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Warum kostet eine Kita 3,4 Millionen Euro?

Der Neubau der Kita im Stadtteil Kopenkamp soll die alte Kita an der Johannis-Kirche ersetzen
bc. Stade. Eine neue Kindertagesstätte für 3,4 Millionen Euro: Ist das nicht ein bisschen teuer? Die städtischen Pläne für den Kita-Neubau im Stader Stadtteil Kopenkamp irritieren einige WOCHENBLATT-Leser. Ihre Meinung: Selbst mit goldenen Wasserhähnen und einem integrierten Schwimmbad sei dieses Vorhaben komplett überteuert. Ein Leser schreibt dem WOCHENBLATT: "Für 3,4 Millionen Euro hätten mindestens fünf neue Kitas gebaut werden können."

Ist da was dran? Das WOCHENBLATT hakt bei der Stadtverwaltung nach.
Zur Erläuterung: Geplant ist, dass die "Wohnstätte Stade" als Bauherr und Investor der Kita auftritt und im Rahmen eines Public Private Partnership-Modells (PPP) an die Stadt vermietet (das WOCHENBLATT berichtete). Die Grundmietzeit beträgt 25 Jahre mit Verlängerungsoption, die aktuell berechneten monatlichen Pachtzahlungen an die "Wohnstätte" liegen bei etwa 13.500 Euro.

Der Erste Stadtrat Dirk Kraska verteidigt die Höhe der Baukosten, in denen auch die Kosten für den Abriss eines Garagenhofes eingerechnet sind, der derzeit noch auf dem Grundstück der neu geplanten Kita an der Teichstraße steht. Kraska: "Die Baukosten sind nicht ungewöhnlich hoch und auf Grundlage der Marktpreise kalkuliert."

Vorgesehen seien je zwei Elementar- und Krippengruppen sowie eine Hortgruppe plus Mensa sowie Bewegungs- und Schlafraum. Der einzige Luxus der neuen Kita ist laut Kraska die Raumgröße. Die Gruppenräume sollen fünf Quadratmeter größer als gesetzlich vorgeschrieben sein, um dort die Voraussetzung für eine funktionierende Inklusion zu schaffen.

Kraska räumt ein, dass PPP-Modelle insgesamt immer ein bisschen teurer für Kommunen seien, der Vorteil jedoch auf der Hand läge: "Wir als Stadt behalten uns die Liquidität." Die Stadtkasse werde in diesem Fall von weiteren Kreditaufnahmen in Höhe von 3,1 Mio. Euro freigehalten.

Wie günstig andere Gemeinden neue Kindergärten bauen, zeigen Beispiele aus dem Landkreis Harburg. In Neu Wulmstorf wurde in diesem Jahr eine Kita ebenfalls mit je zwei Elementar- und Krippengruppen für 1,7 Mio. Euro eingeweiht. In Hittfeld ist eine Kita in vergleichbarer Größe für 2,5 Mio. Euro geplant.

Die CDU-Fraktion im Stader Rat fordert Nachverhandlungen mit der "Wohnstätte". Fraktionschefin Kristina Kilian-Klinge: "So wie es jetzt geplant ist, wäre es günstiger, wenn die Stadt selber baut."

Geplante Inbetriebnahme der Kita ist der 1. August 2016.