Existenz aufgebaut
"Wer es will, schafft es auch"

Henar Chikho (li.) und Serbas Schecho machten sich als Schneider und Friseur selbstständig
  • Henar Chikho (li.) und Serbas Schecho machten sich als Schneider und Friseur selbstständig
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  • hochgeladen von Jaana Bollmann

jab. Stade. Wer in ein fremdes Land zieht, der muss meist einige Hürden überwinden, um voll und ganz dort anzukommen. Die Sprache erlernen, eine Arbeit finden, ebenso wie Freunde - all das will gemeistert werden. Henar Chikho (29) und sein Bruder Serbas Schecho (32) können davon ein Lied singen. Vor mehreren Jahren kamen sie aus Syrien nach Deutschland und haben in Stade eine neue Heimat gefunden - und sich sogar selbstständig gemacht.

"Wenn man will, dann schafft man es auch", sind sich die Brüder einig. Der Anfang war dennoch schwer. Allerdings nutzten sie ihre Chance, denn zu verlieren hatten sie nichts, meint Schecho. Als politisch Verfolgter kam er, der als Kurde in Syrien lebte und dort als Friseur arbeitete, vor zehn Jahren nach Deutschland. Zwei Wochen hat die Flucht gedauert. "Die letzten vier Tage hatte ich nichts mehr zu essen", erzählt er. In Stade schaffte der 32-Jährige es, dank der Hilfe eines Onkels, der bereits seit 30 Jahren in der Hansestadt lebt, anzukommen. Der verheiratete Familienvater strebt inzwischen sogar eine Einbürgerung an. Sein Bruder, gelernter Schneider, flüchtete vor fünf Jahren wegen des Krieges in Syrien zu seinem Bruder. Sein Weg über zahlreiche Grenzen dauerte einen Monat. Auch Geschwister und Eltern sowie Schechos Frau konnten sie mit der Zeit zu sich holen.

Der Weg in die Selbstständigkeit war für das Brüder-Duo mit vielen Hürden verbunden. Allen voran war es die Sprache, die es ihnen schwer machte. Schecho lernte Deutsch nach eigenen Angaben sehr schnell durch deutsche Freunde, zu denen er viel Kontakt pflegte. "Sonst lernt man einfach nichts", meint er. Als er schließlich einen Deutschkursus machen durfte, waren seine Kenntnisse zu weit fortgeschritten, sodass er ihn abbrach. Stattdessen absolvierte er einen Kurs für Bewerbungstraining. Das habe ihm sehr geholfen, schließlich wollte er schnell Arbeit finden. Er fand eine Anstellung in einem Dönerladen in Apensen, den er sogar übernahm.

Doch er wollte lieber dort arbeiten, wo er wohnt: in Stade. So eröffnete er in der Hansestadt einen Dönerimbiss. Außerdem mietete er Räumlichkeiten für seinen Friseursalon. Inzwischen lag nämlich die Genehmigung durch die Handwerkskammer vor. Und nebenan zog Bruder Chikho ein, der dort eine kleine Änderungsschneiderei betreibt.

Auch Chikho konnte anfangs kein Wort Deutsch. Mit Hilfe einer Übersetzungs-App auf dem Smartphone machte er sich auf die Suche nach Arbeit. In Harburg wurde er schließlich fündig. Die Besitzerin einer Schneiderei stellte Chikho an und unterstützte ihn bei der Anmeldung und Koordination der Deutschkurse. Durch die Verbindung von Unterricht und Arbeitsalltag lernte er die Sprache recht schnell.

Hilfe beim Ausfüllen von Papieren und bei der Post erhalten die Brüder durch eine ältere Dame in Stade. Denn viele deutsche Vokabeln sind ihnen nach wie vor nicht geläufig. Aber im täglichen Kontakt mit den Kunden verbessern sie ständig ihr Deutsch. Auch einige Denkweisen aus ihrer neuen Heimat haben sie inzwischen übernommen. "Das Denken in unserer Heimat ist teilweise sehr altmodisch", so Schecho.

Sie haben Deutschland und den Menschen hier viel zu verdanken, meinen die Brüder. Hier seien sie endlich frei. Und jeder erhalte eine Chance, man müsse sie nur nutzen, so Schecho. "Wir haben bei null angefangen", ergänzt Chikho. Aber sie hätten es geschafft und sind inzwischen ganz in der deutschen Gesellschaft angekommen.

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