Vor dem Auftritt in der Buchholzer Empore
Sängerin Gitte Haenning im WOCHENBLATT-Interview

Gitte Haenning schrieb mit Hits wie "Ich will 'nen Cowboy als Mann", "Ich bin stark" und "Ich will alles" deutsche Musikgeschichte | Foto: Frank Wartenberg
  • Gitte Haenning schrieb mit Hits wie "Ich will 'nen Cowboy als Mann", "Ich bin stark" und "Ich will alles" deutsche Musikgeschichte
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"Ich bin stark - 80 Jahre Gitte" heißt das Programm, mit dem die beliebte Sängerin Gitte Haenning derzeit mit ihrer Band auf Tour ist und am Donnerstag, 15. Oktober, um 20 Uhr in der Buchholzer Empore (Breite Straße 10) zu erleben ist. Mit WOCHENBLATT-Redakteur Christoph Ehlermann sprach die auch als Schauspielerin bekannte Ausnahme-Künstlerin, die 1963 mit "Ich will 'nen Cowboy als Mann" ihren ersten Hit hatte, über ihre Karriere, die Vorzüge des Theaterspielens und darüber, warum Kultur heute politisch sein muss. 

WOCHENBLATT: Frau Haenning, worauf darf sich das Publikum bei Ihrer „Ich bin stark“-Show in Buchholz freuen?
Gitte Haenning:  Ich habe versprochen, dass ich auf dieser Tour viele meiner Hits für meine Fans spiele. Ich habe ein Publikum, das mir über all die Jahre bei meinem künstlerischen Schaffen treu geblieben ist. Das finde ich wunderbar. Bei diesem Programm werde ich von hervorragenden Musikern Christian Lohr (Piano, Keyboards), Andreas Lang (Bass) und Joe Kuttler (Gitarre) begleitet. Mit ihnen bringe ich meine Lieder in einer neuen, moderneren „Verpackung“ auf die Bühne. Das kommt gut an, bei „Ich will ‘nen Cowboy als Mann“ flippen die Leute regelrecht vor Begeisterung aus.

WOCHENBLATT: Sie standen bereits als Achtjährige mit Ihrem Vater Otto in Ihrer Heimat Dänemark gemeinsam auf der Bühne. Was hat Sie in so jungen Jahren für die Musik begeistert?
Gitte Haenning: Mein Vater war ein hervorragender Chansonnier, der aber nur schwer das Geld verdienen konnte, um eine Familie zu ernähren. Dann kam ein Produzent auf die Idee, dass mein Vater und ich den deutschen Erfolgsschlager „Ich heirate Papi“ in dänischer Sprache aufnahmen. Das Lied „Giftes med farmand“ wurde bei uns ein großer Erfolg und war mein Einstieg zuerst in die dänische und dann auch in die deutsche Musik- und Showbranche.

WOCHENBLATT: Was gibt Ihnen die Musik?
Gitte Haenning: Musik ist eine fantastische Kunstart, um mit Texten etwas zu vermitteln. Ich habe mich bei meinen deutschen Liedern immer um besondere Texte bemüht, um die Inhalte zu vermitteln.

WOCHENBLATT: Sie sind nicht nur als Sängerin erfolgreich, sondern auch als Schauspielerin im Theater. Was macht für Sie den Reiz des Theaters aus?
Gitte Haenning: „All The World’s A Stage – die ganze Welt ist eine Bühne“ heißt es bei William Shakespeare. Es ist wichtig, dass es das Theater gibt, wo man das Leben darstellen kann. Theater zu spielen ist eine sehr große Ehre, denn man kann durch entsprechende künstlerische Gestaltung den Menschen etwas vermitteln, was sie inspiriert und klüger macht.

WOCHENBLATT: Was halten Sie von Casting-Shows?
Gitte Haenning: Ich schaue mir diese Shows selten an. Ich hatte das Angebot, an „Sing meinen Song“ mit Johannes Oerding als Gastgeber teilzunehmen. Es ist ein tolles Pop-Musik-Format, bei dem ich aber abgesagt habe, weil ich mir Liedtexte anderer Künstler nur sehr schwer merken kann.

WOCHENBLATT: Haben Sie Lieblingslieder aus Ihrem riesigen Repertoire?
Gitte Haenning: Eigentlich kann und will ich keines meiner Lieder besonders hervorheben. „Ich will alles“, „Ich bin stark“ oder auch „Wenn ich dich liebe“ sind aus meiner Sicht alle großartig – zusammen mit vielen anderen sehr guten Liedern. Ich würde sie daher nicht Lieblingslieder nennen.

WOCHENBLATT: Sie gehörten 1985 zur „Band für Afrika“, einem Gemeinschaftsprojekt deutscher Künstler, die mit „Nackt im Wind“ die Hungersnot anprangerten und damit anlässlich des Live-Aid-Konzertes auch live auftraten. Die Band Alphaville, die damals mit dabei war, wurde kürzlich beim „Glücksgefühle“-Festival vom Veranstalter ausgeladen aus Angst vor politischen Aussagen auf der Bühne. Wie politisch darf/muss Musik bzw. Kultur aus Ihrer Sicht sein?
Gitte Haenning: Musik und Kultur müssen politisch sein – gerade in unserer derzeit sehr schwierigen Zeit, wo es ganz gefährlich für Deutschland ist, dass so viele Menschen die AfD wählen. Das heißt nicht, dass ich alles gutheiße, was die CDU gemacht hat. Dort hat man die Infrastruktur und vieles andere lange Zeit schleifen lassen und so die Bürger gegen sich aufgebracht. Das hat die AfD für ihre Zwecke ausgenutzt. Ich würde nie im Leben die AfD wählen.

WOCHENBLATT: Ein Hit von Ihnen und ein Dokumentarfilm über Sie tragen den Titel „Ich will alles“. Welche Wünsche haben Sie für die Zukunft?
Gitte Haenning: Ich bin dankbar, dass meine Hits wie „Ich bin stark“ „Ich will alles“ oder „Freu dich bloß nicht zu früh“ vom Publikum begeistert aufgenommen wurden und eine große Wirkung gezeigt haben. Wenn meine Lieder die Menschen gestärkt haben, dann wünsche ich mir vehement, dass sie jetzt an dieser Stärke festhalten, denn Deutschland muss stark sein. Ich möchte als Sängerin den Deutschen Mut machen, die Individualität und die Liebe in sich zu spüren. Das ist mein Ziel und Motor.

WOCHENBLATT: Woher nehmen Sie mit 80 Jahren die Kraft für Ihre Auftritte?
Gitte Haenning: Mir geht es mental gut, und für meine Gesundheit nehme ich die besten Vitaminressourcen, die es gibt. Beides macht mich fit für die Arbeit!
WOCHENBLATT: Frau Haenning, vielen Dank für das Gespräch.

- Karten für das "Ich bin stark"-Konzertabend mit Gitte Haenning in der Buchholzer Empore gibt es unter Tel. 04181 - 287878 und unter www.EMPORE-Buchholz.de.

Redakteur:

Christoph Ehlermann aus Salzhausen

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