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Decatur-Brücke: Seevetal gibt Expertise für 100.000 Euro in Auftrag

Die Decatur-Brücke in Maschen ist seit eineinhalb Jahren gesperrt (Foto: kb)
 
Seevetals Bürgermeisterin Martina Oertzen (Foto: ts)

Gemeinde prüft Berechnungen der Deutschen Bahn, nach denen das Bauwerk saniert werden könnte

ts. Maschen. Die Gemeinde Seevetal verschafft sich eine Expertise und damit möglicherweise neue Argumente in der Frage, ob die baufällige Decatur-Brücke doch saniert werden könne oder nicht. Sie reagiert damit auf eine entsprechende Forderung der Deutschen Bahn.
Bei einem Arbeitstreffen mit Vertretern des Unternehmens habe die Bahn die behauptet, dass die 780 Meter lange Brücke über den Rangierbahnhof Maschen ertüchtigt und saniert werden könne, sagt Seevetals Bauamtsleiter Gerd Rexrodt. Die Gemeinde als Straßenbaulastträger will sich verlässliche Grundlage verschaffen und finanziert eine Überprüfung mit 100.000 Euro.
Die Gemeinde Seevetal hat einen externen Sachverständigen damit beauftragt, die Tragsicherheit nach der höchsten Intensitätstufe zu prüfen, die die Nachrechnungsrichtlinie von Straßenbrücken im Bestand vorsieht: die Stufe vier. Das hat der nicht-öffentlich tagende Verwaltungsauschuss des Gemeinderates beschlossen. In vier Monaten wird das Ergebnis voraussichtlich vorliegen.
"Wir haben mit Interesse wahrgenommen, dass die Deutsche Bahn neue Erkenntnisse zu einer Sanierung der Decatur-Brücke hat", sagt Seevetals Bürgermeisterin Martina Ortzen (CDU). Detaillierte Berechnungen habe die Gemeinde von dem Unternehmen aber bislang nicht erhalten.
Laut Bauamtsleiter Gerd Rexrodt gehe die Deutsche Bahn von wissenschaftlichen Annahmen aus, die auf einer Absenkung der Sicherheitsstandards beruhen würden. Die Gemeinde wolle jetzt eine Bestätigung der Berechnungen der Deutschen Bahn erreichen. Dazu wird das von der Gemeinde beauftragte Sachverständigenbüro nach einer anderen wissenschaftlichen Methode prüfen. Das sehe die sogenannte Nachrechnungsrichtlinie vor. Diese Richtlinie des Bundes gibt für die Bewertung der Bauwerke einheitliche Standards, aber auch Hilfestellung vor, damit die Gebrauchstauglichkeit bestehender Straßenbrücken realistisch beurteilt werden kann.
"Wir sind daran interessiert, uns mit der Deutschen Bahn ins Benehmen zu setzen", sagt Martina Oertzen, "wir haben aber unterschiedliche Erwartungshaltungen." Gemeint ist: Der Deutschen Bahn ist wichtig, ihren Betriebsfahrzeugen über die Brücke die Zufahrt zu dem Logistikzentrum zu sichern. Für die Gemeinde würde eine Sanierung nur Sinn machen, wenn die Brücke auch den gesamten öffentlichen Verkehr trüge.
Das Problem sind die Kosten: Die Gemeinde ist Straßenbaulastträger und müsste einen Neubau finanzieren. Der würde mindestens 50 Millionen Euro kosten. "Ich erwarte die Unterstützung des Bundes und vor allem der Bahn", sagt Martina Oertzen. Denn eine kleine Gemeinde sei finanziell damit überfordert. Ihrer Kenntnis nach sei die Konstellation einzigartig in Deutschland, dass eine Gemeinde die Baulast zu einer mehrere hundert Meter langen Brücke über einen Rangierbahnhof trägt. Der Gemeinderat hat im vergangenen Jahr den Abriss beschlossen.
Die Decatur-Brücke ist seit eineinhalb Jahren gesperrt. Nur Betriebsfahrzeuge der Deutschen Bahn dürfen sie mit einer Ausnahmeregelung befahren. Die Sicherheit ist offenbar nicht akut gefährdet. Ein vom Oberwaltungsgericht angeordnetes Monitoring überwacht die Risse an dem Brückenbauwerk. "Die Geomonitoring-Daten sollen bisher unauffällig sein", sagt Martina Oertzen.