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Gutschein-Ganoven mit fehlender Ortskenntnis
Dumm gelaufen: Wenn Betrüger denken, Stade hätte einen Coop

Online-Betrüger haben es immer wieder auf Gutscheinkarten abgesehen. Oftmals versenden sie täuschend echte Fake-E-Mails | Foto: KI-generiert
  • Online-Betrüger haben es immer wieder auf Gutscheinkarten abgesehen. Oftmals versenden sie täuschend echte Fake-E-Mails
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Man kennt sie – die Klassiker des modernen Gaunertums: Schockanrufe von angeblichen Enkelkindern in Not, falsche Polizisten vor der Haustür und nun wieder einmal ein echter Evergreen unter den Betrugsmaschen: der Gutscheintrick. Diesmal im Fokus der E-Mail-Trickbetrüger: der Stader Kommunalpolitiker Kai Holm (SPD). Bei ihm hatte sich ein vermeintlicher Parteifreund per Mail gemeldet. Der Absender bat Holm um die Besorgung von Gutscheinkarten. 

Gutscheine von Coop oder Avec?
„Ich brauche fünf Apple Geschenkkarten im Wert von 100 Euro. Also insgesamt 500 Euro.“ So die Ansage des angeblichen Genossen. Holm soll bitteschön die Kassenbons mit den Gutscheincodes fotografieren und die Fotos als Mail-Anhang zusenden. Dann folgt ein beruhigender Hinweis: "Schreib mir, wie Du Dein Geld zurückhaben willst." Schließlich noch ein Tipp, wo Holm die Gutscheine besorgen soll: „Die bekommst du ganz bequem bei deinem Coop, Lidl, der Post oder Avec.“ Coop? Avec? In Stade?

Hier sei ein kleiner Geografie-Crashkurs für die Betrüger angebracht: Coop ist eine Schweizer Supermarktkette. In Deutschland gibt es schon lange keine Läden mehr mit diesem Label. Und Avec? Ist ebenfalls aus der Schweiz und eine Art Bahnhofskiosk der gehobenen Art, in Deutschland bisher nur in einigen Bahnhöfen zu finden – unter anderem in Hamburg. In Stade sucht man beides vergeblich. Wenn also jemand behauptet, er bräuchte dringend Geschenkkarten vom Coop oder Avec in Stade, dann ist das etwa so glaubwürdig wie ein Hinweis auf einen Stader Skilift.

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Betrug wird der Polizei gemeldet
Kai Holm spielte das Spiel zunächst mit. Am Ende machte er den Gaunern klar: "Danke für den interessanten Betrugsversuch." Die E-Mail-Kommunikation gehe nun zwecks Strafverfolgung an die Polizei. Zuvor hatte der Dialog allerdings noch seinen ganz eigenen absurden Charme. Denn der Einstieg in den Betrugsversuch erfolgte mit dieser Mail: „Guten Morgen Kai, hast du eine Minute Zeit? Du musst eine Aufgabe für mich erledigen. Ich kann nicht telefonieren, ich habe eine Reihe von Meetings…“ Klar. Meetings. So viele Meetings, dass man keine 30 Sekunden zum Telefonieren erübrigen kann – aber genug Zeit hat, um aufdringliche E-Mails zu schreiben. 

Hier einige Tipps gegen Gutscheinbetrug:

  • Gesundes Misstrauen hilft: Niemand, wirklich niemand, braucht „dringend“ Apple-Geschenkkarten über E-Mail.
  • Realitätscheck: Wenn Läden wie „Avec“ genannt werden, von denen man noch nie gehört hat – einfach mal googeln. Wenn es sie vor Ort nicht gibt, ist etwas faul.
  • Rückfragen stellen: Wer angeblich nicht telefonieren kann, hat meistens etwas zu verbergen.
  • Nie Codes verschicken: Kassenbons mit Gutschein-Codes sind bares Geld – und genauso zu behandeln. 
  • Polizei informieren: Auch kleine Betrugsversuche gehören angezeigt.

Zum Schluss bleibt die Frage: Wie sind die Betrüger an Kai Holms E-Mail-Adresse gekommen? Und wie kamen sie darauf, ihm die Nachricht vom Pseudo-Account eines guten Parteifreundes zu schicken? Holm mutmaßt, dass die Gutschein-Gauner irgendwie eine Online-Adressenliste gehackt haben müssen.

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Redakteur:

Jörg Dammann aus Stade

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