Kreishandwerkerschaft zeichnet innungsbeste Auszubildende und Meister aus
Stolz auf den Nachwuchs

Kreishandwerksmeister Jörg Klintworth (li.) und sein Stellvertreter Meik Mittelstädt (re.) zeichneten während des Handwerksforums im Stadeum die 61 innungsbesten Auszubildenden aus
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  • Kreishandwerksmeister Jörg Klintworth (li.) und sein Stellvertreter Meik Mittelstädt (re.) zeichneten während des Handwerksforums im Stadeum die 61 innungsbesten Auszubildenden aus
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jab. Stade. Eine traditionelle Veranstaltung, die bereits zum 60. Mal stattfand, aber keineswegs angestaubt ist, ist das Handwerksforum der Kreishandwerkerschaft Stade. Im Stadeum kam dafür alles, was im Handwerk Rang und Namen hat, zusammen, um gemeinsam die innungsbesten Auszubildenden sowie die neuen Meister zu ehren. Durch den Abend führte der Kreishandwerksmeister Jörg Klintworth. Für den musikalischen Rahmen sorgten die Big Band der Kreisjugendmusikschule Stade und die Band "The Age Of Aquarius".

Erneut stellten die Zahlen der Innungsbesten einen Rekord dar: 61 junge Menschen hatten ihre Ausbildung im Handwerk erfolgreich abgeschlossen - mit mindestens der Note "gut". Vier von ihnen absolvierten die Ausbildung sogar mit einem "sehr gut". Auch Landes- und Bundessieger des Leistungswettbewerbs der Handwerksjugend 2019 befanden sich unter den Geehrten und erhielten bei der Übergabe ihrer Auszeichnung einen weiteren Preis. Der Kreishandwerksmeister freute sich über das "konstante und hohe Niveau" der Auszubildenden. Klintworth bedankte sich bei allen, die den 22 neuen Meistern all die Jahre den Rücken gestärkt haben. Sein Wort richtete er aber auch direkt an die Jungmeister selbst: "Das ist ein starkes Zeichen für unseren Nachwuchs. Sie sind ein Vorbild." Klintworth begrüßte daher auch den Gesetzentwurf zur Einführung der Meisterpflicht in zwölf Gewerken. Denn das stärke den Meistertitel und garantiere eine qualitativ hochwertige Arbeit, die zudem die Betriebe stärke und sich betriebserhaltend auswirken könne.

Der Schwerpunkt seiner Rede lag auf dem Motto "Fairplay im Handwerk". "Wir ziehen alle an einem Strang wie im Sport", so Klintworth. Daher rief er den Handwerksnachwuchs dazu auf, gegen Ungerechtigkeit in jedem Bereich mutig vorzugehen, die eigene Meinung zu vertreten und seinem Gegenüber Respekt und Achtung entgegenzubringen. Laut Klintworth werde Fairplay in der Gesellschaft an Wert gewinnen, sie prägen und verändern. Schließlich habe die Demokratie derzeit viel Last zu tragen, wie Klimaschutz und die Schere zwischen Arm und Reich. Auch die Fairness leide darunter und bringe Wut sowie Unsicherheit. Dennoch rief Klintworth jeden dazu auf, auf dem Spielfeld der Demokratie die Regeln einzuhalten und bei Missbrauch wie ein Schiedsrichter einzugreifen. "Pfeifen Sie, so laut Sie können", so Klintworth.

Gastgeber der dem Handwerksforum vorausgegangenen Handwerkswochen 2019 war die Samtgemeinde Fredenbeck. Der Samtgemeinde-Bürgermeister Ralf Handelsmann zeigte sich erfreut, Partner für das Ereignis sein zu dürfen. Die handwerklichen Betriebe hätten in der Samtgemeinde eine elementare Bedeutung und würden diese prägen, so Handelsmann. "Sie sind die Wirtschaftsmacht von nebenan." Daher bemühe man sich darum, dass die Orte weiterhin für die Betriebe attraktiv bleiben und nicht zu sogenannten Schlaf-orten werden. Sein Wunsch an die Anwesenden: weiterhin gute Ideen, die weiterbringen und Spaß machen. "Handwerker werden gebraucht", so Handelsmann abschließend.

Am Ehrenamt gewachsen
Eine besondere Ehre wurde Karl-Heinz Pfeiffer (Foto, re.) zuteil. Er erhielt für seinen Einsatz und seine Verbundenheit in der Aus- und Weiterbildung die Professor-Piest-Medaille. Diese Auszeichnung wird nur einmal im Jahr verliehen und geht an Personen, die sich um die Handwerkswirtschaft ganz besonders verdient gemacht haben.

Sichtlich gerührt, aber auch stolz nahm der 65-jährige Altländer Bäckermeister seinen Preis von Kreishandwerksmeister Jörg Klintworth entgegen. Als er von seiner geplanten Ehrung erfahren habe, sei er sprachlos gewesen und hätte sich erst einmal sammeln müssen, verriet Pfeiffer in seiner Dankesrede. Sich selbst bezeichnet der Bäcker als zurückhaltenden Typ, introvertiert. Mutiger, offener und sicherer sei er aber durch das Ehrenamt geworden. Pfeiffer: "Daran bin ich gewachsen." Daher wünschte er sich von den vielen jungen Menschen, die beim Handwerksforum anwesend waren, dass sie ein Ehrenamt ergreifen. "Man bekommt viel mehr zurück, als man geben muss", so Pfeiffer.

Ein besonderer Dank ging an seine Familie, vor allem an seine Frau Ute, mit der er seit 31 Jahren verheiratet ist und mit der er drei Kinder hat. Sie halte ihm immer den Rücken frei, wenn er für das Handwerk unterwegs sei.

Lutz Wagner zieht Parallelen zwischen Schiedsrichtern und Führungskräften
Mit einem temporeichen Vortrag unterhielt Lutz Wagner, Schiedsrichter der Fußball-Bundesliga und Business Coach, das Publikum des Handwerksforums. Unter dem Titel "Was lange Hosen von kurzen Hosen lernen können" verglich er dabei auf humorvolle Weise den Schiedsrichter-Beruf mit dem des Meisters im Handwerk.

Sowohl Schiedsrichter als auch Führungskräfte haben in Stresssituationen die Entscheidungsgewalt. "Sie sind mittendrin statt nur dabei", so der Redner. Auch mit den Konsequenzen und der Rückmeldung haben beide Positionen im Anschluss klarzukommen. Für eine bessere Akzeptanz der Entscheidung und Vertrauen in die Fähigkeiten der eignen Person sollten die Spieler bzw. Mitarbeiter auf den Weg der Entscheidung mitgenommen werden, so Wagners Tipp. Allerdings sollten diese Entscheidungen nicht zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Auch ein vorschnelles Handeln wirke sich negativ beim Gegenüber aus. Ein weiterer Punkt war für Wagner die Erkenntnis, dass auch eine Führungskraft nicht unfehlbar ist und dies erkannt werden muss.

Passend zu dieser Aussage bezog Wagner auch die Zuhörer aktiv mit ein. Nach kurzen Filmsequenzen mussten sie entweder mit einer gelben oder einer roten Karte blitzschnell entscheiden, ob es sich bei dem Gesehenen um ein Foul handelte oder nicht. Ein Spiel, das für viele Lacher sorgte, aber gleichzeitig noch einmal einen wichtigen Punkt in Entscheidungsprozessen verdeutlichte: Häufig kommt es auf die Perspektive an und vorschnelle Entscheidungen können zu Fehlern führen. Daher sei es wichtig, am Ende eines Prozesses zu reflektieren, sich dabei aber besonders auf das Positive zu beziehen und anschließend das Ganze abzuhaken.

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Jaana Bollmann aus Stade

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