Miniserie: Stöckte in früheren Zeiten
Von Handarbeit zu Hightech

Wurzelernte in Stöckte | Foto: Archiv Peter Homann
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  • Wurzelernte in Stöckte
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Für das WOCHENBLATT öffnen Dorfarchivar Peter Homann und Hobby-Historiker Hermann Isenberg ihr Archiv und blicken auf die Dorfgeschichte.

Wo früher Gemüsebauern mit viel Handarbeit auf den Äckern schufteten, finden wir heute modernste Gewächshäuser. Und wo heute nur noch Freizeitboote unterwegs sind, nutzten früher Binnenschiffer Ilmenau und den Stöckter Hafen für den Warentransport. Das Dorf wandelte sich in wenigen Jahrzehnten wirtschaftlich radikal.

Lange Zeit war das Landschaftsbild fast völlig von Obstgärten, Rhabarberfeldern und Gemüsebeeten geprägt. Zuwanderer etablierten hier einst den Anbau von Radieschen und Porree. Die Landwirtschaft bedeutete damals echte Handarbeit. Die Ernte musste mühsam aus dem Boden gezogen und frisch gebündelt werden, bevor sie ihren Weg auf die Märkte nahm. In krassem Gegensatz dazu wachsen die Gurken heute oft computergesteuert und wassersparend in Steinwolle statt Muttererde.

Handwerk, Landwirtschaft und Transport griffen damals perfekt ineinander, denn die Flüsse Ilmenau, Luhe und Elbe waren seit jeher die Lebensadern für die Wirtschaft. Die Flussniederungen boten reichlich Korbweide, sodass ansässige Korbmacher die sogenannten Himbtenkiepen als Transportmittel für die Gemüsebauern in großen Mengen anfertigen konnten.

Für die Landwirte war der Wasserweg existenziell, um ihre verderblichen Waren rasch abzusetzen. Der Grünwaren-Schifferverein fuhr mit dem eigenen Transportschiff „Amanda“ die Ernte direkt zum Hamburger Großmarkt am Deichtor. Die Erzeugnisse der Bauern standen dabei wohlbehütet in den Weidenkörben. Wie enorm wichtig die Elbe als Transportweg war, zeigte sich am Zollenspieker: Dort wurden schon vor dem Ersten Weltkrieg an der Fähranlegestelle Lastkähne mit hochgeschichteten, gefüllten Weidenkörben beladen und zum Großmarkt geschickt.

Eine zentrale Rolle für diesen Handel spielten die Häfen. Der Stöckter Hafen verdankt seine Existenz paradoxerweise verheerenden Naturkatastrophen. Wassermassen spülten bei Deichbrüchen in den Jahren 1509, 1529 und 1814 tiefe Kessel ins Land. Nachdem der Hafen 1888 schiffbar ausgebaut wurde, entwickelte er sich rasch zum überregionalen Knotenpunkt. Plötzlich wurden hier Holz aus Finnland und sogar Zucker aus Kuba umgeschlagen. Doch die Zeiten änderten sich: 1983 wurde er als Wirtschaftshafen entwidmet und dient heute vor allem der Freizeitschifffahrt.

Aus dem Landschaftsbild verschwunden ist hingegen ein weiterer historischer Anlegeplatz: Der Lüneburger Hafen. Dieser Nothafen direkt an der Ilmenaumündung wurde einst ausgebaggert, um den Gemüseschiffen und Holztransporten aus Lüneburg einen sicheren Liegeplatz zu bieten. Nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel die Anlage zusehends. Nachdem das Hafenbecken illegal mit Bauschutt zugeschüttet worden war, verlandete es komplett. Wer heute dort spazieren geht, ahnt nichts mehr von der maritimen Vergangenheit. Wo früher Schiffe vor Anker lagen, erstreckt sich heute nur noch eine unscheinbare Wiese.

Hinweis: Einige der Fotos wurden KI-gestützt aufwendig restauriert und verbessert. Sie sind dabei von den Motiven her absolut Originalgetreu geblieben - es kann allerdings nicht ausgeschlossen werden, dass Gesichtszüge verfälscht wiedergegeben werden, wenn die Vorlagen sehr unscharf waren.

Redakteur:

Jan Filter aus Winsen

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