Schlachthof-Skandal in Düdenbüttel
"Soko Tierschutz" bekommt neue Hinweise

Friedrich Mülln bei einer vorangegangenen Aktion Fotos: Soko Tierschutz
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Schlachthof-Skandal in Düdenbüttel: So arbeitet die "Soko Tierschutz" tk. Landkreis. Ein Vermummter, bewaffnet mit einer Axt, ist schon auf ihn zugestürmt und überfahren wollte man Friedrich Mülln ebenfalls. Eine Rufmordkampagne, erdacht von einer Agentur in der Schweiz, sollte den Gründer der Tierschutzorganisation "Soko Tierschutz" diskreditieren und damit möglichst mundtot machen. Dass die "Soko Tierschutz" jetzt den Schlachthofskandal in Düdenbüttel aufgedeckt hat, zeigt aber: Das waren vergebliche Versuche. Das WOCHENBLATT hat mit Friedrich Mülln darüber gesprochen, wie Düdenbüttel in den Fokus der Tierschützer geraten ist und wie sie ermittelt haben. Einige Details der aufwendigen Recherche muss Mülln zwar für sich behalten, doch was er erzählt, ist ein Beleg für seine Aussage: "Wir machen keine Blindschüsse".

Ins Rollen kam der Düdenbüttel-Skandal durch den fast identischen Fall in Bad Iburg.  "Wir hatten Hinweise, dass es ähnliche Praktiken auch anderswo gibt", sagt Mülln. Das heißt: Kranke Tiere, vor allem Milchkühe, werden mit Gewalt auf Transporter geschleift und auf dieselbe grausame Weise auf dem Schlachthof wieder heruntergezogen. Die "Soko Tierschutz" hatte sich im Großraum Hamburg umgesehen und war dabei auch in Düdenbüttel bei einer Vor-Ort-Recherche. Auffällig sei gewesen, dass dort viele kleine Transporter vorfuhren. "Das war in Bad Iburg identisch", so Mülln. Zudem wurde das Netz an Informanten im nordwestdeutschen Raum aktiviert. "Die Zusammenarbeit mit unseren Quellen ist immens wichtig", so der Tierschützer. Zudem geht die "Soko Tierschutz", auch wenn sie erste Hinweise hat, nie aktionistisch vor. "Ist das wirklich plausibel oder könnte es auch um Verleumdung gehen, wird immer als Frage betrachtet", sagt Mülln. Nach Auswertung aller Informationen und der ersten Recherche vor Ort sei aber sehr schnell klar geworden, dass Düdenbüttel in den Fokus rücken müsse.  

Wie es der "Soko Tierschutz" gelang, die Videoaufnahmen von Qualtransporten fast verendeter Milchkühe zu bekommen, verrät Mülln nicht. Er sagt aber: "Solche eindeutigen Bilder sind vorher noch nie gelungen." Das Vorgehen und die Ausrüstung der Tierschützer ist professionell: Nachtsichtgeräte, Kameras mit sehr lichtstarken Teleobjektiven, Videokameras, die verdeckt platziert werden können. Außerdem sind die jeweiligen Teams häufig gut getarnt vor Ort. Was wohl auch in Düdenbüttel zeitweise der Fall war.

Eine Geschichte am Rande: Als alle Beweise schon auf Video gesichert waren, hatten die "Soko"-Mitarbeiter mit Friedrich Mülln einen Transporter des Schlachbetriebs zu einem Hof in der Nähe verfolgt. Dort sollte ein sogenannter Downer abgeholt werden. Das sind meist extrem abgemagerte Milchkühe, die häufig krank sind und sich schon seit längerer Zeit nicht mehr auf den Beinen halten können. Weil sich die Tierschützer nicht gut verstecken konnten, wurden sie entdeckt und gaben sich zu erkennen. Der Transporterfahrer gab Vollgas. Die Kuh blieb liegen und wurde anschließend notgeschlachtet. Der Landwirt erklärte Mülln, dass sich der extrem schlechte Zustand "erst über Nacht" ergeben hätte und er das Tier ohnehin hätte notschlachten lassen wollen. Das Stader Veterinäramt habe zugesagt, so Friedrich Mülln, eine Autopsie in Auftrag zu geben. "Gehört habe ich bislang nichts davon." Laut Landkreis-Dezernentin Nicole Streitz habe die Sektion ergeben, dass kein eindeutiger Hinweis auf einen Tierschutzrechtsverstoß vorgelegen habe.

Der Schlachthof in Düdenbüttel muss nach dem Skandal in Bad Iburg übrigens mit einer Überwachung durch Tierschützer gerechnet haben. Laut Friedrich Mülln war er mit Videokameras und In-frarot-Technik sehr gut abgesichert.

Dass der Schlachthof-Skandal in Düdenbüttel jenseits der juristischen Aufarbeitung abgeschlossen ist, glaubt Mülln nicht. "Wir bekommen immer wieder neue Hinweise." Es haben sich unter anderem entsetzte Pferdehalter gemeldet, die ihr Tier dorthin zur Tötung gebracht haben, weil sie davon ausgegangen waren, dass es besonders tiergerecht vonstatten gehe.

Nicole Streitz, Dezernentin des Landkreises Stade und für das Veterinäramt verantwortlich, erklärt auf WOCHENBLATT-Nachfrage, dass Schlachtungen in dem Düdenbütteler Betrieb weiterhin, bis zum 17. Mai, untersagt seien. Wie es danach weitergehe, sei Sache des Landes. Theoretisch möglich wäre der Entzug der EU-Schlachterlaubnis. Die beiden amtlichen Tierärzte, das sind Veterinäre, die auf Honorarbasis für den Kreis arbeiten, und die für den Düdenbütteler Schlachthof zuständig waren, lassen ihre Tätigkeit für das Veterinäramt derzeit auf eigenen Wunsch ruhen, bis alle Vorwürfe geklärt sind.

Autor:

Tom Kreib

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