Gelbe Säcke im Landkreis Harburg
Kreis machtlos - Duales System tatenlos
- Derzeit läuft's gar nicht im Landkreis: In vielen Dörfern, hier in Dibbersen, blieben die Gelben Säcke tagelang liegen
- Foto: Kriese
- hochgeladen von Gabriele Poepleu
Im ganzen Landkreis liegen gelbe Säcke herum, tagelang. Von Raben zerfleddert stinkt das bei warmem Sommerwetter gerade zum Himmel, lockt Waschbären, Ratten und anderes Getier an. Inzwischen scheinen fast alle Dörfer betroffen: Leser aus Hittfeld, Fleestedt, Ramelsloh, Dibbersen, Wenzendorf, Steinbeck, Otter, Gödensdorf und anderen Orten berichten, dass ihr Verpackungsmüll nicht abgeholt wird. Was ist da los?
"Die aktuelle Situation um die Abfuhr von Müll im Landkreis Harburg ist offensichtlich komplett zusammengebrochen", schreibt ein Bürger aus Otter, in Gödensdorf ist man froh, dass auch Vögel nicht immer aufmerksam sind: "Auch am Samstag passierte nichts (wurden die Säcke nicht abgeholt, Anm. d. Red.) Im Moment haben die Raben das noch nicht spitz bekommen, allerdings hat der auffrischende Wind am Wochenende die Säcke auf die Straße geweht." Auch "in Salzhausen eine Katastrophe" konstatiert ein weiterer Leser. In Dangersen dasselbe Bild: "Inzwischen liegen die Säcke also seit fast einer Woche dort", berichtet ein Leser.
Warum unternimmt der Landkreis nichts? Dem Landkreis sind die Hände gebunden, erklärt Sprecherin Katja Bendig. "Wir haben keine direkte Handhabe und können nur auf die Missstände hinweisen." Denn: Die Einwohner des Landkreises Harburg zahlen zwar Müllgebühr an den Landkreis, die bezieht sich aber nur auf die anderen Müllarten: Restmüll, Papier, Grünabfall, ...
Für die Abholung des Verpackungsmülls in den Gelben Säcken sind dagegen die Dualen Systeme Deutschland verantwortlich. Denn die Kosten müssen diejenigen bezahlen, die die Verpackungen in Umlauf bringen, also die Unternehmen, die verpackte Produkte verkaufen. Die Konsumenten bezahlen insofern nur indirekt über den Produktpreis. Dafür zahlen die Hersteller eine Gebühr an die Dualen Systeme Deutschland GmbH. Dieses Unternehmen beauftragt wiederum Entsorgungsunternehmen vor Ort, die dann die Gelben Säcke abholen.
Im Landkreis Harburg ist das die Firma Knettenbrech & Gurdulic aus Wiesbaden mit ihrem Standort in Marxen - und das wird für die nächsten drei Jahre auch so bleiben: Das Entsorgungsunternehmen erhielt in der von den Dualen Systemen durchgeführten Ausschreibung gerade den Zuschlag für den Folgeauftrag. Das Unternehmen betreibt deutschlandweit aktuell mehr als 30 Standorte. Auf eine erste WOCHENBLATT-Anfrage hieß es zunächst noch, man habe "krankheitsbedingte Personalprobleme". Inzwischen ging die Entsorgerfirma aber offenbar lieber ganz auf Tauchstation: E-Mails wurden gar nicht mehr beantwortet, am Telefon ist kein Verantwortlicher zu sprechen.
Wer deshalb bisher noch Hoffnung hatte, dass dann mit dem Auslaufen des Knettenbrech-&-Gurdulic-Auftrages Ende 2025 und der landkreisweiten Einführung der kostenlosen gelben Tonne statt der Gelben Säcke ab 1. Januar 2026 (das WOCHENBLATT berichtete) alles besser würde, kann diese offenbar nun getrost fahren lassen: Knettenbrech & Gurdulic werden - so haben die Dualen Systeme per Ausschreibung entschieden - für weitere drei Jahre auch für deren Abholung zuständig sein. Nach welchen Kriterien dies entschieden wurde, teilte das Unternehmen nicht mit. Der Landkreis Harburg hat darauf keinen Einfluss. Immerhin haben dann Raben und Ratten mit der Tonne nicht mehr ganz so leichtes Spiel.
Moment Mal: Hier lohnt sich Nicht-Leistung!
Schlecht- und Nichtleistung wird jetzt also auch noch belohnt. Wie auch bei der Metronom-Gesellschaft erhält der aktuell komplett überforderter Verpackungsentsorger Knettenbrech & Gurdulic erneut den Zuschlag für die Abholung der Gelben Säcke oder Tonnen in den nächsten drei Jahren. In der freien Wirtschaft bekommt man für schlechte Leistung gepaart mit lieblosem und unprofessionellen Verhalten normalerweise die Kündigung.
Klar kämpfen viele Unternehmen mit Personalproblemen und natürlich kann auch mal ein Müllfahrzeug wegen eines Defektes ausfallen. Aber ganz abzutauchen, weder für Bürger noch für die Presse ansprechbar zu sein, ist schon frech. Anstatt - zum Beispiel über das WOCHENBLATT - die Menschen zu informieren, wann die Säcke abgeholt werden, trägt man das Missmanagement auf dem Rücken des Verbrauchers aus.
Und das Duale System Deutschland? Ist nicht besser. Auch da hat man anscheinend für die Probleme vor Ort kein Interesse. Offenbar bekommt der billigste Anbieter den Zuschlag. Und das ist oft nicht der beste. Schade, dass man auf vielen Produkten nicht genau ablesen kann, wer für die Verpackung verantwortlich ist. Eigentlich müsste man jetzt den Produzenten den Müll vor die Tür stellen! Dann würde sich bestimmt was verändern. Wetten?
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