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Kommunalwahl 2026 im Landkreis Stade: Briefwahl bequem online beantragen
- Früher galt der Gang zum Wahllokal als Bürgerpflicht. In den 1960er Jahren lag der Anteil der Briefwähler weit unter zehn Prozent. Heute macht bei manchen Wahlen fast schon jeder Zweite seine Kreuzchen am Küchentisch
- Foto: KI-generiert
- hochgeladen von Jörg Dammann
Früher hatte ein Wahlsonntag tatsächlich noch etwas vom Festtag. Die gute Hose wurde angezogen, vielleicht sogar das Jackett aus dem Schrank geholt. Schließlich konnte man auf dem Weg zum Wahllokal der halben Nachbarschaft begegnen. Dann wurde gemeinsam losspaziert. Für manche ging es nach dem Kirchgang an die Wahlurne, andere verbanden die Stimmabgabe mit nachmittäglichem Kaffee und Kuchen im Café um die Ecke.
Irgendwie ein Staatsakt im Kleinen
Diese Zeiten sind nicht völlig vorbei. Auch am Sonntag, 13. September, werden wieder viele Menschen im Landkreis Stade ganz traditionell ihre Wahlbenachrichtigung einstecken und ins Wahllokal gehen. Dort entscheiden sie bei der Kommunalwahl unter anderem über Kreistag, Stadt-, Gemeinde- und Samtgemeinderäte sowie über den Landrat und zahlreiche Bürgermeisterämter. Wie das WOCHENBLATT bereits berichtete, geht es kreisweit um 865 kommunale Mandate und zwölf hauptamtliche Verwaltungschefs.
Die Briefwahl wird immer beliebter
Doch immer mehr Wählerinnen und Wähler machen ihre Kreuze schon vorher. Der Wahlsonntag wandert ein Stück weit vom Wahllokal an den heimischen Küchentisch. Dass das nicht nur ein Gefühl ist, zeigen die Zahlen der Bundeswahlleiterin. Bei Bundestagswahlen war die Briefwahl 1957 erstmals möglich. Damals nutzten sie gerade einmal 4,9 Prozent der Wähler. 1972 waren es 7,2 Prozent, 1980 bereits 13,0 Prozent. Im Jahr 1990 lag der Anteil bei 9,4 Prozent, 1998 dann bei 16 Prozent. Im neuen Jahrtausend ging es weiter aufwärts: 2002 wählten 18 Prozent per Brief, 2009 waren es 21,4 Prozent. 2017 lag der Anteil bereits bei 28,6 Prozent. Bei der von der Corona-Pandemie geprägten Bundestagswahl 2021 schoss die Quote sogar auf den Rekordwert von 47,3 Prozent. Bei der Bundestagswahl 2025 ging sie zwar wieder zurück, betrug aber immerhin 37 Prozent.
Wahlunterlagen per Mausklick anfordern
Und wie so vieles in unserem Alltag ist inzwischen sogar der Weg zur Briefwahl digital geworden. Früher wurde der Antrag auf der Wahlbenachrichtigung ausgefüllt und per Post zurückgeschickt oder persönlich im Rathaus abgegeben. Heute reichen bei den allermeisten Kommunen ein paar Klicks am Computer oder Smartphone.
Warum auch nicht? Bankgeschäfte werden online erledigt, der Urlaub wird im Internet gebucht und Schuhe, Kleidung oder Haushaltsgeräte landen nach ein paar Klicks zwei, drei Tage später per Lieferservice vor der Haustür. Da erscheint es beinahe folgerichtig, dass auch der Antrag auf Briefwahlunterlagen nicht mehr zwingend mit Kugelschreiber, Briefmarke und Gang zum Briefkasten verbunden sein muss. Im Landkreis Stade haben fast alle Kommunen die Online-Portale für die Beantragung der Briefwahlunterlagen bereits freigeschaltet.
Keine Ausrede mehr nötig
Auch in einem anderen Punkt hat sich die Briefwahl gewandelt. Früher war sie tatsächlich als Ausnahme gedacht. Wer nicht ins Wahllokal kommen konnte, musste dafür einen wichtigen Grund haben – etwa Krankheit oder Abwesenheit. Diese Zeiten sind vorbei. Mittlerweile muss sich niemand mehr erklären, warum er nicht am Wahltag wählen geht. Und das ist auch gut so. Ob jemand am Wahlsonntag tatsächlich verreist ist, arbeiten muss, gesundheitlich verhindert ist oder einfach lieber zwei Wochen vorher in Ruhe zu Hause wählen möchte, sollte für die Bewertung seiner Stimmabgabe keine Rolle spielen. Entscheidend ist schließlich nicht, wo jemand seine Kreuze macht, sondern dass er sie macht.
Hauptsache wählen
Gerade deshalb greift auch gelegentliche Kritik an der Briefwahl aus reiner Bequemlichkeit zu kurz. Wenn ein unkomplizierter Antrag und eine frühe Stimmabgabe dazu führen, dass Menschen wählen, die den Weg ins Wahllokal womöglich nicht auf sich genommen hätten, ist zunächst einmal etwas gewonnen: politische Beteiligung. Je mehr Wahlberechtigte tatsächlich abstimmen, desto breiter ist die demokratische Entscheidung getragen.
Kommt irgendwann das Votum per Smartphone?
Die Briefwahl online zu beantragen, ist das eine. Die Stimme gleich online abzugeben, wäre noch einmal etwas völlig anderes. Dass das technisch möglich ist, zeigen andere Länder bereits. Estland bietet Internetwahlen seit Jahren als regulären Wahlweg an. Bei den estnischen Kommunalwahlen 2025 wurden sogar rund 46 Prozent der gültigen Stimmen online abgegeben. Ob Deutschland irgendwann ebenfalls die Stimmabgabe vom heimischen Rechner oder per Smartphone ermöglicht, ist offen. Der Vorteil wäre: Wählen könnte noch einfacher werden, und elektronisch abgegebene Stimmen ließen sich technisch rasant verarbeiten. Dem stehen allerdings gewaltige Anforderungen gegenüber – vom Wahlgeheimnis über die Manipulationssicherheit bis zur nachvollziehbaren Kontrolle eines Wahlergebnisses.
Wer sich am 13. September trotzdem seine beste Hose anziehen, den Nachbarn grüßen, zum Wahllokal spazieren und anschließend ein Stück Torte essen möchte, darf das natürlich weiterhin tun. Manche Traditionen muss man schließlich nicht digitalisieren.
Briefwahl online beantragen – so einfach geht es
Hier sind die Links für die jeweiligen Kommunen im Landkreis Stade (bitte auf den kursiven Text klicken):
- Samtgemeinde Apensen: Online-Antrag Briefwahl
- Samtgemeinde Nordkehdingen: Online-Antrag Briefwahl
- Gemeinde Drochtersen: Online-Antrag Briefwahl
- Hansestadt Stade: Direktlink zum Wahlschein-Portal
- Samtgemeinde Oldendorf-Himmelpforten: Online-Antrag Briefwahl
- Samtgemeinde Fredenbeck: Online-Antrag Briefwahl
- Samtgemeinde Harsefeld: Briefwahl-Portal (Freischaltung am 12. August um 6 Uhr)
- Samtgemeinde Horneburg: Briefwahl-Portal (Freischaltung am 12. August um 0 Uhr)
- Samtgemeinde Lühe: Online-Antrag Briefwahl
- Gemeinde Jork: Online-Antrag Briefwahl
- Hansestadt Buxtehude: Online-Antrag Briefwahl
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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