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Vorstoß in Stade: Führerschein für alle Radler

"Habe schon viele brenzlige Situationen als Radfahrerin erlebt": Andrea Dankert bewegt sich mit Umsicht im Straßenverkehr Foto: tp
 
Andrea Dankert fährt häufig mit dem Rad zur Arbeit

Riskante Verkehrssituationen und Unkenntnis: Andrea Dankert fordert Pflicht-Ausbildung

tp. Stade. "Kürzlich geriet ich wieder in eine gefährliche Situation", sagt die passionierte Radlerin Andrea Dankert (58) aus Stade: "Zwei andere Radfahrer kamen mir auf meiner Fahrbahn entgegen, zwangen mich durch ihre Fahrweise zum Stoppen und fühlten sich wohl auch noch im Recht." Radfahrer halten sich nach ihrer Beobachtung - aus Rücksichtslosigkeit oder Unkenntnis - oftmals nicht an die Verkehrsregeln. Daher fordert sie nun den Führerschein für alle Fahrradfahrer. Sie wirbt für ein Modellprojekt, bei dem sie sich als Organisatorin ehrenamtlich engagieren möchte.

Dankert verweist auf "zahlreiche brenzlige und unklare Situationen sowie falsche Verhaltensweisen", die sie auf ihren täglichen Touren zur Arbeit erlebte. Etwa in der Unterführung am Bahnhof, wo Radfahrer beim Hinabfahren der steilen Rampe Fußgänger gefährden würden. Als weitere Beispiele führt sie das Befahren von Einbahnstraßen und Radwegen sowie Verkehrskreiseln in falscher Fahrtrichtung an.

Angesichts des aus ihrer Sicht großen Schulungsbedarfs möchte sie ein mit öffentlichem Geld gefördertes Modellprojekt für den Fahrradführerschein auf die Beine stellen und dazu unterschiedliche Akteure ins Boot holen.

Bei der Polizei Stade zeigt man sich interessiert an Dankerts Vorhaben. Nicht zuletzt wegen der anhaltend hohen Zahl von Unfällen: In den vergangenen zehn Jahren wurden im Landkreis jährlich 187 bis 250 Verkehrsunfälle mit Radfahrern gezählt. 2016 ereigneten sich 249 Unfälle. "Leider sind pro Jahr immer ein bis Personen, die bei Fahrradunfällen im Leben kommen in unserer Statistik erfasst, so Polizeisprecher Rainer Bohmbach. Die Zahl der Schwerverletzten sei angestiegen und liege zwischen 15 und 36 pro Jahr.

Der Polizei-Verkehrssicherheitsberater Thomas Mehnen verweist auf zahlreiche Verkehrssicherheitsaktivitäten wie z.B. den neuen Verkehrsübungsplatz bei der Grundschule in Stade-Hahle, den Theorieunterricht an Kindergärten und Schulen durch Mehnen sowie auf den Praxisunterricht auf einem Parcours der Verkehrswacht, der auf Nachfrage an Schulen durchgeführt wird. Zudem habe der Landkreis Unterrichtsmaterial angeschafft, mit dem neu geschulte Lehrkräfte die Radfahrausbildung an Stader Grundschulen durchführen. Im Rahmen der Verkehrserziehung können Schüler einen "Fahrradführerschein" für Kinder erwerben.

Ein Pflicht-Fahrradführerschein bedürfe allerdings "gesetzlicher Grundlagen, welche aktuell nicht vorhanden sind".

Mit Skepsis betrachtet Ilse von Lacroix, Chefin des ADFC-Kreisverbands Stade, Andrea Dankerts Vorstoß: "Ich halte es für unmöglich, einen Führerschein für alle Radfahrer verpflichtend einzuführen". Denkbar wäre aber eine Schulung der Radfahrer, die durch wiederholte Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung auffällig geworden seien.
Dr. Julia Verlinden, Grünen-Bundestagsabgeordnete, sagt: „Wir sollten keine neuen Hürden für den Radverkehr aufbauen." Ein verpflichtender Fahrradführerschein würde einen Zuwachs des Radverkehrs eher bremsen.

"Eine verpflichtende flächendeckenden Einführung eines Fahrradführerscheins sehe ich kritisch", sagt der CDU-Landtagsabgeordnete Kai Seefried. "Insgesamt sollten wir auf die Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen setzen. Daher begrüße ich die Initiative der Wochenblatt-Leserin und würde mich freuen, wenn sich viele Freiwillige an dem Projekt beteiligen."

• Kontakt zu Andrea Dankert per E-Mail: andrea.dankert@gmx.de.
• Liebe Leser, was halten Sie vom Pflicht-Fahrradführerschein? Schreiben Sie uns Ihre Meinung an leserbriefe@kreiszeitung.net. Immer mehr Pkw und immer mehr Umweltbewusste, die aufs Rad umsteigen. Auf den Straßen wird's eng - daher finde ich jede Initiative lobenswert, den Interessenkonflikt zwischen Radfahrer zu lösen. Auch Aktivistin Andrea Dankert ist auf einem guten Weg.


Kommentar: Für eine Lösung ohne Zwang

Doch hoffentlich gelingt ihr mit Hilfe von Mitstreitern eine Lösung ohne Zwang. Die Pflicht zum Fahrradführerschein erzeugt Ablehnung und würde eine gute Idee kaputtmachen. Neben der Radler-Ausbildung gibt es noch viel zu tun: Allem voran der Ausbau der Rad-Infrastruktur, die Fahrradfreude schon lange fordern - nicht nur in der wachsenden Kreisstadt Stade. Thorsten Penz