Das Woodstock der Jugendbünde

Die Gruppenleiter der "Tyrker" hatten viel Spaß auf dem Hohen Meißner. In ihrem Zelt war es eng, aber gemütlich
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jd. Winsen/Marschacht. Gruppenleiter aus Winsen und Marschacht feierten gemeinsam mit 3.500 Jugendlichen ein besonderes Jubiläum Die allermeisten denken bei dem Begriff "Meißner" höchstwahrscheinlich an Porzellan. Doch sechs junge Erwachsene aus Winsen und Marschacht verbinden mit diesem Wort ein ganz besonderes Erlebnis. Die Gruppenleiter der "Evangelischen Jungenschaft Tyrker" im Alter zwischen 18 und 25 Jahren sind kürzlich vom "Meißner 2013" zurückgekehrt, einem Zeltlager von mehr als 60 Pfadfinder-, Wandervogel- und autonomen Jugendbünden.

Benannt ist dieses Treffen nach dem "Hohen Meißner", einem nordhessischen Berg, der für diese Gruppen große Symbolkraft besitzt. Dort kamen 1913 die Mitglieder der damals gerade im Aufbruch befindlichen Jugendbewegung zusammen. Sie organisierten sozusagen das erste Protestcamp Deutschlands und waren quasi die alternative Szene des Kaiserreiches.

In ihrer "Meißnerformel" postulierten die jungen Gesellschaftskritiker die Abkehr vom wilhelminischen Obrigkeitsdenken und von den Werten des Spießbürgertums. Sie wandten sich gegen autoritäres Gehabe und verlangten den Verzicht jeglicher Einmischung durch Behörden, gesellschaftliche Institutionen und Erwachsenenverbände. Innere Freiheit, eigene Verantwortung und Selbstbestimmung waren die prägenden Begriffe dieser Formel.

Nun wurde Jubiläum gefeiert: Knapp 3.500 Bündische, wie sich die Angehörigen dieser Jugendbewegung selbst bezeichnen, schlugen am Osthang des Hohen Meißners ihre Zelte auf und zelebrierten mit Volkstänzen, Handwerksforen, Diskussionsabenden und nächtlichen Liederrunden am Lagerfeuer das 100-jährige Jubiläum der Meißnerformel.

"Ein beeindruckendes Fest", sind sich die "Tyrker"-Gruppenleiter einig, die sich in ihrer ehrenamtlichen Arbeit noch immer der Meißnerformel verpflichtet fühlen. Sie waren die einzigen Bündischen aus dem Landkreis Harburg, die sich auf den Weg zum Meißner machten. "Wir haben dieses Lager genossen und uns in den Trubel gestürzt, ohne große Verpflichtungen zu haben", berichtet "Tyrker"-Bundesführer Jan-Philipp Dopke. Sonst müsse man auf den eigenen Großfahrten jederzeit Verantwortung für die Gruppe tragen.

Und "Tyrkerin" Marie Knorr war besonders begeistert von der Vielfalt der teilnehmenden Gruppen: "Die einen trugen knackige Lederhosen oder adrett sitzende Klufthemden, die anderen liefen in selbstgestrickten Klamotten aus Ökowolle herum." Und trotz des breiten Spektrums an Formen und Inhalten hätten sich alle bestens miteinander verstanden.

Für die "Tyrker" ist ein Lager in diesem Dimensionen eine ganz neue Erfahrung: "Wir zählen mit 70 Mitgliedern zu den kleinsten eigenständigen Jugendbünden in Deutschland", erklärt Jan-Philipp. Irgendjemand habe das Meißner-Lager als das Woodstock der deutschen Jugendbewegung bezeichnet. Da sei schon etwas dran, meint der Tyrker-Bundesführer.

• Mehr Infos:

Homepage der Evangelischen Jungenschaft Tyrker: www.tyrker.de

Homepage zur Meißner-Jubiläumsfeier: www.meissner-2013.de

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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