meine Schwiegermutter bei diesem horrenden Preis auf den Versand der Bilder verzichtet hat, ist doch wohl verständlich", meint Reinke.

Der versuchte auf den Internet-Infoseiten der Deutschen Post zu ergründen, was hinter diesen neuen Bestimmungen steckt. Er fand lediglich heraus, dass Privatkunden seit dem 1. 1. 2019 keine Waren mehr per Brief versenden dürfen. Ein paar Familienfotos sollen ernsthaft eine Ware sein? Jürgen Reinke fasst sich an den Kopf. Eine Nachfrage bei der Kundenhotline der Post brachte ebenfalls keine Klärung. "Die Mitarbeiterin verfügt anscheinend auch nur über die gleichen unklaren Informationen, die auch auf der Homepage der Post zu lesen sind", berichtet der erboste Schwiegersohn.

Er wundert sich vor allem darüber, dass laut Post CDs, DVDs und USB-Sticks als Dokumente gelten, deren Versand mit einem internationalen Brief weiterhin zulässig ist: "Diese digitalen Speicher können doch massenhaft Foto-Dateien enthalten. Was ist denn der Unterschied zum Versand der Bilder in Papierform?", fragt sich Reinke. Wer nicht die modernen Medien nutze, werde mit einem irrwitzigen Porto bestraft. Und überhaupt: "Wie gedenkt die Post denn zu kontrollieren, ob ein Brief Fotos oder Dokumente enthält?"

"Das können wir nicht überprüfen", sagt Post-Sprecherin Maike Wintjen: "Wir als Dienstleister wissen nicht, was ein Kunde verschickt. Da gilt das Brief- und Postgeheimnis." Wintjen verweist auf eine Regelung des Weltpostvereins, wonach seit dem 1. Januar keine internationalen Warensendungen mehr per Brief verschickt werden dürfen. Privatkunden bleibt dann nur das teure Päckchen oder das noch teurere Paket. Laut Wintjen geht es dabei um Zoll- und Sicherheitsbestimmungen, die von immer mehr Ländern verschärft worden sind.
Die Frage, ob Papierabzüge von Fotos auch als Waren gelten, vermag Wintjen nicht eindeutig zu beantworten: "Wenn es ein Stapel Fotos ist, dann wären wir sicher im Bereich der Warensendung. Wenn es nur ein paar Abzüge sind, dann dürften die in einem Brief sicher nicht auffallen." Wintjens persönlicher Rat an Jürgen Reinke und seine Schwiegermutter: "Ich würde die Fotos einfach in einen Umschlag stecken und verschicken."

Ob das tatsächlich zulässig sei, könne sie aber nicht sagen. Sie kenne nicht im Detail die Einfuhrbestimmungen für die USA und außerdem gelte das Prinzip, dass jeder Absender einer Sendung selbst für den Inhalt verantwortlich sei. Wintjen reicht den Schwarzen Peter weiter: Sie empfiehlt Jürgen Reinke, beim Zoll nachzufragen.

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