Krach an A1 bei Hollenstedt: Lärm-Geplagte sind stinksauer

Betretene Gesichter auf dem Podium (v. li.): Bürgermeister Jürgen Böhme, CDU-Bundestagsabgeordneter Michael Grosse-Brömer, CDU-Landtagsabgeordneter Heiner Schönecke, Sönke Zulauf von der Straßenbaubehörde und Diplom-Ingenieur Björn Heichen
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bim. Hollenstedt. Ein kleiner scheuer Vogel, der Wachtelkönig, wirft eine komplette Autobahn-Planung über den Haufen und verursacht Millionen Euro Mehrkosten. Aber Hunderte von Lärm geplagte A1-Anwohner in Hollenstedt finden kein Gehör bei den zuständigen Planern und Verkehrsbehörden. - Diese Tatsache stößt bei den Betroffenen auf Wut und Unverständnis. Auf Wunsch der Bürgerinitiative (BI) „Lärmschutz A1 Hollenstedt“ hatte die Gemeinde jetzt zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung in den Gasthof Emmen eingeladen, zu der rund 80 Bürger kamen.
Seit Ende des sechsspurigen A1-Ausbaus im Jahr 2012 leiden etliche Anwohner unter dem Autobahnlärm, da der verbaute Lärmschutz nicht ausreicht. Denn die Realität vor Ort sieht anders aus, als die am Computer berechnete Theorie. Die BI kämpft seit dem Jahr 2013 um eine Überprüfung und Verbesserung der Lärmschutzmaßnahmen. Eine entsprechende Unterschriftenaktion wurde von rund 1.700 Bürgern unterstützt. Doch weder die Unterschriftenaktion noch eine Demo im Mai 2014 fanden bei den Zuständigen Gehör. Die Anwohner sind sich einig, dass nun die Politik gefordert ist. Die war auf dem Podium durch den CDU-Landtagsabgeordneten Heiner Schönecke und den CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Grosse-Brömer vetreten.
Diplom-Ingenieur Björn Heichen von der Firma Lairm Consult hatte 2014 im Auftrag der Gemeinden Appel, Hollenstedt und Wenzendorf u.a. die Unterlagen des Planfeststellungsverfahrens geprüft, sofern sie ihm zur Verfügung standen. Er betonte, dass er weder gerechnet noch gemessen habe. Und kommt zu dem Schluss, dass Autobahnausbau und Lärmschutzmaßnahmen mit dem Planfeststellungsverfahren konform sind. Allerdings wurden bei den Berechnungen 80 km/h für Lkw und 120 km/h für Pkw zugrunde gelegt, die Geschwindigkeitsbegrenzung nach dem Ausbau aber aufgehoben. Bis zum Ausbau galten auf der A1 bei Hollenstedt im Bereich der Raststätte 100 km/h und ansonsten 120 km/h. Weiteres Problem: Die Bäume und Büsche, die zuvor auf den Wällen den Lärm minderten, wurden für den Ausbau entfernt.
Die Bürger seien in der Pflicht, dem Landesstraßenbauamt und der Politik nachzuweisen, dass der Lärmschutz nicht ausreicht oder die Berechnungsergebnisse nicht stimmen. Heichens Tipp an die Anwohner: einen Sachverständigen mit einer Dauer-Lärmmessung beauftragen.
Sönke Zulauf, Fachbereichsleiter Planen der Landesbehörde für Straßenbau, Geschäftsbereich Verden, berief sich gebetsmühlenartig auf die eingehaltenen Gesetze. Insofern bestehe kein Rechtsanspruch auf weitere Lärmschutzmaßnahmen. Seine Aussagen klingen für die Lärm-Geplagten wie Hohn. Er erklärte: "Wir müssen gewährleisten, dass die Emissionsgrenzwerte eingehalten werden. Das werden sie." Dass bei dem A1-Ausbau ein privatwirtschaftliches Betreibermodell zum Tragen kam, spiele keine Rolle. "Wirtschaftlichkeit ist ein Aspekt. Aber es wurde nicht am Lärmschutz gespart", versicherte Zulauf.
Ein Anwohner schimpfte: "Sie verschanzen sich hinter Richtlinien und sagen, Sie haben alles richtig gemacht. Meinen Sie, wir bilden uns den Lärm nur ein?" Die Lärmschutzwände seien nicht hoch genug, berichten Betroffene. Im Bereich der Raststätte gibt es außerdem Lücken im Schallschutz. Von der Ausfahrt Hollenstedt in Richtung Bremen fehle der sogar völlig.
Die Anwohner setzen ihre Hoffnung auf eine Geschwindigkeitsreduzierung und das Entfernen der sogenannten Agglomeratstreifen, riffelige Markierungen, die beim Überfahren für zusätzlichen Krach sorgen.
"Es muss doch möglich sein, für ein Jahr eine Geschwindigkeitsreduzierung einzuführen, um zu sehen, ob das etwas bringt", meinte Heiner Schönecke. Er hat Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies zu einer "Hörprobe" nach Hollenstedt eingeladen, damit er sich vor Ort ein Bild macht. In vielen Ortslagen des Autobahnnetzes in Deutschland gelte schließlich eine km/h-Begrenzung zum Schutz der Anwohner vor Lärm. "Das erwarten auch die Bürger in Hollenstedt, Appel und Wenzendorf. Sie haben ein Recht darauf, dass die Verschlechterungen korrigiert werden", appelliert Schönecke an Lies.
Sollte seine Initiative nichts bringen, riet Schönecke den Hollenstedtern: "Schreiben Sie eine Petition mit ihren Beschwerden an den Bundes- oder Landtagspräsidenten. Die erreicht dann irgendwann den Petitionsausschuss."

Auf ein Wort
Gut, dass es Gesetze gibt, mit denen eine Gleichbehandlung aller Bürger - auch bei Straßenbauprojekten - gewährleistet ist. Doch dass beim Ausbau der A1 mächtig etwas schief gelaufen sein muss, belegen die rund 1.700 Unterschriften, die die Bürgerinitiative für einen verbesserten Lärmschutz gesammelt hatte. Diese Menschen haben nicht alle eine ungerechtfertigte "subjektive Wahrnehmung".
Dass ein Mitarbeiter der Straßenbaubehörde als Erfüllungsgehilfe seines Vorgesetzten, dem Verkehrsminister, nicht eigenmächtig Verbesserungen in Aussicht stellen kann, ist logisch. Umso wichtiger ist es, dass nach Heiner Schönecke auch Michael Grosse-Brömer als gewählter Abgeordneter und Kenner seines Wahlkreises seinen Einfluss geltend macht. Und er Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt für diese für die Bürger belastende Situation sensibilisiert und ihn zum Handeln drängt. Bianca Marquardt

Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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