FDP-Ratsherr fordert Deckelung des Zuschusses ans Veranstaltungszentrum Empore
Geschäftsführer Onne Hennecke: "Das ist eine populistische Irreführung"

Seit zwölf Jahren Geschäftsführer der Empore: Onne Hennecke
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(os/nw). Die Buchholzer FDP-Ratsfraktion hat die Diskussion über die Kunstförderung neu angestoßen. Der städtische Zuschuss für das Veranstaltungszentrum Empore müsse gedeckelt werden, forderte FDP-Ratsherr Wilhelm Pape in der jüngsten Sitzung des Buchholzer Stadtrates. Im Interview mit dem WOCHENBLATT erklärt Onne Hennecke, seit dem 1. Dezember 2007 Geschäftsführer der Empore, was er von dieser Forderung hält.
WOCHENBLATT: Wie reagieren Sie auf die negativen Äußerungen von FDP-Ratsherr Pape in Zusammenhang mit der Genehmigung des Empore-Jahresabschlusses?
Onne Hennecke: Mit großem Erstaunen und auch Ärger. Denn die FDP-Fraktion ist durch ihren Vorsitzenden Arno Reglitzky im Aufsichtsrat prominent vertreten und hat im Sommer 2018 bei der Verabschiedung unseres Etats das von Herrn Pape jetzt nachträglich kritisierte planmäßige Ergebnis mitgetragen. Tatsächlich ist der Zuschussbedarf um 8.000 Euro geringer ausgefallen als ursprünglich geplant. Ich finde es unverständlich, dass Herr Pape nun den Eindruck vermittelt, die FDP hätte von alldem nichts gewusst und dazu nonchalant den Eindruck vermittelt, die Empore würde das Geld mit vollen Händen zum Fenster hinauswerfen.
WOCHENBLATT: Warum ist im vergangenen Jahr der benötigte Zuschuss der Stadt höher ausgefallen?
Hennecke: Ich freue mich, dass Sie Zuschuss sagen und nicht „Verlust“, wie Herr Pape. Die Empore ist als Theater kein gewinnorientiertes Unternehmen und kann es unter den gegebenen Aufgaben auch nicht sein. Überschüsse sind nicht das Ziel, sondern attraktive und kulturell anspruchsvolle Veranstaltungen zu vernünftigen Eintrittspreisen in der Nordheide durchzuführen. Zudem muss die Empore in diesen Jahren dringend in die Ausstattung und das Gebäude investieren und hat es im ersten Schritt mit der Modernisierung des Saales auch bereits getan. Dies hat unser Aufsichtsrat nach langem Anlauf im Sommer 2018 einstimmig beschlossen, also auch mit Zustimmung von FDP-Fraktionschef Arno Reglitzky. Darüber hat Herr Pape natürlich Kenntnis, als Betriebswirt kann er das alles auch nachlesen im Jahresabschluss der Empore und im Bericht des Wirtschaftsprüfers. Demnach werden wir im vergangenen, im laufenden und voraussichtlich auch kommenden Geschäftsjahr etwas mehr Zuschuss benötigen als in den Vorjahren.
WOCHENBLATT: Herr Pape warnt in Zusammenhang mit der Empore davor, dass „die Verluste nicht ins Unermessliche steigen“.
Hennecke: Das ist aus meiner Sicht eine populistische Irreführung der Öffentlichkeit. Dazu passt auch seine ironische Bemerkung im Wochenblatt, bald käme wohl auch noch Helene Fischer nach Buchholz. Damit suggeriert der FDP-Finanzpolitiker, der Zuschuss der Stadt würde in Honorare der Künstler fließen. Auch diese Andeutung ist falsch und hat offenbar das Ziel unsere gute inhaltliche Arbeit zu diskreditieren. Jeder Künstler, sogar Atze Schröder, bietet uns Rahmenbedingungen bei denen wir Veranstaltungsüberschüsse erzielen. Ohne diese realistische Perspektive schließe ich grundsätzlich keine Verträge, weshalb ein Auftritt von Helene Fischer ein Wunschtraum von Herrn Pape bleiben wird.
WOCHENBLATT: Der Erfolg der Empore beim Publikum hält seit Jahren an. Knapp 80.000 Besucher im letzten Jahr und 2.249 Abonnenten in dieser Saison sind neue Allzeit-Bestmarken. Wie schlägt sich das wirtschaftlich nieder?
Hennecke: Durch deutlich höhere Überschüsse in den Veranstaltungen. Diese waren mit rund 496.000 Euro im letzten Geschäftsjahr so hoch wie nie zuvor und lagen sogar um 74.000 Euro besser als geplant. Diese betriebswirtschaftlichen Erfolge aufgrund der hohen Besucherzahlen ignorieren Haushaltspolitiker gerne. Leider reicht das Plus aber nicht aus, um höhere Gebäudeinvestitionen, Reparaturen, Instandhaltung und auch eine höhere Pacht an die Stadt Buchholz komplett auszugleichen.
WOCHENBLATT: Wäre es dann sinnvoll, den Etat der Empore zu deckeln, wie von Herrn Pape vorgeschlagen?
Hennecke: Wäre dies 1991 geschehen, wäre ich heute sehr glücklich. Damals wollten CDU und FDP als maßgebliche Initiatoren der Empore jährlich einen Zuschuss von einer Million D-Mark zum Betrieb des Hauses geben. Sehr gerne hätten wir den Zuschuss unter üblicher Berücksichtigung der Inflation auf diesen Betrag „gedeckelt“, wie Herr Pape jetzt fordert. Bei rund 45 Prozent Inflation in den vergangenen 29 Jahren wäre diese Summe auf gut 742.000 Euro gestiegen. Tatsächlich benötigt die Empore heute - trotz der hohen altersbedingten Kosten des Gebäudes und zugleich mehr Veranstaltungen - mit zuletzt 663.870 Euro also deutlich weniger Zuschuss als 1991 angedacht. Den Deckel haben wir uns selbst gezogen und sind seit 29 Jahren deutlich darunter. Dies wäre eine faire Betrachtung der Dinge.
WOCHENBLATT: Die Finanzen der Stadt Buchholz sind durch Kosten der Bildung im Kita-Bereich oder Infrastrukturausgaben in Neubaugebiete, Straßen oder Tunnel auf viele Jahre stark gefordert. Was sollte getan werden, um die Empore als Unternehmen der Stadt auch in Zukunft finanziell zu sichern?
Hennecke: Mir ist vor der Zukunft nicht bange, solange die Menschen aus Buchholz und drumherum jeden Tag mit den Füßen darüber abstimmen, wie wichtig Ihnen die Empore Buchholz ist. Als GmbH ist es schwer zusätzliche Gelder z.B. von Stiftungen zu erhalten, weshalb sich jetzt ein gemeinnütziger Kulturförderkreis der Empore gegründet hat. Dass der nur wenige Kilometer entfernte Bossard-Kunsttempel mit mehr als 10 Millionen Steuergeldern komplett neu erfunden werden soll, hat mich in dem Zusammenhang mehr als überrascht. In Hamburg werden bevorzugt Bühnen wie Kampnagel, Markthalle und Theaterschiff saniert. Im Wald bei Jesteburg wird dagegen eine Kunsthalle mit Parkplatz für 350 Fahrzeuge neu errichtet. So schön diese Vorstellung für den einen oder anderen vielleicht sein mag: Wir wären schon sehr froh, wenn wir nur einen Bruchteil der in der Presse genannten Investitionen und möglichen Folgekosten für unsere anerkannte Kulturarbeit in der Region zur Verfügung hätten.
WOCHENBLATT: Herr Hennecke, vielen Dank für das Gespräch. Schreiben Sie uns Ihre Meinung (os). Was halten Sie, liebe Leserinnen und Leser, von der Diskussion um die Kunstförderung? Ist die Forderung der FDP nach einer Deckelung gerechtfertigt? Oder hat Empore-Geschäftsführer Onne Hennecke Recht, dass gute Kulturarbeit vernünftig bezuschusst werden sollte? Schreiben Sie uns Ihre Meinung per E-Mail unter oliver.sander@kreiszeitung.net oder per Postkarte an den WOCHENBLATT-Verlag, Bendestorfer Str. 3-5, 21244 Buchholz, Stichwort "Empore".

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