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Minderjährige Flüchtlinge in Turnhalle: Anwohner zeigen Verständnis

Die Sichtblenden rund um die Fröbelschule sollen der Vergangenheit angehören (Foto: bc)
bc. Stade. Eine überaus sachliche Informationsveranstaltung fand am vergangenen Freitag in der Sporthalle der Friedrich-Fröbel-Schule statt. Ungefähr 70 Bürger, viele davon direkte Anwohner, stellten rund eine Stunde lang Fragen zur geplanten Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Ausländer (UMA) in
der Halle.

Bis zu 64 Flüchtlinge im Alter zwischen 15 und 17 Jahren, die ohne Eltern in Stade angekommen sind, sollen ab April hier einziehen. Ca. 80 Prozent sind Afghanen, die meisten sind muslimischer Religion. Für maximal zwei Jahre soll die Notunterkunft bestehen, solange bis es genügend geeignete Jugendwohngruppen gibt.

In der Fröbel-Halle ist eine Art Wabenkonstruktion geplant. Mit festen Trennwänden in Holzrahmenbauweise und abschließbaren Türen werden Rückzugsmöglichkeiten für die Jugendlichen geschaffen. Zu zweit bewohnen sie ein „Zimmer“. Bauzäune und weiße Planen, wie noch vor wenigen Wochen, als hier überwiegend geflüchtete Familien notuntergebracht wurden, sollen der Vergangenheit angehören.

Wir wollen den jungen Bewohnern eine heimelige Atmosphäre bieten“, erklärt Susanne Brahmst, Sozialdezernentin beim Landkreis. Eigentlich sollten die Umbauarbeiten bereits begonnen haben, doch diverse Gründe (Ausschreibungen,
fehlende Handwerker, etc.) führten zu Verzögerungen.

Die Stader Privatschule organisiert den Schulunterricht. Drei Klassenräume für je 20 Schüler stehen dafür in der Fröbelschule bereit. Neben der Sprachförderung stünden auch Werte und Normen auf dem Stundenplan, berichtete Schulleiter Dirk Kühne. Ziel sei es, die Schüler spätestens nach einem Jahr in eine Ausbildung oder auf eine weiterführende Schule zu schicken.

Für die sozialpädagogische Betreuung sorgt das Hamburger Unternehmen „Betzin & Schmidt Soziale Dienste“. Die „B+S“-Mitarbeiter sind sieben Tage die Woche rund um die Uhr vor Ort. Kay Tripmaker: „Die Jugendlichen freuen sich auf ihre neue Unterkunft.“ Ziel sei es, sie in Stade zu integrieren.

Tripmaker und seine Kollegen berichteten von ihren Erfahrungen. Sie sind schon seit Oktober in Stade im Notquartier an der Berufsschule: „Es sind Jugendliche. Es ist nicht auszuschließen, dass es mal laut wird.“ Die Anwohner zeigten viel Verständnis für die Situation.

Um das Problem der Dauer-Flutlicht-Beleuchtung will sich die Landkreis-Behörde kümmern. Auch um das gestiegene Verkehrsaufkommen. Ebenso soll eine „Telefonzelle“ in der Halle eingerichtet werden. Brahmst: „Wir bemühen uns, die Anwohnerschaft so wenig wie möglich zu belästigen.“ Die Sichtblenden rund um die Schule soll es nicht mehr geben. Während der Veranstaltung schlug eine Anwohnerin vor, Patenschaften für die Jugendlichen zu übernehmen. Brahmst: „Eine großartige Idee.“

- Auch in der alten Sporthalle der Berufsbildenden Schulen (BBS) an der Glückstädter Straße sollen bis zu 64 minderjährige Asylbewerber untergebracht werden. Derzeit befinden sich rund 80 UMA in Stade.