Veteranentag auf dem Stader Pferdemarkt
U-Boote, Minenjäger und Karrierechancen: Zwei Reserve-Soldaten berichten
- Der ehemalige Leiter des Kreisverbindungskommandos (KVK), Oberstleutnant Arne Wriedt (li.) im Gespräch mit Kapitänleutnant Stefan (2. v. re.) und Hauptbootsmann Mario (re.)
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Der Duft von Bratwurst zog über den Pferdemarkt, Rettungshunde zeigten ihr Können, und zwischen Imbisswagen und Informationsständen entstanden zahlreiche Gespräche über Bundeswehr, Katastrophenschutz und gesellschaftliches Engagement. Mit einer Aktion auf dem Stader Pferdemarkt wurde der Veteranentag begangen – ein Tag, der Menschen würdigt, die in Uniform oder im Dienst für die Gesellschaft Verantwortung übernommen haben bzw. weiterhin übernehmen.
- Hauptgefreiter Kai am Grill: Landrat Kai Seefried kümmerte sich gemeinsam mit dem Chef des Bundeswehr-Kreisverbindungskommandes, Oberstleutnant Arbo von der Ehe, um das leibliche Wohl der Besucher
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Hilfsorganisationen waren mit dabei
Mit dabei waren Angehörige des Kreisverbindungskommandos (KVK) der Bundeswehr, des DRK, der Johanniter und der DLRG. Landrat Kai Seefried stand gemeinsam mit Arbo von der Ehe, dem Leiter des KVK Stade, am Grill eines eigens angemieteten Imbisswagens und servierte Bratwürste. Eine kostenlose Wurst gab es für ehemalige Soldaten, Reservisten und auch für Männer, die seinerzeit ihren Zivildienst geleistet hatten. Das Angebot wurde gern angenommen. Einige Besucher steuerten direkt die Würstchenbude an, andere nutzten die Gelegenheit für Gespräche mit den Vertretern der Hilfsorganisationen und der Bundeswehr. Der Landrat ist selbst Veteran. Seefried "diente" als Wehrpflichtiger beim Bund. Er leistete seinen Wehrdienst beim Panzerbataillon 74 in Cuxhaven-Altenwalde ab - zuletzt im Rang eines Hauptgefreiten.
- Auch die Johanniter präsentierten vor Ort ihre Arbeit (v. li.): Linda Dabek, Dagmar Schmälzle, Hansi Eggert (in Grau), Ulli Schmälzle, Schascha Paul und Thomas Ehlers
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Passanten blieben neugierig stehen
Die DLRG-Ortsgruppe Stade stellte unter anderem ihre Tauchergruppe vor. Bei den Johannitern sorgten die Rettungshunde für besondere Aufmerksamkeit. Eindrucksvoll demonstrierten die vierbeinigen Helfer, wie sie bei einer Personensuche anschlagen: mit lautstarkem Bellen, das keinen Zweifel daran ließ, dass ein Fund gemeldet werden soll. Ob die Hunde für ihre Vorführung ebenfalls mit einer Bratwurst belohnt wurden, ist nicht bekannt. Die Angehörigen des Kreisverbindungskommandos standen den Besuchern für Fragen rund um die Bundeswehr und ihre eigene Tätigkeit zur Verfügung. Viele Passanten blieben neugierig stehen, Veteranen schauten vorbei, und auch zwei Stader „Bürger im Dienst“, die auf ihrer abendlichen Streife unterwegs waren, wurden vom Landrat mit einer kleinen Wegzehrung versorgt.
- Ihr ehrenamtlicher Einsatz ist ebenfalls unverzichtbar (v. li.): Lina Jarck, Lukas Raap, Axel Griep, Tobias Breuer und Jan Lütjen von der Stader DLRG-Ortsgruppe
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Trotz der tollen Atmosphäre hätten sich die Organisatoren etwas mehr Resonanz gewünscht. An einem Werktag am späten Nachmittag und frühen Abend ist die Frequenz in der Stader Innenstadt naturgemäß überschaubar. Vertreter der Stadt waren auch nicht vor Ort. Dabei blickt Stade auf eine lange militärische Tradition zurück. Über mehr als drei Jahrhunderte war die Hansestadt Garnisonsstandort. Mit der Von-Goeben-Kaserne im Stadtteil Ottenbeck befand sich hier bis 1994 zudem ein bedeutender Bundeswehrstandort.
- Arbo von der Ehe bedankte sich bei den DRK-Vetretern für ihr Engagement (v. li.): Sabine Zimmer, Andrea Vollmer, Michael Fürste und Nils de Rech
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⚓ Zwei Männer von der Marine
Am Rande der Veranstaltung ergaben sich auch spannende Gespräche mit zwei Reserve-Soldaten des Kreisverbindungskommandos, die nach ihrer aktiven Bundeswehrzeit erfolgreich in das zivile Berufsleben gewechselt sind.
- Kapitänleutnant Stefan
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Kapitänleutnant Stefan diente zwölf Jahre bei der Marine. Seine Laufbahn führte ihn auf eines der bekanntesten deutschen U-Boote der Nachkriegszeit: das legendäre U-Boot U17, das seit einem Jahr eine der Hauptattraktionen im Technikmuseum Sinsheim (Baden-Württemberg) ist. Als leitender Torpedo-Offizier und Zweiter Wachoffizier war er an Bord, als das Boot Ende im Jahr 1997 Kurs auf die Karibik nahm. Diese Fahrt war die erste Atlantiküberquerung eines deutschen U-Bootes nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Reise erfolgte im Rahmen eines internationalen Marineübung mit den USA und weiteren Verbündeten.
Tauchfahrt quer durch den Atlantik
Zu den eindrucksvollsten Erinnerungen zählt für Stefan die 17 Tage dauernde Tauchfahrt durch den Atlantik. Die meiste Zeit bewegte sich das U-Boot in Tiefen zwischen 30 und 100 Metern. Wer den Film „Das Boot“ kennt, hat eine Vorstellung vom Leben unter Wasser. „Es ist an Bord tatsächlich so eng, wie im Film dargestellt“, sagt Stefan. Den 24 Mann Besatzung standen knapp 34 Quadratmeter begehbarer Raum zur Verfügung. Jeweils zwei Matrosen teilten sich eine Koje, die Schlafplätze wechselten im Schichtbetrieb ihre Besitzer. Wer Dienst hatte, rollte seinen Schlafsack zusammen und verstaute ihn platzsparend. Für Stefan war das jedoch nie ein Problem. „Ich wollte U-Boot fahren und habe diese Entscheidung nie bereut.“
Wichtige Kompetenzen erworben
Neben den Einsätzen auf See sind ihm vor allem die vielen Hafenbesuche in Erinnerung geblieben. Anders als in der Handelsschifffahrt blieb bei der Marine oft Zeit, Land und Leute kennenzulernen. „Ich habe viel von der Welt gesehen“, erzählt er. Später wechselte Stefan auf die Fregatte „Bremen“ und war dort als Decksoffizier eingesetzt. Rückblickend betrachtet er die Marinezeit als prägende Lebensphase. Teamfähigkeit, Belastbarkeit, Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, auch unter Druck Entscheidungen zu treffen, sind Eigenschaften, die für ihn nach seinem Ausscheiden aus der Bundeswehr auch beruflich von Vorteil waren. "Arbeitgeber achten bei Bewerbungen auf solche persönlichen und sozialen Kompentenzen", sagt Stefan, der jetzt bei Airbus tätig ist.
Vom Schnellboot zum Minenjäger
Einen etwas anderen Weg schlug Hauptbootsmann Mario ein. Auch er verpflichtete sich in den 1990er-Jahren zunächst für vier Jahre und verlängerte später auf zwölf Dienstjahre. Seine Laufbahn begann bei den Schnellbooten am damaligen Marinestützpunkt Olpenitz, später wechselte er zu den Minenjägern nach Kiel. Schon als Kind stand für ihn fest, dass er zur Marine wollte. Die Fahrten führten ihn durch die Gewässer rund um Europa – vom Nordkap bis ins Mittelmeer.
- Hauptbootsmann Mario
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Weiterbilden für die zivile Karriere
Früh begann Mario, sich auf die Zeit nach der Bundeswehr vorzubereiten. Die Möglichkeiten der beruflichen Aus- und Fortbildung beim Bund nutzt er konsequent. Während seiner Dienstzeit absolvierte er der gelernte Elektriker die Meisterprüfung und qualifizierte sich gegen Ende der zwölf Jahre zusätzlich zum staatlich geprüften Techniker. Diese Weiterbildung zahlte sich aus, denn auf dem Bau - wie vor seinen Jahren bei der MArine - wollte Mario nicht mehr arbeiten .
Nach seinem Ausscheiden arbeitete er zunächst für ein Unternehmen, das große Zugdrachen-Systeme für Frachtschiffe entwickelte. Die riesigen Lenkdrachen, sogenannte Kites, nutzen die stärkeren und gleichmäßigeren Winde in großer Höhe, um Schiffe beim Vortrieb zu unterstützen und Treibstoff einzusparen. Mario testete die Technik an Bord, sammelte praktische Erfahrungen und half bei der Weiterentwicklung der Systeme.
Nicht nur auf das Geld schauen
Heute ist er bei dem Projekt weiterhin tätig - allerding als "Landratte". Auf dem Festland erforscht er mit seinem Team, wie die Kite-Technologie künftig auch zur Stromerzeugung genutzt werden kann. Sein Rat an junge Menschen, die über eine Verpflichtung bei der Bundeswehr nachdenken, ist eindeutig: „Nicht nur auf das Geld schauen.“ Wer seine Chance beim Bund nutze, könne wichtige Grundlagen für das spätere Berufsleben schaffen. Wer sich hingegen nicht aktiv um Qualifikationen bemühe, lasse Chancen ungenutzt.
So unterschiedlich die Lebenswege von Stefan und Mario auch verlaufen sind – beide verbindet die Überzeugung, dass ihre Zeit bei der Marine sie geprägt und ihnen viele Türen geöffnet hat. Genau solche Geschichten standen beim Veteranentag auf dem Pferdemarkt im Mittelpunkt: Menschen, die Verantwortung übernommen haben und deren Erfahrungen bis heute nachwirken.
Anm. d. Redaktion: Bei der Bundeswehr gilt die Regel, dass in Presseberichten nur die Vornamen und die Dienstgrade genannt werden dürfen. Ausnahmen gelten für Bundeswehrsoldaten in leitender Funktion.
Das Kreisverbindungskommando Stade
Das Kreisverbindungskommando (KVK) Stade besteht aus Reservistinnen und Reservisten der Bundeswehr. Die Mitglieder engagieren sich ehrenamtlich neben ihrem zivilen Beruf und bringen dabei ihre militärische Erfahrung in den Dienst der Gesellschaft ein.
Im Katastrophen- und Krisenfall fungiert das KVK als Verbindungsglied zwischen den zivilen Behörden und der Bundeswehr. Es berät Landkreise und Kommunen über mögliche Unterstützungsleistungen, koordiniert Anfragen und hilft dabei, schnell die richtigen Ansprechpartner innerhalb der Streitkräfte zu erreichen.
Was war das Ziel des Veteranentags auf dem Stader Pferdemarkt?
Mit dem Veteranentag wurden ehemalige und aktive Soldatinnen und Soldaten sowie Menschen gewürdigt, die Verantwortung für die Gesellschaft übernommen haben. Auf dem Pferdemarkt in Stade standen Gespräche über Bundeswehr, Katastrophenschutz und gesellschaftliches Engagement im Mittelpunkt.
Welche Organisationen waren beim Veteranentag in Stade vertreten?
Beteiligt waren das Kreisverbindungskommando (KVK) der Bundeswehr, das Deutsche Rote Kreuz (DRK), die Johanniter-Unfall-Hilfe und die DLRG. Die Organisationen informierten über ihre Arbeit im Bevölkerungsschutz und standen für Fragen der Besucher zur Verfügung.
Wer ist Kapitänleutnant Stefan und welche besondere Marine-Erfahrung hat er gemacht?
Kapitänleutnant Stefan diente zwölf Jahre bei der Marine und war auf dem U-Boot U17 als leitender Torpedo-Offizier und Zweiter Wachoffizier eingesetzt. Er nahm 1997 an der ersten Atlantiküberquerung eines deutschen U-Bootes nach dem Zweiten Weltkrieg teil und verbrachte dabei unter anderem 17 Tage auf Tauchfahrt.
Wie waren die Lebensbedingungen an Bord des U-Boots U17?
Auf dem U-Boot U17 standen der 24-köpfigen Besatzung lediglich rund 34 Quadratmeter begehbarer Raum zur Verfügung. Zwei Besatzungsmitglieder teilten sich jeweils eine Koje, die im Schichtbetrieb genutzt wurde. Die räumliche Enge entsprach laut Stefan weitgehend den Darstellungen aus dem Film „Das Boot“.
Welche beruflichen Vorteile brachte die Bundeswehrzeit Stefan nach dem Ausscheiden?
Stefan sieht seine Zeit als Marineoffizier als wichtige Grundlage für seine spätere Karriere. Teamfähigkeit, Belastbarkeit, Verantwortungsbewusstsein und Entscheidungsstärke seien Fähigkeiten, die auch in der Wirtschaft gefragt sind. Heute arbeitet er bei Airbus.
Welche Aufgaben hatte Hauptbootsmann Mario bei der Marine?
Mario diente zwölf Jahre bei der Marine. Seine Laufbahn begann bei den Schnellbooten am Marinestützpunkt Olpenitz, später wechselte er zu den Minenjägern in Kiel. Die Einsätze führten ihn auf Fahrten durch die Gewässer Europas – vom Nordkap bis ins Mittelmeer.
Wie nutzte Mario die Weiterbildungsmöglichkeiten der Bundeswehr?
Während seiner Dienstzeit absolvierte der gelernte Elektriker die Meisterprüfung und qualifizierte sich zusätzlich zum staatlich geprüften Techniker. Diese Abschlüsse halfen ihm beim Wechsel in die zivile Wirtschaft und eröffneten ihm neue berufliche Perspektiven.
Welchen Rat gibt Veteran Mario jungen Menschen, die zur Bundeswehr gehen möchten?
Mario empfiehlt, bei einer Verpflichtung nicht nur auf die Besoldung zu achten. Wer die Aus- und Fortbildungsangebote der Bundeswehr konsequent nutzt, könne wichtige Qualifikationen erwerben und damit die Grundlage für eine erfolgreiche zivile Karriere schaffen.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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