Stader Seniorinnen wollen nicht länger leise sein
Resolute alte Damen: "Omas gegen Rechts"

Sie gehen auf Straße, um gegen Faschismus und Fremdenfeindlichkeit zu demonstrieren: die "Omas gegen Rechts". Sie sagen: "Wir sind alt, aber nicht stumm."
3Bilder
  • Sie gehen auf Straße, um gegen Faschismus und Fremdenfeindlichkeit zu demonstrieren: die "Omas gegen Rechts". Sie sagen: "Wir sind alt, aber nicht stumm."
  • Foto: jd
  • hochgeladen von Jörg Dammann

jd. Stade. Sie gehen für eine lebenswerte Zukunft auf die Straße - und wenn es sein muss, protestieren sie lautstark. Nein, es sind nicht die jungen Aktivisten von "Fridays for Future". Diese Damen haben ihre Schulzeit schon längst hinter sich: Sie sind die "Omas gegen Rechts" - und sie treten mit dem Credo an, dass ihre Enkel auch künftig in Frieden und Freiheit leben können. Weil sie unsere demokratische Gesellschaftsordnung zunehmend durch rechtsextreme Gruppierungen und populistische Parteien wie die AfD bedroht sehen, machen die Frauen zwischen 60 und 85 Jahren das, was man von einer Großmutter eher nicht erwartet. Sie gehen in die Öffentlichkeit, treten resolut auf und mahnen mit lauter Stimme: nie wieder Faschismus, kein Ausländerhass oder Rassismus, weg mit Nationalismus und Antisemitismus, völkischem Denken und Ausgrenzung.

"Ich habe lange genug auf dem Sofa gesessen und mit Entsetzen die Berichte in den Medien verfolgt, wie unser Land mit dem Erstarken der AfD immer weiter nach rechts driftet", sagt Marion Meyer aus Stade. Doch wie soll sie als ältere Frau dagegen angehen? Mit dieser "Wut im Bauch", nichts tun zu können, ging sie im April dieses Jahres zum Gründungstreffen der Stader Gruppe der "Omas gegen Rechts". Es kamen Frauen zusammen, die wie sie dachten. "An dem Abend war für mich gleich klar: Das ist es", berichtet sie.

Aufgerufen zum Treffen hatte Dörte Schnell. Die "Oma" aus Hammah ist als Sozialarbeiterin in Hamburg tätig und hat dort mit Mitstreiterinnen bereits zwei Gruppen der "Omas gegen Rechts" gegründet. Entstanden ist diese Initiative der älteren Generation vor rund zwei Jahren in Österreich, über die sozialen Medien schwappte sie nach Deutschland hinüber - zunächst als reine Facebook-Gruppe. Doch die Aktivitäten blieben nicht lange auf das Internet beschränkt. Laut Schnell gibt es bundesweit inzwischen mehr als 100 Gruppen.
Im Norden haben sich die "Omas" zu einem Netzwerk zusammengeschlossen (www.omasgegenrechts-nord.de). "Wenn eine Gruppe zu einer Aktion aufruft, schließen sich die anderen an", sagt Schnell. Solidarität stehe bei den "Omas" hoch im Kurs. Zuletzt waren die Staderinnen Anfang November in Bad Segeberg, um an einer Protestaktion gegen die dortigen rechtsextremen Umtriebe im Dunstkreis des Neonazis Bernd T. teilzunehmen.

An diesem Wochenende sind die "Omas" nach Braunschweig gefahren, um sich den Protesten gegen die AfD anzuschließen, die dort ihren Bundesparteitag abhält. Von der AfD hat Dörte Schnell eine klare Meinung: "Die AfD ist eine brandgefährliche Partei, die zunächst eher harmlos dahergekommen ist, jetzt aber ihr wahres völkisches Gesicht zeigt und in der Gesellschaft eine fremdenfeindliche Stimmung schürt. Diese Partei ist nach meinem Empfinden so etwas wie der verlängerte parlamentarische Arm von Faschisten und Rechtsradikalen."

In Stade traten die "Omas gegen Rechts" erstmals im Mai in Erscheinung: In den Wochen vor der Europawahl zogen sie samstags mit ihren Plakaten durch die City, um vor dem Erstarken nationalistischer Strömungen zu warnen.

"Die Menschen schauen schon hin, wenn wir Omas gemeinsam durch die Straßen ziehen" sagt Helga Kühlke, die mit ihren 61 Jahren eines der "Küken" in der Gruppe ist. Ältere Frauen, die sich zu einer politischen Kraft formieren und öffentlich als Aktivistinnen gegen Rechts auftreten - da-ran müssen sich viele wohl erst gewöhnen.

"Gerade bei den Jugendlichen kommen wir gut an", berichtet Schnell. Auf der letzten Demo in Hamburg hätten die jungen Leute den Antifa-Schlachtruf "Alerta, alerta, antifascista" (frei übersetzt: "Achtung, Achtung, hier kommen die Antifaschisten") extra in eine "Oma"-Version umgewandelt: "Alerta, alerta, Omas sind viel härter". Diesen Zusammenhalt über die Generationen hinweg finde sie toll, so Schnell. Die "Omas" würden auch "Fridays for Future" unterstützen. "Uns ist aber klar, dass das eine Bewegung der jungen Menschen ist. Wir 'Omas' laufen aber nur mit unseren Schildern hinterher und stärken 'Friday for Future'-Aktivisten so symbolisch den Rücken."

Hauptanliegen der "Omas" bleibe, die Stimme gegen Rechts zu erheben, so Schnell: "Wir sind zwar alt, aber nicht stumm."

Treffen einmal im Monat

Die Stader Ortsgruppe hat derzeit rund 20 Mitglieder, darunter auch einige männliche "Omas". Die Gruppe trifft sich einmal im Monat. Das nächste Treffen findet am Donnerstag, 5. Dezember, um 16.30 Uhr im Pastor-Behrends-Haus statt. Wer mitmachen möchte, ist herzlich willkommen.
Außerdem steht die Gründung einer zweiten Gruppe im Landkreis Stade an. Ab Anfang 2020 wollen die "Omas gegen Rechts" auch in Buxtehude aktiv werden.

• Infos und Kontakt: omasgegenrechts-stade@posteo.de

Bislang gibt es die "Omas gegen Rechts" in unserer Region nur in Stade. Das wird sich bald ändern: In Buchholz wird sich Anfang kommenden Jahres eine neue Gruppe gründen. Der Termin steht schon fest: Die Gründung erfolgt Montag, 27. Januar 2020. Der 27. Januar wird bundesweit als "Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" begangen.
Die Gründung der "Oma"-Gruppe erfolgt im Rahmen einer Gedenkveranstaltung, die um 19 Uhr in der Buchholzer Empore (Breite Straße 10) stattfindet. Daran teilnehmen wird die KZ-Überlebende Esther Bejarano, die bei den "Omas gegen Rechts" Ehrenmitglied ist.

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

Panorama
  3 Bilder

Eklat zwischen dem Künstler Erwin Hilbert und dem Vorstand der St.-Petri-Kirche
Kunstausstellung in Buxtehuder Kirche vorzeitig beendet

sla. Buxtehude. Nach etlichen Vorfällen, über die das WOCHENBLATT berichtete, hat der Kirchenvorstand der St.-Petri-Kirchengemeinde die Kunstausstellung "Jesus und andere Gestalten" sowie die weitere Zusammenarbeit mit dem Künstler Erwin Hilbert vorzeitig beendet. Der Entschluss wurde durch Pastor Michael Glawion nach dem Druck der Wochenendausgabe bekanntgegeben. Die genauen Hintergründe, die zu dieser Entscheidung führten, werden in der nächsten WOCHENBLATT-Ausgabe am Mittwoch ausführlich...

Politik
Wenn sich in der Biotonne Maden sammeln, ist das nicht gefährlich, beruhigt der Landkreis

Antwort des Landkreises Harburg auf FDP-Antrag
Maden in Biotonnen sind ungefährlich

(os). Wenn sich in der Biotonne Maden sammeln oder die Tonne einen unangenehmen Geruch verbreitet, ist das für Menschen ungefährlich. Das geht aus der Antwort des Landkreises Harburg auf eine Anfrage der FDP-Kreistagsfraktion hervor. Wie berichtet, wollten die Freidemokraten wissen, ob es möglich ist, die Biotonne in den Monaten zwischen Mai und September jede Woche und nicht wie derzeit alle 14 Tage leeren zu lassen. Die FDP-Fraktion hatte auf viele Klagen von Bürgern verwiesen, denen beim...

Panorama
Die DLRG rät, nur an bewachten Badestellen ins Wasser zu gehen

Viele Tote an ungesicherten Badestellen
24 Menschen sind bisher in Niedersachsen ertrunken

(bim). Eine Zwischenbilanz der bisherigen Ertrinkungszahlen veröffentlichte jetzt der DLRG-Bundesverband. Demnach sind in Niedersachsen 24 Menschen ertrunken und damit fünf weniger als im Vorjahr. Im Ländervergleich erreicht Niedersachsen dennoch den dritthöchsten Wert (in Nordrhein-Westfalen sind es 26, in Bayern 35). Bundesweit wurden 192 Ertrunkene registriert. Die meisten Unfälle ereignen sich nach wie vor im Binnenland - besondere Gefahr besteht an ungesicherten Badestellen, wie...

Panorama
Bei Drochtersen soll die A 20 die Elbe unterqueren. Der Tunnelbau könnte - wenn alles gut läuft - 2025 beginnen

Fertigstellung der A 20 weiter für 2030 angepeilt
Neuer Elbtunnel: Baubeginn soll 2025 sein

Ab 2030 sollen die ersten Autos durch den neuen Elbtunnel bei Drochtersen rollen.(jd).  Der Termin 2030 wurde in den Vorjahren immer wieder von Planern und Politikern genannt. Jetzt bestätigte der schleswig-holsteinische Verkehrsminister Bernd Buchholz noch einmal indirekt die Zeitplanung: Er rechne damit, dass die A 20 in seinem Bundesland ab 2030 in ihrer kompletten Länge befahren werden kann, erklärte der Minister. Er dürfte dabei auch an die Elbquerung gedacht haben. Denn ohne den Tunnel...

Politik
Auf dem Gelände der Stadtwerke an der Maurerstraße soll in einer Halle ein Feuerwehrfahrzeug stationiert werden

Sechsmonatige Probephase geplant
Feuerwehrstandort bei den Buchholzer Stadtwerken?

os. Buchholz. Steht bald ein Löschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Holm in der Waschhalle der Buchholzer Stadtwerke, um von der Maurerstraße zu Einsätzen z. B. ein Steinbeck auszurücken? Das sehen zumindest die Pläne der Stadtverwaltung und der Feuerwehrspitze vor, die Buchholz' Stadtjustiziarin Hilke Henningsmeyer jüngst im Bauausschuss vorstellte. Demnach soll es einen sechsmonatigen Probebetrieb geben und hinterher über weitere Schritte entschieden werden. Hintergrund der Maßnahme ist...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen