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Wenn es aus der Hose funkt: RFID-Chips auf dem Vormarsch

In manchen Kleidungsstücken sind bereits Minichips eingenäht, die Signale senden
 
Auf diesem Winzling lassen sich etliche Daten speichern (Foto: Fotolia © Cake78)
(jd). Mikrochips in der Kleidung liefern allerlei Informationen / Datenschützer warnen vor dem "gläsernen Kunden". Hersteller und Handel preisen sie als Innovation, Datenschützer bezeichnen sie als Schnüffelchips oder Ortungswanzen: Gemeint sind die sogenannten RFID-Chips (siehe unten), die derzeit meist in der Bekleidungsbranche eingesetzt werden. Die winzigen Platinen sind der Lage, per Funk auslesbare Daten über das jeweilige Produkt zu speichern und diese mit dem Käufer zu verknüpfen. Kritiker malen schon das Menetekel vom "gläsernen Kunden" an die Wand. Derzeit testet der Textilriese C&A in seiner Hamburger Filiale die Mikro-Datenträger und versieht ein Großteil der Kleidungsstücke damit.

Eine ältere Dame hat in einem Buxtehuder Supermarkt gerade bezahlt, als die Diebstahlssicherung ertönt. "Haben Sie Ihren Mantel vielleicht kürzlich bei C&A gekauft?", fragt die Kassiererin die Kundin. Derzeit piept es im Laden häufiger wegen eines an Jacke oder Hose angebrachten RFID-Chips. Da sich die kleinen Funkteile, die meist in den Etiketten mit den Pflegehinweisen eingenäht sind, auch als "Klauschutz" einsetzen lassen, lösen sie in anderen Geschäften oft einen Fehlalarm aus. Bei C&A sollte man das schon mal als negatives Ergebnis des Testdurchlaufs verbuchen.

Nur positive Aspekte sehen hingegen die Anbieter der Mikrochips: Die Winzlige sollen das Erfassen der Ware bei der Anlieferung, der Inventur oder an der Kasse vereinfachen. Statt wie jetzt Artikel für Artikel den Strichcode einzuscannen, reicht dann ein Lesegerät, das sich in der Nähe der Ware befindet. Der Vorteil: Einkäufe oder Bestände werden gleich stapelweise erfasst. Das spart Zeit und Arbeitskosten. Zudem ist jederzeit abrufbar, wie oft beispielsweise ein Hemd in einer bestimmten Farbe und Größe verfügbar ist und wo es sich im Laden befindet: im Regal, im Lager, bei einem Kunden in der Umkleidekabine oder bereits in dessen Einkaufstüte.

Hier setzen nun die Kritiker an: Sie monieren, dass mit Hilfe der funkenden Kleidungsstücke Informationen über das Einkaufsverhalten von Kunden gesammelt werden können. Beispiel: Eine Frau hat ein modisches Kostüm gekauft und betritt mit ihrer Einkaufstüte anschließend ein Schuhgeschäft. Sofort eilt ein Verkäufer herbei, um ihr farblich zum Kostüm passende High Heels aufzuschwatzen. Der Mann ist weder ein Hellseher noch hat er einen Röntgenblick. Dank des Chips weiß er, was die Kundin in ihrer Tüte hat. Selbst welche Dessous sie gerade trägt, wäre dann kein Geheimnis mehr.

Die Befürchtungen der Datenschützer versucht der Handel zu zerstreuen. "Derzeit prüfen wir technische Lösungen, die eine Speicherung von Kundendaten im Zusammenhang mit RFID ausschließen", erklärt C&A-Sprecher Thorsten Rolfes. Ohnehin müssen Kunden, die in den Modehäusern vor Ort einkaufen, keine Ausspäh-Aktionen befürchten. Laut Stackmann-Geschäftsführer Henning Schleemann steht es in den Sternen, ob und wann der Handel die RFID-Technologie flächendeckend einführen wird. Derzeit würden noch zu wenige Fabrikanten ihre Textilien mit dem Chip ausstatten, sodass sich eine Umrüstung der hauseigenen Systeme inklusive der Warensicherung nicht rentiere. "Aus heutiger Sicht ist RFID für uns nicht interessant", sagt Schleemann.

Auch Martin Schulze von der Modekette "Blues" winkt ab: Lediglich 20 Prozent des Sortiments sei mit den Winz-Chips ausgestattet. Für nur ein Fünftel der Ware lohne sich die Einführung von RFID nicht. Anders sehe das bei Herstellern wie Garry Weber oder S.Oliver aus, die eigene Shops betreiben. Sie hätten die Technologie eingeführt, weil sie diese von der Produktion bis zum Verkauf einsetzen können. "Seit zehn Jahren wird von der eierlegenden Wollmilchsau RFID gesprochen", meint Schulz: "Und es dauert wohl noch zehn Jahre, bis sich das Ganze durchsetzt.


Die Abkürzung RFID steht für Radiofrequenz-Identifikation. Die RFID-Funkchips haben keine eigene Batterie. Ihren Strom beziehen sie drahtlos über die Lesegeräte durch elektromagnetische Wellen. Das Signal hat eine Reichweite von bis zu zehn Metern. Die Chips können sozusagen im Vorbeigehen ausgelesen werden. Sie sind so robust, dass sie mehrere Wäschen überstehen. Eingesetzt werden sie bereits bei Skipässen oder Zentralverriegelungen von Autos.