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Jeder vierte Auszubildende bricht seine Lehre ab (Foto: DAK/iStock)
 
Dr. Bodo Stange (Foto: IHK)

So lassen sich Enttäuschungen in der Ausbildung vermeiden

(sb). Eine begehrte Lehrstelle ergattert, mit Hoffnung ins Berufsleben gestartet, und dann passiert's: Der Lehrling wirft das Handtuch. Immer mehr Personen brechen ihre Ausbildung vor Abschluss ab - laut des neuen Berufsbildungsberichtsentwurfs der Bundesregierung jeder Vierte. Das WOCHENBLATT hat sich bei Fachleuten in der Region umgehört und gefragt: Wo kommen diese schlechten Zahlen her und wie kann man die Situation sowohl für die Lehrlinge als auch für die ausbildenden Betriebe verbessern?

Dr. Bodo Stange, Geschäftsführer im Bereich Aus- und Weiterbildung bei der Industrie- und Handelskammer Stade für den Elbe-Weser-Raum: "Eines ist klar: Wir werden in der Zukunft nur erfolgreich sein, wenn es uns gelingt, den Nachwuchs an motivierten und qualifizierten Fachkräften zu sichern. Vor diesem Hintergrund ist jeder Jugendliche, der seine Ausbildung abbricht, einer zu viel. Die Gründe für Ausbildungsabbrüche sind allerdings so vielfältig wie das Wirtschaftsleben und mitunter sehr individuell. Wenn eine Ausbildung abgebrochen wird, dann passiert das überwiegend schon in der Probezeit. Trotz aller Anstrengungen in der Berufsorientierung müssen wir immer noch viel zu oft feststellen, dass die Jugendlichen ganz andere Vorstellungen vom Beruf und dem beruflichen Alltag hatten. Den Jugendlichen empfehlen wir deshalb dringend, schon vor der Bewerbungsphase mindestens ein Praktikum im angestrebten Beruf und möglichst auch im späteren Ausbildungsbetrieb zu absolvieren. Das ist mit Abstand der beste Weg, spätere Enttäuschungen bis hin zum Ausbildungsabbruch zu vermeiden. Natürlich können auch die Betriebe einiges beitragen, um die Zahl der Abbrüche so gering wie möglich zu halten. Wie eine Schülerumfrage unserer IHK zeigte, liegt den Jugendlichen vor allem an einem guten Betriebsklima und persönlicher Wertschätzung. Gerade kleine und mittlere Betriebe können also mit einem familiären Umgang punkten. Außerdem lehrt die Erfahrung, dass Abbrüche häufig noch abzuwenden sind, wenn Kammer, Berufsschule und Betrieb frühzeitig zusammen arbeiten, sobald die ersten Probleme auftauchen."

Dagmar Froelich, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Stade: "Falsche Erwartungen an den vermeintlichen Traumberuf sind unserer Erfahrung nach der häufigste Grund, die Ausbildung abzubrechen. Es sind Probleme in der Berufsschule oder Konflikte, die auf mangelnder Kommunikation beruhen. Oft spielen auch Überforderung und gesundheitliche Beeinträchtigungen eine Rolle. Oder die Erkenntnis, dass man den falschen Ausbildungsberuf gewählt und eine bessere Alternative hat. Ein Großteil der Abbrecher sind Ausbildungswechsler.
Wir haben festgestellt, dass vorzeitige Information über die einzelnen Ausbildungsberufe sehr wichtig sind, um Abbrüche zu verhindern. Wenn Gespräche im Betrieb die Situation nicht verbessern, sollte sich der Auszubildende Hilfe von außen holen. Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit unterstützt bei Problemen. Mit ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) kann Nachhilfeunterricht erworben werden. Bei einer „Assistierten Ausbildung" steht ein persönlicher Betreuer zur Seite.
Vor einem Abbruch ist es wichtig zu überprüfen, welche Alternativen es gibt. Entweder kann die Ausbildung in einem anderen Betrieb fortgesetzt werden oder sollte der Jugendliche feststellen, dass es doch nicht der Wunschberuf ist, kann er eventuell in der gleichen Firma einen anderen Beruf erlernen.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass es „den Ausbildungsabbrecher“ nicht gibt. Die Kündigung sollte keine Kurzschlussreaktion sein. Hat sich ein Jugendlicher bei der Wahl des Ausbildungsberufs vertan und bricht ab, um etwas anderes zu machen, können das viele Arbeitgeber akzeptieren. Weniger Verständnis habe ich jedoch, wenn Azubis ohne einen Plan B kündigen. Arbeitslosigkeit ist in jedem Fall der falsche Karrierestart."