15 Jahre Sozialkaufhaus Fundus
Wo Nächstenliebe auf Bürokratie-Wahnsinn trifft
- Nur eine kleine Auswahl des Fundus-Teams - von links: Dieter Rassmann, Petra el Tabil, Geschäftsführer Frank Rehmers, Yoshi Morrisson und Marcus Maizak
- hochgeladen von Jan Filter
Das Sozialkaufhaus Fundus in Winsen feiert sein 15-jähriges Bestehen. Was einst klein in der Bahnhofstraße begann, ist inzwischen ein beachtlicher Betrieb in der Lüneburger Straße geworden, der maßgeblich von engagierten Freiwilligen getragen wird. Doch ausufernde staatliche Vorschriften machen den Helfern das Leben zunehmend schwer.
Genau vor 15 Jahren öffneten sich die Türen des ersten Kaufhauses. Nach Stationen in der Bahnhofstraße und einer kleinen Niederlassung in der St. Georg-Kapelle zog der Fundus im September 2021 an seinen heutigen Standort in der Lüneburger Straße. Auf 420 Quadratmetern Verkaufsfläche und rund 1.300 Quadratmetern Gesamtfläche gibt es hier fast alles zu kaufen, was man zum Leben braucht.
„Das Ehrenamt ist die Stütze des Ladens, aber ohne das Hauptamt geht es nicht“, bringt es Geschäftsführer Frank Rehmers auf den Punkt. Von den insgesamt 84 Mitarbeitern an den Standorten Winsen und Salzhausen arbeiten rund 85 Prozent freiwillig. Lediglich neun Hauptamtliche halten in Winsen die Fäden zusammen. „Das Hauptamt würde ohne Ehrenamt verbluten, und das Ehrenamt könnte die Anforderungen ohne das Hauptamt gar nicht stemmen“, so Rehmers weiter.
Für die Menschen in Winsen ist der Fundus weit mehr als nur ein Geschäft mit gebrauchten Dingen. „Viele Kunden kommen gar nicht primär zum Kaufen, sondern zum Quatschen“, erzählt der Geschäftsführer. Hier wird zugehört, hier wird nicht nur Kleidung weitergegeben, sondern am Verkaufsstand auch schon mal ein Job oder eine Wohnung vermittelt. Gleichzeitig bietet das Kaufhaus Schulpraktika an, beschäftigt Kräfte im Bundesfreiwilligendienst und kooperiert eng mit den örtlichen Schulen und Einrichtungen.
Auch das Thema Nachhaltigkeit zieht immer mehr, vor allem junge Leute an. „Bringt die Sachen bitte zu uns, bevor ihr sie wegschmeißt“, lautet der dringende Appell von Frank Rehmers. Oftmals freut sich ein anderer Winsener noch über das, was der eine nicht mehr braucht.
Die große Schattenseite des Jubiläums ist die ausufernde Bürokratie, die den sozialen Zweck des Kaufhauses regelrecht bedroht. Rehmers berichtet von haarsträubenden Vorschriften: So musste der Fundus in allen Niederlassungen für teures Geld neue, digitale Kassen anschaffen. Der Grund: Das Finanzamt möchte den Wareneingang mit den Verkäufen abgleichen. „Völliger Quatsch“, ärgert sich Rehmers, „wir kriegen Spenden, wir haben keine Einkäufe. Wir können gebrauchte Kleidung doch nicht scannen.“
Dazu kommen auf die Minute genaue Stundennachweise, die Behörden selbst für freiwillige Helfer einfordern, sowie strikte Vorgaben vom Gesundheitsamt, die selbst eine einfache „Kaffee-Ecke“ für Kunden fast unmöglich machen. Früher konnte das Fundus mit seinen Überschüssen große soziale Projekte unterstützen – etwa mit 6.000 Euro für einen Krankenwagen oder Spenden an örtliche Vereine. Heute fressen die steigenden Kosten und der massive Verwaltungsaufwand das Geld fast vollständig auf.
Dennoch lassen sich Frank Rehmers und sein Team nicht entmutigen. Dafür ist das Kaufhaus für Winsen auch nach 15 Jahren schlichtweg zu wichtig.
Redakteur:Jan Filter aus Winsen |
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