Mehr als die Hälfte der Kreisstraßen ist in einem schlechten Zustand
Das Elend unserer Straßen

Tempo 70, weil die Straße kaputt ist: keine Seltenheit im Landkreis Stade   Foto: Archiv/jd
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  • hochgeladen von Jörg Dammann

jd. Stade. "STD - Straßen total desolat": So interpretierte das WOCHENBLATT das Autokennzeichen unseres Landkreises vor rund anderthalb Jahren. Anlass war eine landesweite Erhebung zum Zustand der Kreisstraßen, bei der der Kreis Stade auf dem letzten Platz landete. Spürbar gebessert hat sich seitdem nichts. Die Finanzmittel für die Sanierung der maroden Strecken sind von der Kreispolitik zwar von fünf auf sieben Mio. Euro aufgestockt worden und werden ab 2020 auf acht Millionen Euro erhöht, doch damit können nur die schlimmsten Mängel behoben werden. Jetzt befasste sich der Bau- und Wegeausschuss mit dem Elend.

Die Kreispolitiker ließen sich auf der Sitzung noch einmal von einem Experten bestätigen, was eigentlich seit Jahren bekannt ist: Ein Großteil der Kreisstraßen befindet sich in einem schlechten Zustand - so schlecht, dass der Ingenieur Henning Balck von dem mit der Erfassung der Straßenzustands beauftragten Fachbüro in seinem Bericht das Wort "bedenklich" benutzte. Nimmt man nämlich den Durchschnitt aller Kreisstraßen, so liegt der Gesamtzustand knapp unter dem sogenannten Warnwert.

Gemäß der gängigen Kategorisierung von 1 (sehr gut) bis 5 (sehr schlecht) liegt die Schwelle für den Warnwert bei 3,5. Wird diese Schwelle bei einer Straße überschritten, sind dort innerhalb kürzester Zeit Maßnahmen zum Erhalt der Fahrbahn erforderlich. Das wäre Kategorie 4 (schlecht). Bei Kategorie 5 besteht sofortiger Handlungsbedarf. Dann muss eine Temporeduzierung oder Nutzungsbeschränkung angeordnet werden. Schlimmstenfalls wäre die Straße sogar zu sperren.

Nach der Erhebung vom Vorjahr waren 290 von 382 Kilometern Kreisstraße den Kategorien 4 bis 5 zuzuordnen. Dazu hat Balck aktuelle Daten von seiner Straßenzustandserfassung im Frühjahr vorgelegt. Demnach fallen Strecken auf einer Länge von 130 Kilometern in die Kategorie 5 und bei weiteren 100 Kilometern erfolgt die Einstufung in Kategorie 4. Dass etwas passieren muss, ist angesichts dieser Fakten wohl jedem Politiker klar.

Bereits vor zwei Jahren erklärte der Vorgänger von Kreisbaurätin Madeleine Pönitz, Hans-Hermann Bode, dass der Landkreis pro Kilometer rund 800.000 Euro investieren müsse, um eine Straße wieder in Ordnung zu bringen. Nach dieser Rechnung wären 200 Millionen Euro aufzubringen, um alle maroden Straßen so zu sanieren, dass sie zumindest das Niveau der Kategorie 2 (gut) erreichen.

Dass Bode seinerzeit richtig gerechnet hat, wurde auch im Ausschuss deutlich. Dort wurde ein jährlicher Betrag von 12,3 Millionen Euro genannt, der zehn Jahre lang aufgebracht werden müsste, damit sich der jetzige Zustand der Straßen nicht weiter verschlechtert. In diesem Zeitraum müssten weitere sieben Millionen Euro pro Jahr in die Straßensanierung investiert werden, um den Zustand der Fahrbahnen deutlich zu verbessern. Unterm Strich wären das 190,3 Millionen Euro, was nicht weit entfernt von der von Bode genannten Summe liegt.

Auch in dieser Hinsicht gibt es also keine neuen Erkenntnisse. Weitgehend einig waren sich die Politiker darin, dass kaum mehr als die jährlich bereitgestellten acht Millionen Euro finanziell machbar sind.

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