Heute ist Tag der Organspende
Ein Kreuz kann Leben retten
- Ein gutes Gefühl im Portemonnaie: Der Organspendeausweis im praktischen EC-Kartenformat gibt im entscheidenden Moment Klarheit
- Foto: tml
- hochgeladen von Tina Lüecke
Jedes Jahr am ersten Samstag im Juni rückt Deutschland ein Thema ins Bewusstsein, das viele lieber verdrängen: die Organspende. Dabei könnte eine einzige Entscheidung – rechtzeitig getroffen und dokumentiert – mehreren Menschen das Leben retten.
Unter dem Motto „Zeit, Zeichen zu setzen" werben heute Ärzteschaft, Politik, Selbsthilfe- und Patientenverbände sowie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) bundesweit für eine bewusste Entscheidung zur Organspende. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur das Ja oder Nein zur Spende – sondern vor allem die Forderung: Entscheidet euch, und haltet euren Willen fest.
Denn die Lücke zwischen Bereitschaft und Konsequenz ist erschreckend groß. Rund 85 Prozent der Bevölkerung stehen der Organspende grundsätzlich positiv gegenüber – und dennoch scheitern viele mögliche Spenden daran, dass der Wille der Verstorbenen nicht dokumentiert ist. In mehr als der Hälfte der Fälle müssen Angehörige unter großer emotionaler Belastung entscheiden – häufig ohne zu wissen, was die betroffene Person gewollt hätte.
Im vergangenen Jahr haben in Deutschland 985 Menschen nach ihrem Tod ein Organ gespendet – der höchste Stand seit 2012. Nur 3.150 von ihnen konnten damit geholfen werden. Auf der Warteliste standen rund 8.200 Menschen. 8.200 Menschen, die hoffen. Die warten. Die jeden Tag mit der Ungewissheit leben.
Wer sich bereits zu Lebzeiten mit dem Thema beschäftigt, erspart seinen Angehörigen, im Ernstfall unter großer emotionaler Belastung entscheiden zu müssen. Seit 2024 ist das einfacher denn je: Neben dem klassischen Organspendeausweis können Versicherte ihre Entscheidung auch per Krankenkassen- oder ePA-App in ein zentrales Onlineregister eintragen. Bereits rund 562.000 Menschen haben ihren Willen dort verzeichnet.
Der heutige Tag ist eine Einladung zur Auseinandersetzung – nicht mit dem Tod, sondern mit dem Leben, das man anderen schenken kann.
KOMMENTAR
Das Gespräch, das niemand führen will – aber jeder führen muss
Es gibt ein Dilemma, das Mediziner immer wieder beschreiben und das auf NDR Info kürzlich ein Arzt so eindringlich formulierte: Selbst wenn ein Mensch Organspender sein wollte – wenn es im entscheidenden Moment kein Dokument gibt, stehen Ärzte vor einer fast unlösbaren Aufgabe. Sie müssen Angehörigen erklären, dass es jetzt um Organe geht. Und sie müssen dabei glaubhaft vermitteln, dass es ihnen nicht darum geht. Dass das Leben des Sterbenden im Mittelpunkt stand, bis zum letzten Moment. Dass die Frage nach den Organen nicht Kälte bedeutet, sondern Verantwortung gegenüber anderen, die auf eben diesen Moment warten.
Das ist eine Last, die kein Arzt, keine Ärztin alleine tragen sollte. Und es ist eine Last, die wir ihnen – und unseren Familien – ersparen können. Mit einem einzigen, dokumentierten Satz.
Eine Empfängerin eines Spenderorgans brachte es auf den Punkt: Es ist ein Geschenk des Lebens. Unbezahlbar. Von einem Menschen, den sie nie kennenlernen wird, und dessen Familie in einem der schwersten Momente ihres Lebens Ja gesagt hat – oder dessen eigenes, aufgeschriebenes Ja für sie gesprochen hat. Reden wir darüber. Mit unseren Partnern, unseren Eltern, unseren Kindern. Nicht weil der Tod nah ist – sondern weil das Leben anderer es verdient.
Redakteur:Tina Lüecke aus Buchholz |
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