BI in Stade-Bützfleth sieht weiteren Handlungsbedarf
Wie gefährlich ist Aluminium? Bürgerinitiative fordert weitere Aufklärung

Das Stader Industriegebiet aus der Luft. Die Bürgerinitiative sieht dort eine mögliche Ursache für erhöhte Aluminiumwerte
  • Das Stader Industriegebiet aus der Luft. Die Bürgerinitiative sieht dort eine mögliche Ursache für erhöhte Aluminiumwerte
  • Foto: Martin Elsen/nord-luftbilder.de
  • hochgeladen von Jörg Dammann

jd. Stade-Bützfleth. Ist die Luft in Bützfleth mit Schadstoffen aus der nahen Industrie belastet? Diese Frage treibt die Menschen in der Stader Ortschaft schon länger um. Auf Betreiben der örtlichen Bürgerinitiative für eine umweltfreundliche Industrie (BI) wurden Messungen des Feinstaubes in der Luft (Schwebstaub) und des Staubniederschlags vorgenommen. Die Ergebnisse der auf ein Jahr ausgelegten Messaktion wurden kürzlich im Ortsrat Bützfleth und anschließend im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt vorgetragen (das WOCHENBLATT berichtete). Die Politik will offenbar keine weiteren Messungen veranlassen. Das stößt bei der BI auf heftige Kritik. Vor allem das Thema Aluminium hat sich aus deren Sicht nicht erledigt.

Laut dem vom Hamburger Umweltinstitut Aneco vorgelegten Gutachten liegen die Werte für die Aluminium-Konzentration im Staubniederschlag an den vier in Bützfleth eingerichteten Messpunkten mit 739 bis 1.216 Mikrogramm pro Quadratmeter am Tag (μg/m²•d) deutlich über den üblichen Vergleichswerten (für Aluminium gibt es keine Grenzwerte).

Damit werden die Vergleichs-Kenngrößen für städtische und ländliche Gebiete zum Teil bei Weitem übertroffen. Die Alu-Werte bewegen sich in einer Größenordnung, wie sie sonst in stark belasteten Citylagen vorkommt.

Weiter hohe Werte bei Aluminium in Stade-Bützfleth

Zur Beurteilung dieser erhöhten Alu-Werte hatte die Stadt das Gewerbeaufsichtsamt herangezogen. Das erklärte in seinem Bericht, die hohe Aluminium-Konzentration sei "vor dem Hintergrund möglicher Quellen (z.B. Aluminium-Immissionen durch die Firma AOS) plausibel und erklärbar".

Mit diesem lapidaren Hinweis wollen sich die Vertreter der BI aber nicht zufriedengeben. Schließlich weise Aluminium überproportional hohe Werte auf und überschreite den Vergleichswert für ländliche Räume um das Fünf- bis Zehnfache. "Im Gutachten werden die hohen Werte mit der nahen Aluminiumverarbeitung erklärt, aber zu den Folgen für Leib und Leben der Bevölkerung wird nichts ausgeführt", kritisiert BI-Sprecher Jan Witt.

Er bemängelt, dass eine "toxikologische Bewertung" in dem Gutachten ausdrücklich nicht erfolgt sei. Dabei sei Aluminium im Luftstaub keineswegs harmlos, meint Witt. "Es kann dort unterschiedlichste Verbindungen eingehen und schwere irreparable und sogar tödliche Erkrankungen auslösen - u.a. Krebs, Alzheimer und Demenz. Davon steht im Gutachten gar nichts."

Auch der Frage, inwieweit die höheren Schadstoffwerte an einzelnen Tagen im Zusammenhang mit einer bestimmten Windrichtung stehen (die Industriegebiete liegen (nord-)östlich von Bützfleth), ist aus Sicht der BI nur unzureichend nachgegangen worden. Witt moniert, dass nicht auf die zur Verfügung stehenden Wetterdaten aus der Region zurückgegriffen worden sei. Die Gutachter hätten u.a. Werte aus Hamburg herangezogen, obwohl "aus zahlreichen Stationen vor Ort und in Stade" Wetterdaten zur Verfügung stünden. Zudem sei das Wetter in dem zwölfmonatigen Messzeitraum eher atypisch für die Region gewesen. Verallgemeinerungen seien daher aus diesen Ergebnissen nur schwerlich abzuleiten.

Witt macht das am Beispiel der Windrichtung deutlich. So wurden in den Monaten mit nennenswerten Ostwindphasen doppelt so hohe Alu-Werte am Messpunkt an der Bützfleth Kita gemessen als in den Monaten ohne Ostwind. In den zwei Monaten mit dem höchsten Ostwindanteil (April und Juni 2020) wurden die Spitzenwerte beim Aluminium erreicht. "Warum steht das nicht klar im Gutachten?", fragt sich Witt.
Auch das WOCHENBLATT hatte in seiner Berichterstattung anhand eigener Auswertungen von Wetterdaten die Frage aufgeworfen, ob bei Ostwind möglicherweise mehr Schadstoffe aus dem Industriegebiet Richtung Bützfleth transportiert werden.

Das Fazit der BI zu diesem Thema: "Für die Informationen zur Herkunft der Schadstoffe und den Bewertungen im Kontext regionaler Wetterdaten bleibt das Gutachten weit hinter seinen Möglichkeiten zurück." Eine detaillierte Analyse fehle.

Forderungskatalog der Bürgerinitiative

Die BI hat im Zusammenhang mit den erhöhten Aluminium-Werten einen Forderungskatalog aufgestellt. Darin wird aufgeführt, welche Punkte zu erfüllen sind:

- Untersuchung von Quecksilber und Aluminiumderivaten an ausgewählten Rückstellproben der bisherigen Analysen
- Toxikologische Bewertung der Befunde durch einen Experten
- Auswertung regionaler Wetterdaten zu bestimmten Fragestellungen wie Herkunft und Verteilung der Schadstoffe
- Konzept der Industrie, wie Staub und Aluminium in der Luft in Bützfleth reduziert werden kann
weitere Luftschadstoffmessungen zu Emissionen der anderen Industriebetriebe (organische Schadstoffe, Quecksilber etc.)

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

Aktuelle Geschichten vom Tag!

Panorama
In Jesteburg (107,68) und Salzhausen (110,36) bleibt der Inzidenzwert vergleichsweise hoch

Aktuelle Corona-Zahlen vom 20. Januar
Von 26,54 bis 110,36: Inzidenzwerte im Landkreis Harburg liegen weit auseinander

(sv). Der Sieben-Tage-Inzidenzwert im Landkreis Harburg ist wieder leicht zurückgegangen: von 66,82 am Dienstag auf 64,06 am Mittwoch. In einigen Gemeinden bleibt der Wert allerdings unverändert hoch: "Spitzenreiter" sind derzeit Jesteburg (107,68) und Salzhausen (110,36). In der Samtgemeinde Elbmarsch dagegen sank der Wert von Dienstag (108,72) auf Mittwoch (62,13) drastisch. Der niedrigste Wert wird derzeit aus der Gemeinde Stelle (26,54) gemeldet.  Nach dem Rückgang der vergangenen Tage ist...

Panorama
Winsens Bürgermeister Andrè Wiese   Foto: Stadt Winsen
3 Bilder

Bürgermeister geben Sozialministerium die Schulnote 6

Winsens Bürgermeister André Wiese redet Klartext gegen das Sozialministerium thl. Winsen. "Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man fast lachen über so viel Inkompetenz", sagt Winsens Bürgermeister André Wiese (CDU) und fügt hinzu: "Die Leistung des Niedersächsischen Sozialministeriums zur Information der über 80-Jährigen zu den bevorstehenden Impfungen ist in Schulnoten eine glatte Sechs!" Ein Bürgermeister redet Klartext. Auslöser ist die Aussage des Ministeriums, dass man dort, um alle...

Service

Im Vergleich zu Weihnachten nur noch halb so viele akute Corona-Fälle
Erfolg der Corona-Beschränkungen? Zahlen im Landkreis Stade sinken

jd. Stade. Zeigen die im Dezember erfolgten Verschärfungen der Corona-Beschränkungen erste Wirkung im Landkreis Stade? Der Wert für die Sieben-Tage-Inzidenz ist am Dienstag auf 67,0 gefallen. In den vergangenen zehn Tagen lag dieser Inzidenzwert zunächst im 80er-Bereich und dann im 70er-Bereich. Einen Tiefstand weist auch die Zahl der aktuell Infizierten auf. Derzeit sind es lediglich 161 Personen, die der Landkreis als "aktuell Erkrankte" meldet. Dabei handelt es sich um diejenigen Menschen,...

Panorama

Bisher 16 Bewohner infiziert / Eine Person in Klinik verstorben
Wieder Corona-Hotspot: Das Johannisheim in Stade

jd. Stade. Nach dem erneuten Corona-Ausbruch im Stader Johannisheim sind mittlerweile alle 37 Bewohner des Wohnbereichs A getestet worden. Dabei war bei weiteren 14 Bewohnern das Testergebnis positiv. Diese Personen waren vor zwei Tagen noch per Schnelltest auf das Coronavirus getestet worden - mit einem negativen Ergebnis. "Insgesamt sind nun 16 unserer  Bewohner mit dem Coronavirus infiziert. Zwei jüngere Mitarbeiterinnen sind ebenfalls infiziert, zeigen aber keine Symptome", berichtet Claus...

Sport
Marleen Kadenbach (li.), hier im Hinspiel gegen Dortmund, war mit sechs Treffern die beste Werferin bei den Luchsen

Handball-Luchse Buchholz 08-Rosengarten
Bittere 15:39-Auswärtsniederlage in Dortmund

(cc). Im ersten Rückrundenspiel der 1. Bundesliga haben die Handball-Luchse (HL) Buchholz 08-Rosengarten (Tabellenrang 13) am Dienstagabend eine bittere 15:39 (8:19)-Auswärtsniederlage beim Tabellenzweiten Borussia Dortmund kassiert. Beste Werferin bei den „Luchsen“ war Marleen Kadenbach mit sechs Treffern. Bis zur neunten Spielminute hielten die Gäste beim Spielstand von 4:6 noch respektabel mit. In der Folgezeit zog Dortmund aber unaufhaltsam davon und führte zur Halbzeit bereits mit 19:8. In...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen