Haupt-Herkunftsländer 2024: Kolumbien und Syrien
Flüchtlingszahlen sinken: Kreis Stade erhält weniger Asylsuchende
- In Deutschland ist eine Debatte um die Abschiebung von abgelehnten Asylsuchenden und die Zurückweisung irregulärer Migranten entbrannt. Die Flüchtlingszahlen sind aber schon länger rückläufig
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In Deutschland wird derzeit eine intensive Flüchtlingsdebatte geführt. Auch nachdem der CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz mit seiner Asyl-Wende gescheitert ist, streiten die Parteien weiter darum, ob und wie der Zustrom von (illegalen) Migranten verhindert werden kann. Zwar geht es um eine grundsätzliche Debatte und letztlich um die Frage, wie weit unsere Sozialsysteme eine unkontrollierte Aufnahme von Geflüchteten verkraften könnten. Fakt ist aber auch, dass die Zahl der Asylsuchenden im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen ist. Wurden im Jahr 2023 bundesweit noch rund 330.000 Erstanträge auf Asyl gestellt, waren es 2024 rund 100.000 Anträge weniger. Das ist ein Rückgang von immerhin 30 Prozent. Die rückläufigen Zahlen machen sich auch vor Ort bemerkbar: Dem Landkreis Stader werden weniger Geflüchtete zugewiesen als bisher.
Landkreis bekommt weniger Asylsuchende zugewiesen
Im Schnitt sind dem Landkreis Stade von der Landesaufnahmebehörde vor einem Jahr noch wöchentlich 25 Asylsuchende zugewiesen worden. In den vergangenen Monaten wurde diese Zahl auf 14 abgesenkt und künftig sollen pro Woche nur noch acht Personen kommen. Damit ist absehbar, dass der Landkreis die vom Land festgesetzte Aufnahmequote nicht erfüllen wird. Laut der Quote müssten im Zeitraum von Anfang Oktober bis Ende März 691 Geflüchtete neu aufgenommen werden. Zur Halbzeit Anfang Januar war die Quote noch nicht einmal zu einem Drittel erfüllt. Wenn jetzt sogar noch weniger Flüchtlinge von der Landesaufnahmebehörde geschickt werden, kann die für das Quartalsende angepeilte Zahl gar nicht erreicht werden. Das war in den Vorjahren noch ganz anders: Da hatte der Landkreis die Aufnahmequote mit mehr als 160 Prozent deutlich übererfüllt.
Rund 1.000 Personen im Asylverfahren
Derzeit halten sich im Landkreis Stade etwas mehr als 1.000 Personen mit einer sogenannten Aufenthaltsgestattung auf. Das sind zumeist Geflüchtete, die einen Asylantrag gestellt haben und die sich aktuell in einem laufenden Asylverfahren befinden. Diese Zahl bewegt sich ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres. Die meisten neuen Flüchtlinge kommen weiterhin aus den Hauptherkunftsländern der vergangenen Jahre. Unter den fünf Spitzenreitern des Jahres befinden sich wie immer Syrien, Afghanistan und die Türkei. Einen festen Platz ganz oben auf der Liste nimmt inzwischen auch Kolumbien ein.
Aus diesen fünf Herkunftsländern kamen 2024 die meisten Flüchtlinge im Landkreis Stade:
Asylsuchende im Landkreis Stade 2024
| Herkunftsland | Neu hinzugekommene Asylsuchende | Deutschlandweit registrierte Asylsuchende | Anerkennungsquote |
|---|---|---|---|
| Kolumbien | 107 | 3.839 | 0,3 % |
| Syrien | 107 | 76.765 | 83 % |
| Türkei | 58 | 29.177 | 9,4 % |
| Afghanistan | 33 | 34.139 | 74,7 % |
| Sudan | 18 | k.A. | k.A. |
Allgemein gibt es drei wesentliche Kategorien, wonach Geflüchteten hierzulande Schutz gewährt wird. Erstens: Sie werden als Asylberechtigte anerkannt. Zweitens: Ihnen wird die Eigenschaft als Flüchtling zugebilligt. Und drittens: Sie erhalten sogenannten subsidiären Schutz, wenn ihnen aufgrund der politischen bzw. sozialen Lage in ihrem Heimatland allgemein Gefahr droht.
Weiterhin Sonderstatus für Ukrainer
Einen gesonderten Status genießen weiterhin die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine. Sie halten sich nach der sogenannten EU-Massenzustromsrichtlinie in Deutschland auf und müssen keinen persönlichen Antrag auf Verlängerung ihres Aufenthaltstitels stellen. Ihr besonderer Schutzstatus wird bisher immer um ein weiteres Jahr verlängert. Im Landkreis Stade wurden seit dem russischen Überfall auf die Ukraine insgesamt knapp 5.000 Personen mit ukrainischem Pass registriert. Davon halten sich noch 3.400 im Landkreis auf. Stades Landrat Kai Seefried (CDU) betont immer wieder, froh zu sein, dass man so vielen Menschen aus der Ukraine Schutz bieten könne. Es sei eine große Herausforderung für die Kommunen, diese große Zahl an Geflüchteten unterzubringen.
Migranten ohne Bleibeperspektive abweisen
Damit dies auch weiterhin funktioniert, hält Seefried es schon länger für zwingend notwendig, Migranten ohne Bleibeperspektive konsequent abzuweisen. Bereits vor einigen Monaten forderte er, dass Landkreise, Städte und Gemeinden entlastet werden. "Grundsätzlich sollten diejenigen, die keinen Asylgrund haben, gar nicht erst in den Kommunen untergebracht werden", erklärte der Landrat im September 2024. Die Asylverfahren müssen nach seiner Meinung beschleunigt werden. Seefried sah schon damals den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Land gefährdet, wenn die irreguläre Migration nicht eingedämmt wird. Seine Prognose hat sich in diesen Tagen bewahrheitet.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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