Wohnungsnot im Landkreis Harburg
Herbergsverein schlägt Alarm
Immer mehr Menschen in unserer Region finden kein bezahlbares Zuhause. Anlässlich des Tages der wohnungslosen Menschen am 11. September macht der Herbergsverein Winsen (Luhe) und Umgebung e.V. auf die drastischen Mängel am lokalen Wohnungsmarkt aufmerksam. Die Einrichtung fordert dringend mehr strukturelle Maßnahmen, um bezahlbaren Wohnraum für wohnungslose Menschen zu schaffen.
Die Lage spitzt sich zu: Einer Untersuchung des Pestel Instituts zufolge fehlen im Landkreis Harburg perspektivisch etwa 7.500 Wohnungen. Gleichzeitig wird der Druck aus Hamburg immer größer, wodurch Familien und Menschen mit geringem Einkommen zunehmend ins Umland gedrängt werden. Eine Entspannung auf dem Markt ist derzeit nicht abzusehen.
„Wohnungslosigkeit ist keine Lifestyleentscheidung, sondern das Ergebnis vieler Faktoren“, betont Tim Langner. Er bildet seit dem 1. Juli 2026 gemeinsam mit Holger Buhr die Geschäftsführung des Vereins. Langner warnt davor, das Problem wegzuschieben: „Die meisten von uns sind näher an der Wohnungslosigkeit als wir es wahrhaben wollen“.
Da auch der Aktionsplan der Bundesregierung, der die Wohnungslosigkeit bis 2030 beenden soll, vor Ort kaum Wirkung zeigt, nimmt der Verein die Dinge selbst in die Hand. Bereits vor zwei Jahren wurde beschlossen, eigenen Wohnraum für jene zu schaffen, deren Chancen auf dem Wohnungsmarkt aussichtslos sind. Dass der Träger sich gezwungen sehe, strukturellen Problemen aktiv entgegenzutreten, sei ein klares Zeichen für die große Not, erklärt Langner.
Zwar laufe die Zusammenarbeit mit den Akteuren hier bei uns vor Ort laut Holger Buhr hervorragend. Er stellt aber unmissverständlich klar: „Die strukturellen Ursachen von Wohnungslosigkeit lassen sich jedoch alleine auf der Ebene eines Landkreises nicht angehen“. Es brauche dringend übergeordnete Lösungen.
Der Herbergsverein ist seit fast 75 Jahren ein fester sozialer Anker in der Region. Er wurde 1952 von der Stadt Winsen (Luhe) sowie der Kirche gegründet. Heute arbeiten rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter täglich daran, Menschen in Not zu unterstützen und ihnen wieder Teilhabe am Leben zu ermöglichen.
Redakteur:Jan Filter aus Winsen |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.