Krebsberatung Stade - Buxtehude bietet kostenlose Hilfsangebote für Patienten
Immer ist nur von Corona die Rede: Über das Thema Krebs spricht derzeit kaum jemand

Berichteten über die Arbeit der Krebsberatung (v.li.): Dr. Christoph Hancken, Silvia Nieber, Prof. Dr. Benno Stinner und Stefanie Kelzenberg-Lonsdorfer
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jd. Stade. Geht es um das Thema Gesundheit, ist derzeit fast nur von Corona die Rede. Andere schwere Krankheiten sind durch die Pandemie aus dem Blickfeld geraten - wie etwa Krebserkrankungen. Diese sind nicht weniger geworden und für die Patienten ist es in Corona-Zeiten oftmals noch schwieriger, mit der Diagnose zurechtzukommen. Hier bietet eine der bundesweit ältesten Beratungsstellen in diesem Bereich, die Krebsberatung Stade - Buxtehude, wertvolle Hilfe.

"Die psychische Belastung der Tumorpatienten hat wegen Corona noch an Intensität zugenommen", sagt die Leiterin Stefanie Kelzenberg-Lonsdorfer. Die Angst angesichts der schockierenden Diagnose sei groß. Umso wichtiger sei es, dass das Umfeld wie etwa die Familie Sicherheit vermittelt. "Doch die äußeren Umstände sind in diesen Zeiten der Pandemie nun mal alles andere als sicher", meint Kelzenberg-Lonsdorfer. "Wo sollen Erkrankte noch Halt finden?"

Ein wenig Halt möchte die Beratungsstelle mit ihrem niederschwelligen und kostenfreien Angebot geben, meint Silvia Nieber, Vorsitzende des Trägervereins. Kelzenberg-Lonsdorfer und ihre sechs Mitarbeiterinnen stünden den Krebskranken zur Seite - egal, ob es um Rentenanträge, Infos zu Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation, Möglichkeiten für eine Kur und nicht zuletzt um die Beantragung finanzieller Hilfen gehe.
Ihre Besuche am Krankenbett kündigt Kelzenberg-Lonsdorfer mit den Worten an: "Sie können mich wieder wegschicken, wenn Sie wollen."

Doch das wollen die meisten Patienten gar nicht, zumindest wenn sich der erste Schock gelegt habe, so die Erfahrung von Prof. Dr. Benno Stinner, Niebers Stellvertreter im Verein. Als Leiter des Darmzentrums Elbe-Weser an den Elbe Kliniken hat er selbst häufig mit Darmkrebspatienten zu tun und weiß, wie Betroffene auf die Diagnose Krebs reagieren. "Das eigene Leben wird plötzlich auf den Kopf gestellt. Da leistet die Krebsberatung wertvolle Arbeit."

Die enge Verzahnung der Krebsberatung mit den Elbe Kliniken und der Hancken-Klinik gibt es bereits seit vielen Jahren. Die Idee, einen Verein zu gründen, der mit einem Beratungsangebot Krebspatienten zur Seite steht, stammte vor 40 Jahren von Lore Hancken, der Mutter des jetzigen Klinikchefs Dr. Christoph Hancken.
Damals habe man Neuland betreten, so Hancken, denn eine sogenannte psycho-onkologische Betreuung von Patienten, die auch soziale Belange umfasst, habe es in Deutschland bisher so gut wie gar nicht gegeben. Heute ist die Krebsberatung in den Klinikalltag eingebunden.

Dieses kostenfreie Angebot wird von dem überwiegenden Teil der Patienten auch wahrgenommen. "Von der Diagnose über die Behandlung bis hin zur Nachsorge begleitet dann jeweils eine Kollegin aus unserem Team den Patienten", berichtet Kelzenberg-Lonsdorfer. Der Vorteil: Es gibt über den ganzen Zeitraum eine einzige Person als feste Ansprechpartnerin.

Das sei sinnvoll, denn die beiden Krankenhäuser kooperieren ja auch eng im medizinischen Bereich, so Hancken. Während in den Elbe Klinken Operationen vorgenommen werden, erfolgt in der Klinik Dr. Hancken die Chemo- oder Strahlentherapie. Bei vielen Krebspatienten kommen beide Behandlungsformen zum Einsatz, so Hancken: "Oftmals wird in den Elbe Kliniken erst operiert und dann kommt der Patient zu uns beispielsweise zur Chemotherapie."

Die Fachfrauen der Krebsberatung, darunter sind Psychologinnen, Sozialpädagoginnen und Therapeutinnen, haben dabei anders als die Mediziner sämtliche Aspekte im Blick, die für den Krebspatienten von Bedeutung sind: Das reicht von der Furcht, den Arbeitsplatz zu verlieren, über sozialrechtliche Fragen bis hin zur Sorge, wie die Familie die Diagnose aufnimmt.

Krebsberatung Stade
Gartenstraße 2 in Stade
Tel. 04141 - 67744
www.krebsberatung-stade-buxtehude.de

Ohne Spenden funktioniert es nicht

 Im vergangenen Jahr führten die Mitarbeiterinnen der Krebsberatung mehr als 2.700 persönliche Beratungsgespräche durch, telefonische und schriftliche Beratungen nicht eingerechnet. "Doch diese umfangreiche Arbeit wird so gut wie gar nicht mit öffentlichen Mitteln unterstützt", sagt Silvia Nieber. "Wir müssen uns überwiegend aus Spenden finanzieren." Neben den Honoraren für die Beratungsangebote in den hiesigen Kliniken gebe es nur Zuschüsse der Städte Stade und Buxtehude.

Während bei Krebspatienten die medizinische Behandlung durch die Leistungen der Krankenkassen abgedeckt sei, stünden für die psycho-sozialen Beratungsstellen bisher kaum Gelder bereit, kritisiert Nieber. Sie setzt auf eine Änderung bei den gesetzlichen Regelungen, wonach die Krankenkassen 48 Prozent der Kosten übernehmen. "Ein Antrag ist bereits gestellt und wir hoffen, dass das Geld fließt."

Aber selbst dann würde die Krebsberatung immer noch auf gut der Hälfte der Kosten sitzen bleiben, so Nieber: "Hier sind wir weiter dringend auf Spenden angewiesen."

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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