jd. Stade. Aufsichtsrat - der geheimnisvolle Zirkel: Die meiste Zeit wirkt ein Aufsichtsrat eher im Verborgenen. Scheidet jemand aus dem Gremium aus, geschieht das meist sang- und klanglos. Die Öffentlichkeit erfährt in der Regel davon nichts. Ganz anders bei der Stader CDU-Ratsherrin und Fraktionschefin Kristina Kilian-Klinge: Sie legte beim Aufsichtsrat der Elbe Kliniken einen Abgang mit Pauken und Trompeten hin. Statt des üblichen Zweizeilers schrieb sie ein dreiseitigen Brief - gespickt mit Kritik an den Zuständen an den Elbe Kliniken.
Sie listet in ihrem Schreiben gleich mehrere Punkte auf, bei denen sie an den Elbe Kliniken Versäumnisse sieht: u.a. Betriebsklima, Unternehmenskultur, innerbetriebliche Kommunikation, technische Ausstattung. Kilian-Klinge wird in ihrem Rücktrittsschreiben allerdings nie konkret. Das begründet sie auf WOCHENBLATT-Nachfrage mit ihrer Schweigepflicht als bisheriges Aufsichtsratsmitglied.

Zudem verlangt sie, dass ihr Brief auch nicht weiter interpretiert werden soll. Jeder Satz sei mit Bedacht formuliert worden. Doch wie möchte Kilian-Klinge ihre in weiten Passagen nebulösen Andeutungen denn verstanden wissen, wenn nicht als Kritik an der Klinikleitung um Geschäftsführer Siegfried Ristau?

Die Rede ist beispielsweise von strukturellen Problemen im Krankenhaus, weswegen dessen Grundaufgabe, nämlich die Bevölkerung auf medizinisch hohem Niveau zu versorgen, "nicht entsprechend dem gesetzlichen Anspruch erfüllt werden konnte". Zudem dürften fehlende finanzielle Mittel "nicht per se die Rechtfertigung für Untätigkeit oder die Nichtumsetzung von dringenden strukturellen Maßnahmen sein", so Kilian-Klinge. Denn es gebe Abteilungen, wo eine "große Unzufriedenheit mit den vorhandenen Strukturen" bestehe.

Das ist - wenn auch etwas verklausuliert - nichts anderes als Kritik an Klinikchef Ristau. Der allerdings hüllt sich in Schweigen. Über eine Marketing-Mitarbeiterin ließ er ausrichten, dass er sich zu den Vorwürfen nicht äußern möchte. Stades Bürgermeister Sönke Hartlef wiederum, auch er sitzt im Aufsichtsrat, zeigt Verständnis für Kilian-Klinges Rückzug. Dahinter stehe letztlich die Erkenntnis, dass dieses Gremium eben keinen Einfluss auf das operative Geschäft habe. Die CDU-Ratsherrin zeige nach seiner Ansicht "eine aufrechte Haltung", wenn sie angesichts dieser Erkenntnis die Konsequenzen ziehe.

Über den konkreten Anlass für den Rücktritt und die kritischen Worte Kilian-Klinges kann aber letztlich nur spekuliert werden. Sie selbst erklärt, Einblicke in die Situation der Elbe Kliniken über ihre Funktion als Ratsmitglied, aber auch über ihre Tätigkeit als Anwältin erhalten zu haben. Was Patienten ihr geschildert hätten, sei "nicht akzeptabel". Zudem nennt sie ein bestimmtes Datum, ohne näher darauf einzugehen.

Für den Aufsichtsratsvorsitzenden der Klinik, Landrat Michael Roesberg, ist damit klar: "Die Gründe für Frau Kilian-Klinges Rücktritt müssen im privaten Bereich liegen." Der überraschende Rücktritt sei für ihn sonst nicht erklärlich. An der Arbeit des Aufsichtsrats könne es jedenfalls nicht liegen: Dort herrsche ein offenes und vertrauensvolles Klima. Es gebe keine grundlegenden Zwistigkeiten.
Kilian-Klinge aber bleibt dabei: "Es gab keine privaten Gründe für den Rücktritt."

An den Elbe Kliniken wird Kritik geübt
Kristina Kilian-Klinge hat ihr Aufsichtsratsmandat niedergelegt
Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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