Zermürbender Kampf gegen Bürokratie
Joachim Matz prangert gegenüber Ministerin Einstellungspraxis für Lehrer im Ruhestand an
- Joachim Matz vor der Steller Oberschule am Buchwedel, wo er zuletzt unterrichtete
- Foto: Matz
- hochgeladen von Christoph Ehlermann
"Vertretungslehrer verzweifelt an Bürokratie", titelte das WOCHENBLATT, als es 2024 über Zeitverträge und andere bürokratische Hürden berichtete, mit denen Joachim Matz aus Winsen bei seinen Bemühungen um eine Anstellung als Vertretungslehrer immer wieder zu kämpfen hatte. In seiner Not wandte sich Matz sogar an Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne). Weil sich an den Missständen offenbar nichts geändert hat, prangert der inzwischen 74-jährige Matz sie nun erneut in einem Schreiben an die Ministerin an: "Die Einstellungspraxis für Lehrer im Ruhestand empfinde ich als altersdiskriminierend."
Joachim Matz machte nach seiner eigenen Schulzeit eine Ausbildung als Gymnasiallehrer für Deutsch und Geschichte, arbeitete dann 30 Jahre bei der Volksbank Lüneburger Heide eG und hat seit seiner Pensionierung 2017 als Vertretungslehrer an verschiedenen Schulen gearbeitet. Im gerade zu Ende gegangenen Schuljahr 2025/2026 war er an der Steller Oberschule am Buchwedel tätig.
Für ihn - so Matz - seien die Sommerferien eine gehaltsfreie Zeit, weshalb er sich für das Schuljahr 2026/27 erneut um eine Anstellung beworben habe. Verträge für Vertretungslehrer liefen befristet in der Regel lediglich über ein Schulhalbjahr, schreibt er an Julia Willie Hamburg und liefert eine auch in Sachen Bürokratie ihresgleichen suchende Bilanz gleich mit: "Innerhalb der letzten achteinhalb Jahre habe ich 21 Arbeitsverträge unterschrieben und an fünf Schulen unterrichtet"
Vom Unterricht in Deutsch und Geschichte über die Begleitung eines Schüleraustausches in Finnland bis zur Organisation von Führungen durch Handwerks- und Industriebetriebe beim Thema Ausbildung habe er "dieselben Aufgaben wahrgenommen wie eine festangestellte Lehrkraft". Als Vertretungslehrer sei er jedoch gezwungen gewesen, in jedem Halbjahr seine Bewerbung erneut einzureichen und ein polizeiliches Führungszeugnis zu beantragen. Zudem musste er immer wieder "schriftlich erklären, dass meine wirtschaftlichen Verhältnisse geordnet und keine Gerichtsverfahren gegen mich anhängig sind", macht er seinem Unmut gegenüber der Kultusministerin Luft. Notwendig sei der ganze Aufwand, weil sich Ruheständler für die Einstellung in den niedersächsischen Schuldienst nur für befristete Verträge bewerben dürften - so die Vorgabe auf eis-online.niedersachsen.de, der Bewerbungsplattform des Kultusministeriums.
Schon seit geraumer Zeit - so Joachim Matz - werde darum gerungen, wie das System der gesetzlichen Altersvorsorge stabilisiert werden könne. Diskutiert würden auch die Verlängerung der Lebensarbeitszeit und die Verschiebung des Renteneintrittsalters über das 67. Lebensjahr hinaus. Auch vor diesem Hintergrund kritisiert Matz die Einstellungspraxis für ältere Lehrer im Ruhestand als diskriminierend - und appelliert schließlich eindringlich an Julia Willie Hamburg: "Ich bitte Sie nachdrücklich, diese Praxis zu ändern!"
Redakteur:Christoph Ehlermann aus Salzhausen |

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