Bundesligaspiele im leeren Stadion
Fußballfans wollen keine Geisterspiele

Der Bayern-München-Fanclub "Elbe-Bazis" aus Ahlerstedt. Das Foto entstand während der Bundesliga-Saison 2018/2019
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  • Der Bayern-München-Fanclub "Elbe-Bazis" aus Ahlerstedt. Das Foto entstand während der Bundesliga-Saison 2018/2019
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(sb/jd). Wenn die Fußballspiele in der ersten und zweiten Bundesliga ab dem 15. Mai wieder losgehen, bleiben die Fans draußen. Die so genannten "Geisterspiele" werden aus Sicherheitsgründen wegen Corona in den Stadions ohne Publikum abgehalten. Macht das Sinn? Und vor allem: Macht das Spaß? Das WOCHENBLATT hat bei Fans aus der Region nachgefragt.

Fußball und Feiern gehören zur Fankultur

Für die Fans des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 gehören Fußball und Feiern zur Fankultur. Die Anhänger der "Knappen", wie die Mannschaft von Schalke 04 auch genannt wird, sind für ihre Lust am Feiern bekannt. Zu Auswärtsspielen wird gern in großen Gruppen gereist. Deshalb kann sich Dirk Bredfeldt, seit Kindesbeinen eingefleischter Schalke-Fan aus Stade, das mit den Geisterspielen auch so gar nicht vorstellen. "Wenn ich alleine zuhause im Fernsehen ein Geisterspiel sehe, dann ist das wie ein Geisterspiel für einen selbst. Da fehlt einfach die Stimmung", sagt er. Und Freunde darf und will er zum privaten "Rudelgucken" nicht in sein Wohnzimmer einladen. "Das wäre in Coronazeiten unverantwortlich." Dass es aus Sicht der Vereine in der Bundesliga weitergehen soll, kann der Fan verstehen. "Da steckt viel Geld hinter, die finanziellen Probleme werden immer größer", sagt er.

Geselligkeit steht im Vordergrund

Lars Feindt aus Kutenholz ist seit rund 15 Jahren Mitglied im HSV-Fanclub "Nordic Rude Boys". Dem Hamburger Verein mit der Raute ist er seit dem Grundschulalter treu. "Wenn wir uns in Hamburg zu einem Heimspiel treffen, steht die Geselligkeit im Vordergrund", sagt er. "Vorher zusammen ein Bier trinken und klönen ist für uns fast genauso wichtig wie das Spiel selbst." Deshalb sind Geisterspiele für ihn auch schwer vorstellbar. "Für die Fans ist das nicht gut", sagt er. Klar könne man auch Fußball alleine im Fernsehen schauen. Erfahrung im "Rudelgucken" mittels der sozialen Netzwerke hat man bei den "Nordic Rude Boys" sogar schon gesammelt. Bei Auswärtsspielen halte man Kontakt zu den Daheimgebliebenen über eine WhatsApp-Gruppe oder Skype. Feindt appelliert an die Vereine, die Corona-Pandemie zu nutzen, um ihre Finanzpolitik zu überdenken. "Wie gut ist es, neue Spieler zu extrem hohen Summen einzukaufen? Macht es da nicht mehr Sinn, etwas auf die hohe Kante zu legen?", fragt er.

Richtige Entscheidung

"Spiele ohne Publikum sind für mich wie ein Sonntagsfrühstück ohne Franzbrötchen", sagt der langjährige Werder-Bremen-Fan Martin Roesnick aus Seppensen. Aber: ",The Show must go on', ansonsten brechen die ohnehin schon finanziell angeschlagenen Vereine auseinander", fügt er hinzu. Von daher sei es eine richtige Entscheidung, den Spielbetrieb fortzusetzen, denn Profi-Vereine seien Wirtschaftsunternehmen. "Dabei denke ich weniger an die überbezahlten Spieler mit ihren Millionengehältern, sondern vielmehr an die Menschen, die im Hintergrund für ihre Clubs tätig sind. Und das sind von der ersten bis zur dritten Liga einige Tausend Arbeitsplätze." Diese Menschen sorgten sich - wie in der klassischen Wirtschaft auch - um ihre Jobs. Und gerade deshalb sollte es wieder losgehen - dann eben über einen kurzen Zeitraum leider ohne Zuschauer.

Mundschutz mit Öffnung 

Dem Spielstart in der Bundesliga fiebern auch die eingefleischten Bayern-München-Fans von den "Elbe-Bazis" entgegen. "So können die Bayern sich den Meistertitel jetzt fair erspielen und bekommen ihn nicht geschenkt", sagt Rolf Klintworth, zweiter Vorsitzender des weiß-roten Fanclubs von der Stader Geest. In seiner Straße würden jeden Abend zwei Lieder angestimmt, um in Corona-Zeiten Zusammenhalt zu zeigen, berichtet Klintworth. Für den 16. Mai habe er sich die Bayern-Hymne "Stern des Südens" gewünscht. "Dann wäre eigentlich die Bundesliga beendet und Bayern München Meister geworden." Klintworth fürchtet, dass es mit seinem "Wunschsong" aber nicht klappen wird: "Hier gibt es zu viele Werder- und HSV-Fans." Bis zur abrupten Unterbrechung der Bundesligarückrunde Anfang März kamen die "Elbe-Bazis" regelmäßig in ihrem Vereinsheim in Ahlerstedt zusammen, um sich gemeinsam die Bayern-Spiele anzuschauen. Dort herrscht jetzt Sendepause. Sobald mögliche neue Corona-Regelungen das zulassen, soll in der "Fan-Butze" der "Elbe-Bazis" jedoch wieder der Kühlschrank mit Bier befüllt werden. Das Problem mit dem Mundschutz sei schon geklärt: "Wir bekommen einen Reißverschluss hineingenäht. Die Öffnung ist dann groß genug, damit ein Flaschenhals durchpasst."

Bundesligisten spielen wieder

(sb). Die Fußball-Bundesliga geht am Samstag, 16. Mai mit dem 26. Spieltag weiter. Das ist das Wochenende, an dem eigentlich der letzte Spieltag stattgefunden hätte. Auch die zweite Bundesliga startet wieder ihren Betrieb. Dem genehmigten Neustart muss eine Quarantänemaßnahme, gegebenenfalls in Form eines Trainingslagers, vorweggehen. Zudem müssen Spieler, Trainer und Betreuer regelmäßig getestet werden.

Autor:

Stephanie Bargmann aus Stade

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