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Mit Kommentar: "Zu schön, um wahr zu sein"
Die Stader Politik gibt dem Ankerplatz-Verein eine letzte Chance

Auf dem Platz Am Sande tummeln sich während des Stader Frühjahrs-Flohmarktes Scharen von Menschen. Dem Ankerplatz-Verein ist es hingegen bisher nicht gelungen, den Platz mit Leben zu füllen | Foto: Martin Elsen/nord-luftbilder.de
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  • Auf dem Platz Am Sande tummeln sich während des Stader Frühjahrs-Flohmarktes Scharen von Menschen. Dem Ankerplatz-Verein ist es hingegen bisher nicht gelungen, den Platz mit Leben zu füllen
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In der Debatte um den Stader Ankerplatz hat die Politik nun ein Machtwort gesprochen: Im Ausschuss für Stadtentwicklung, Klima und Umwelt wurde beschlossen, dem Ankerplatz-Verein eine weitere, diesmal aber allerletzte Chance zu geben. Der Nutzungsvertrag zwischen Stadt und Verein soll bis Oktober verlängert werden - in der Hoffnung, dass bis dahin etwas – irgendetwas – auf dem Ankerplatz passiert. Unklar ist allerdings, in welcher Form und in welchem Umfang der Verein bis zum Herbst Ergebnisse liefern muss. Reicht womöglich eine Veranstaltung im Monat? Skeptiker befürchten schon jetzt, dass hier mal wieder eine Hintertür offengehalten wird. 

Lesen Sie dazu den Kommentar: bitte nach unten scrollen!

Der Ankerplatz, konzipiert als Leuchtturmprojekt zur Belebung der Stader Innenstadt, hat sich über die Jahre zu einem Sinnbild für Stillstand entwickelt. Das Areal auf dem Platz Am Sande präsentiert sich seit Längerem als Ansammlung ungenutzter Container. Die CDU und die Wählergemeinschaft (WG) wollten jetzt die Reißleine ziehen und stellten einen Antrag, der das Projekt auf den Prüfstand stellen sollte. Die CDU/WG-Gruppe im Stader Rat kritisierte, dass der Ankerplatz-Verein zwar Preise sammelt, aber vor Ort so gut wie nichts umsetzt. Die Grünen verteidigten den Verein und hielten die Kritik für überzogen. Die Probleme des Ankerplatzes seien nicht nur dem Verein anzulasten, sondern auch bürokratischen Hürden und langen Vergabeprozessen geschuldet. Sie stellten einen Änderungsantrag, der dem CDU-Antrag seine Schärfe nehmen sollte.

CDU/WG-Antrag zum Ankerplatz: Stade macht sich lächerlich

Genossen üben "Stilkritik"

Die SPD hatte sich im Vorfeld der Sitzung nicht öffentlich zum Thema Ankerplatz geäußert. Im Ausschuss wurde deutlich: Die Genossen teilen die grundsätzliche Kritik und stehen weitestgehend zu den inhaltlichen Forderungen des CDU-Antrages. Sie kritisierten aber die Vorgehensweise sowie einige zu hart klingende Formulierungen im Antrag. Der SPD-Ratsherr Kai Koeser monierte, dass der Ankerplatz-Verein nicht vorab informiert wurde. Es gehe schließlich um ehrenamtliches Engagement. Da sein nun einmal ein fairer Umgang geboten. Koeser bezeichnete seine Schelte in Richtung CDU als "Stilkritik". 

Während die Grünen auf ihrer Position beharrten, reichten die Sozialdemokraten den Christdemokraten die Hand - in Form eines Kompromissvorschlags. Im Gegensatz zur ursprünglichen Forderung im CDU-Antrag darf der Ankerplatz-Verein weiterhin Fördergelder für den laufenden Betrieb und Veranstaltungen beantragen, aber keine Mittel einwerben, um neue Projekte zu initiieren oder weitere Container anzuschaffen. Bis Oktober muss der Verein die angekündigten Projekte umsetzen, andernfalls droht das endgültige Aus.

Auch eine Abwicklung ist denkbar

Ob der Ankerplatz-Verein die Erwartungen erfüllen kann, bleibt abzuwarten. Die Frist bis Oktober setzt die Projektverantwortlichen jedenfalls unter Druck. Auch Koeser hegt in dieser Hinsicht keine hohen Erwartungen. Falls es zu einer "Abwicklung" des Ankerplatzes komme, müsse dies "sauber und transparent" erfolgen. Die Politiker und die Ankerplatz-Akteure sollten so miteinander umgehen, dass man sich hinterher noch gegenseitig in die Augen schauen kann. Auch die Verwaltung beschäftige sich bereits mit alternativen Szenarien zur Verwendung der Container, falls das Projekt scheitern sollte, so Koeser.

Stader Grüne verteidigen Ankerplatz: CDU/WG-Antrag ist respektlos

Zu schön, um wahr zu sein

"Inmitten unserer Stadt gibt es einen besonderen Platz, der durch das Engagement von Ehrenamtlichen zum Leben erweckt wird. Hier wird nicht nur geplaudert und gelacht, sondern auch aktiv an Projekten gearbeitet, die unsere Gemeinschaft stärken." - Diese Sätze, die die hauptamtliche Ankerplatz-Aktivistin Wiebke Wilkens in den sozialen Medien gepostet hat, klingen geradezu märchenhaft:

Die Ankerplatz-Aktivistin Wiebke Wilkens schreibt in ihrem Post von Visionen | Foto: Instagram-Post
  • Die Ankerplatz-Aktivistin Wiebke Wilkens schreibt in ihrem Post von Visionen
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Wilkens' Post hat WOCHENBLATT-Redaktionsleiter Jörg Dammann zu folgendem Kommentar veranlasst: 

Kommentar: Märchenstunde Am Sande

Es war einmal ein Platz in Stade, der sich als Marktplatz der Zukunft verstand, als kreatives Stadtlabor, als Herzstück einer neuen, lebendigen Innenstadt. Zumindest in der Theorie. Und in der Praxis? Wer sich den Ankerplatz heute ansieht, entdeckt vor allem eine Ansammlung von Schiffscontainern, die mehr nach unfertiger Baustelle als nach pulsierendem Stadtzentrum aussehen.

Doch keine Sorge, liebe Bürgerinnen und Bürger. Die Verantwortlichen sind sich sicher: Hinter den Kulissen wird fleißig kooperiert und geplant, und das seit Monaten! So zumindest schreibt es die Ankerplatz-Verantwortliche Wiebke Wilkens in den sozialen Medien. Und wenn es auf Instagram steht, dann muss es ja stimmen.

Der Text liest sich wie eine Märchenstunde für Erwachsene, die noch an das Gute in jedem Förderprojekt glauben. Da ist die Rede von „echten Veränderungen“, von „Grundlagen, die entstehen“, von „einem Raum, der für alle da ist“. Doch wann? Und vor allem: wo? Denn wer aktuell am Platz Am Sande vorbeischlendert, sucht nach diesen viel beschworenen „Veränderungen“ vergeblich.

Bisher bekam die Öffentlichkeit immer wieder dasselbe Drehbuch präsentiert: Erst kommen große Versprechen, dann folgen die bürokratischen Hürden, und am Ende gibt es einen neuen Social-Media-Post mit Durchhalteparolen. „Wir hätten uns alle gerne schnellere Prozesse erhofft, aber die Realität ist leider eine andere“, heißt es weiter. Ja, wirklich bedauerlich. Aber vielleicht liegt es nicht an der „Realität“, sondern einfach daran, dass sich hier ein Verein im endlosen Planen und Ideenspinnen verliert, während die Zeit – und mit ihr die Geduld der Politik – unaufhaltsam voranschreitet.

Der Ankerplatz solle „ein Ort der Begegnung, des Austauschs und des sozialen Engagements“ sein. So lautet Wilkens' Vision. Das klingt wunderbar. Fast zu schön, um wahr zu sein – und genau das ist das Problem. Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen, hat der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt einmal gesagt. Und wenn man sich die Realität am Ankerplatz ansieht, kann man sich nur fragen: Hat schon jemand einen Arzttermin gebucht?

Während immer noch von „Zusammenarbeit“ und „Gestaltung“ geredet wird, läuft die letzte Frist. Bis Oktober muss wirklich etwas passieren – nicht nur in Form neuer Instagram-Posts, sondern in der sichtbaren, echten Welt. Viele Stader sind sich bereits sicher: Dieses Märchen nimmt am Ende eine düstere Wendung. Vielleicht heißt es ja bald über den Ankerplatz: Es war einmal…

Jörg Dammann

Auf dem Platz Am Sande tummeln sich während des Stader Frühjahrs-Flohmarktes Scharen von Menschen. Dem Ankerplatz-Verein ist es hingegen bisher nicht gelungen, den Platz mit Leben zu füllen | Foto: Martin Elsen/nord-luftbilder.de
Die Ankerplatz-Aktivistin Wiebke Wilkens schreibt in ihrem Post von Visionen | Foto: Instagram-Post
Redakteur:

Jörg Dammann aus Stade

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