Bewohner organisieren sich in Beirat
Zukunft des betreuten Wohnens im Winsener Schanzenhof ungewiss
- Roger Grewe vom Kreisseniorenbeirat (3. v. re.) mit Vertretern des Bewohnerbeirates und der Wohnungseigentümer (v. li.): Holger Kolb, Hans Schüschke, Christel Oberließen, Roswitha Wilczek, Dieter Lüpker und Margot Schäfer
- Foto: Kreisseniorenbeirat
- hochgeladen von Christoph Ehlermann
Über ein Vierteljahrhundert fühlten sich die Bewohner in den 72 Wohnungen des betreuten Wohnens des Schanzenhofes in Winsen gut aufgehoben. Im Herzen der Kreisstadt inmitten guter Infrastruktur lebten die Senioren gut betreut und versorgt durch den Paritätischen Wohlfahrtsverband - ganz so, wie es von den Planern und der Bauherrengemeinschaft um Unternehmer Günter Effinger einst gedacht war. Seit geraumer Zeit gibt es beim betreuten Wohnen jedoch gravierende negative Veränderungen, von denen jetzt der Kreisseniorenbeirat berichtet.
Demnach konnte seit 2023 der vertraglich mit den Bewohnern vereinbarte Leistungsumfang nicht mehr in vollem Umfang durch den Paritätischen geleistet werden. Ursachen waren nach dessen Aussage wirtschaftliche Gründe und Fachkräftemangel. Dem fielen im vergangenen Jahr Wahlleistungen wie Mittagessen und Ambulante Pflege zum Opfer. Diese Versorgung wurde gänzlich eingestellt. Auch Angebote der sogenannten Grundleistung, wie der 24-stündige hausinterne Notruf mit ständiger Personalpräsenz, wurde vom Paritätischen abgeschafft und einem externen Anbieter übergeben. Weitere Grundleistungen wurden zum Nachteil der Bewohner verändert, das Entgelt dafür in Höhe von monatlich 180 Euro je Wohnung musste weiter voll gezahlt werden.
"Bei allem Verständnis für gegebenenfalls erforderliche Veränderungen kritisieren die Bewohner besonders die mangelhafte bis gar nicht stattgefundene Kommunikation des Paritätischen Wohlfahrtverbandes", betont Kreisseniorenbeirats-Vorsitzender Roger Grewe. "Das Bemühen des Paritätischen, durch mehrere innerverbandliche Umstrukturierungen auf Leitungsebene die wirtschaftliche und personelle Situation zu verbessern, führte bislang leider nicht zum Erfolg."
Die Grundlagen für ein gemeinschaftliches Senioren-Wohnen mit Pflege und Betreuung seien "massiv ins Wanken geraten". Dies habe dazu geführt, dass die Verträge, auf denen das Konstrukt basiere, 2025 geprüft worden seien. Ergebnis: Viele Vertragsabschlüsse seien rechtlich nicht haltbar und damit unwirksam.
All dies habe - so Roger Grewe - "bei den alten Menschen, die im Schanzenhof wohnen, ein inneres Chaos aus Ängsten, Unsicherheiten und großem Ärger ausgelöst". Auf Initiative einer Wohnungseigentümerfamilie wurde daraufhin der Kreisseniorenbeirat hinzugezogen und gebeten, sich der Interessen der Betroffenen anzunehmen.
Grewe sagte seine volle Unterstützung zu, berief gemeinsam mit der engagierten Eigentümerfamilie mehrere Bewohner-Infoveranstaltungen ein und führte Gespräche mit dem Landesvorstand des Paritätischen. Ziel war es, für die Bewohner des Schanzenhofes wieder ein adäquates Pflege- und Betreuungsangebot zu schaffen. Auch die Betreuung durch einen anderen Leistungsanbieter ist dabei nicht ausgeschlossen.
Für die Vertretung der Bewohnerinteressen wurde ein Bewohnerbeirat gewählt, der inzwischen unter Vorsitz von Sprecherin Christel Oberließen seine Arbeit aufgenommen hat. Er wird durch den Kreisseniorenbeirat aktiv unterstützt.
"Der Schlüssel aber, ob das betreute Wohnen im Schanzenhof eine Zukunft hat, liegt bei den Eigentümern der 72 betroffenen Wohnungen. Diese müssen einstimmig einverstanden sein, dass die Wohnungen, wie auch in der Vergangenheit und seit Bestehen des Schanzenhofes, ausschließlich an ältere und alte Menschen vermietet werden dürfen", unterstreicht Roger Grewe. Dazu führe die Hausverwaltung derzeit bei den Eigentümern eine Abfrage durch. Die Entscheidung werde beim Treffen der Eigentümer am 20. März verkündet.
Redakteur:Christoph Ehlermann aus Salzhausen |
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