Keine Spur zu den Schließfachräubern von Buchholz
"Haben Sofortmaßnahmen ergriffen"

Einer der Täter beim Betreten der Bank
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  • Einer der Täter beim Betreten der Bank
  • Foto: Polizei
  • hochgeladen von Thomas Lipinski

Geschädigten-Anwalt erhebt Vorwürfe gegen Sparkasse 

thl. Buchholz. Bei der Fahndung nach den Tätern, die am 5. und 6. Juli rund 80 Schließfächer in der Filiale der Sparkasse Harburg-Buxtehude in der Poststraße in Buchholz aufgebrochen und leergeräumt haben (das WOCHENBLATT berichtete), fehlt weiter jede Spur. Zwar wurden am Tatort DNA- und Fingerspuren gesichert. Ob diese allerdings zu den Tätern oder zu den Geschädigten gehören, ist nach Auskunft von Polizeisprecher Torsten Adam noch offen. Allerdings gebe es mittlerweile Hinweise, dass es sich bei den Tätern um eine überregional agierende Bande handeln könne. Adam: "Deswegen gleichen wir derzeit gleichgelagerte Taten europaweit ab, um zu sehen, ob es Zusammenhänge gibt."
Viele WOCHENBLATT-Leser monierten die schlechte Qualität der Fahndungsbilder. "Dafür können wir nichts. Wir müssen das Material verwenden, das wir bekommen", so Adam.
Mittlerweile erhebt Rechtsanwalt Jürgen Hennemann aus Buchholz, der zahlreiche Geschädigte vertritt, Vorwürfe gegen die Sparkasse. So sei z.B. das Sicherungssystem untauglich gewesen, so der Anwalt. "Bei anderen Banken muss sich jeder Kunde an einem speziellen Empfangsbereich legitimieren, bevor ihm Zutritt in den sensiblen Sicherheitsbereich der Schließfächer gewährt wird", sagt der Rechtsanwalt.
Das WOCHENBLATT hat Sparkassen-Sprecher Wilfried Wiegel dazu befragt.
WOCHENBLATT: Fachleute sehen das Sicherheitssystem der Sparkasse als mangelhaft und hochgradig untauglich an. Ihrer Meinung nach hat die Sparkasse dadurch grob fahrlässig gehandelt und sei unter Umständen schadensersatzpflichtig. Wie ist Ihre Meinung dazu?
Wiegel: Nein, wir sehen gegenwärtig keine Mitschuld. Der Zugang zu den Schließfächern ist dreifach gesichert: Zugang zum Diskretraum über die SparkassenCard, Eingabe der persönlichen Geheimzahl sowie dann im dritten Schritt über einen Schlüssel. Darüber hinaus gibt es diverse technische Sicherheitsmaßnahmen. Zudem ist die Zugangstechnik deutschlandweit nicht unüblich und weit verbreitet.
WOCHENBLATT: Ein weiterer Vorwurf: Bei anderen Banken hat sich jeder Kunde an einem speziellen Empfangsbereich zu legitimieren, bevor ihm Zutritt in den sensiblen Sicherheitsbereich der Schließfächer gewährt wird. Warum war das hier nicht der Fall?
Wiegel: Es bestehen unterschiedliche Sicherheitssysteme bei den Kreditinstituten. Aktuelle Beispiele in Vechta und Frankfurt zeigen, dass derzeit Schließfächer unabhängig vom Sicherungssystem im Fokus der organisierten Kriminalität stehen. Das System in Buchholz nahm eine persönliche Legitimation der Kunden vor. Diese individuellen Zugangsdaten haben sich leider Dritte mit hoher krimineller Energie zugänglich gemacht und massiv missbraucht.
WOCHENBLATT: Sind lange bewährte Schutz- und Sicherheitsvorkehrungen einer im Ergebnis falschen Kundenorientierung geopfert worden?
Wiegel: Nein. Die Sicherheit unserer Kunden ist zentrales Element der Kundenorientierung. Daher stellt sich nicht die Frage des „entweder … oder“. Nur mit hoher krimineller Energie konnten die vorhandenen Sicherungseinrichtungen überwunden werden.
WOCHENBLATT: Medien berichten mittlerweile von einer Beute in Höhe von 3,5 Millionen Euro. Können Sie mittlerweile genaue Angaben zur Schadenshöhe machen?
Wiegel: Die Schadenssumme ist derzeit Gegenstand zahlreicher Spekulationen, vor allem in den Medien. Daran werden wir uns nicht beteiligen. Nach unserem Kenntnisstand sind auch die polizeilichen Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.
WOCHENBLATT: Sind oder werden die Sicherheitsvorkehrungen jetzt angepasst?
Wiegel: Wir haben Sofortmaßnahmen ergriffen, um die Sicherheit unserer Schließfächer weiter zu erhöhen. Dies gilt für alle unsere Standorte.
WOCHENBLATT: Wie geht es mit der Schadensregulierung weiter?
Wiegel: Aktuell sind wir mit unseren Kunden in Gesprächen zur Schadensermittlung und Entgegennahme von Nachweisen. Ziel ist es, den entstandenen Schaden möglichst genau zu erfassen. Diese Gespräche werden voraussichtlich bis Ende August andauern. Anschließend werden wir uns bei den betroffenen Kunden melden und die nächsten Schritte vereinbaren.

Einer der Täter beim Betreten der Bank
Sparkassen-Sprecher Wilfried Wiegel   Foto: SpkHB

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