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Busfahrer Hanno hat ein großes Herz

Ein Mann und sein Bus: Hanno Sangkuhl ist im Liniendienst der KVG im Einsatz
(jd). Er ist "Kummeronkel" für viele Schüler: Ferienbeginn löst bei KVG-Fahrer Hanno Sangkuhl gemischte Gefühle aus. "Was für eine himmlische Ruhe", freut sich Busfahrer Hanno Sangkuhl. Die Sommerferien haben begonnen - und das ist für den KVG-Mitarbeiter ein wenig wie Urlaub, obwohl er gar nicht frei hat. Sangkuhl ist sonst vorwiegend im Schulbusverkehr eingesetzt, doch nun erwarten ihn sechs entspannte Wochen: Kein Lärm schon morgens um kurz nach sieben, wenn sich die ersten Schüler hineindrängeln, kein lautes Gezanke um die besten Sitzplätze und kein Stress mit vorlauten Halbstarken, die es cool finden, die Jüngeren zu ärgern. Stattdessen kutschiert Sangkuhl in den kommenden Wochen jeden Morgen schlaftrunkene Airbus-Angestellte zur Arbeitsstelle. Auf diesen Touren ist der Geräuschpegel doch erheblich niedriger.

"Totenstille muss aber auch nicht herrschen", meint Sangkuhl. Auch wenn es für seinen Geschmack auf den Schulbustouren ab und an ein wenig ruhiger zugehen dürfte, ist er von seinen jungen Fahrgästen alles andere als genervt. "Ein Bus ist kein Lesesaal, in dem alle schweigen müssen", so die rheinische Frohnatur, die unterwegs gerne selbst ein Schwätzchen hält - auch mit den Schülern.

Zu denen hat der Busfahrer durchweg einen guten Draht. Ein, zwei Krawallbrüder seien zwar auf jeder Linie dabei, doch wer aus der Reihe tanze, werde schnell auf Spur gebracht. Das funktioniere aber nicht mit Gemotze, sondern nur in einem vernünftigen Ton. "So etwas ist auch eine Frage der gegenseitigen Achtung", sagt Sangkuhl. Dazu gehört für ihn auch, sämtliche Schüler, die er auf verschiedenen Linien rund um Apensen, Buxtehude und Hollenstedt fährt, namentlich zu kennen.

"Für einige bin ich sogar der Kummeronkel", schmunzelt Sangkuhl: Er ist ein geduldiger Zuhörer, wenn sich Schüler über ungerechte Noten, versiebte Arbeiten oder strenge Lehrer auslassen. Extra für die Erstklässler hat er an die Frontscheibe seines Busses ein dickes, rotes Herz gehängt. So wissen die Kleinen, die noch nicht lesen können, wo sie einsteigen müssen: beim Busfahrer mit dem großen Herzen. Was durchaus auch im übertragenen Sinne gemeint ist.

Auch wenn er die Stille im Bus derzeit noch genieße, werde es so wie immer in den großen Ferien sein, bekennt Sangkuhl: Spätestens in zwei Wochen vermisse er seine Schüler. "Ein bisschen Leben in der Bude kann schließlich nicht schaden."