Jugendliche fordern mehr Tierschutz
Naturpark-Schulen beim Bundestreffen der Regionalbewegung
- Schülerinnen der Naturpark-Schule Oberschule Hanstedt sammeln Kräuter für ein Kräutersalz beim Hof an den Teichen in Lüneburg-Rettmer
- Foto: Naturpark Lüneburger Heide
- hochgeladen von Christoph Ehlermann
Mit dem Thema "Regionale Produkte und Lieferketten" befassten sich jetzt Naturpark-Schulen auch aus dem Landkreis Harburg beim Bundestreffen der Regionalbewegung im Camp Reinsehlen bei Schneverdingen. Als lokaler Kooperationspartner mit dabei war der Naturpark Lüneburger Heide. Er hatte das Treffen mit einer erfolgreichen Bewerbung als Austragungsort in die Lüneburger Heide geholt.
Der seit 2005 bestehende Bundesverband der Regionalbewegung versteht sich als Dachverband, Interessenvertretung und Kompetenznetzwerk für die vielfältigen Akteure, die zu einer nachhaltigen Regionalentwicklung und auch wirtschaftlichen Stärkung ländlicher Räume beitragen
„Was wir nicht wollten, war ein isolierter Kongress in einem Seminarhotel. Wir wollten, dass die Naturparkregion etwas von den Gästen aus ganz Deutschland und von der Politprominenz aus Niedersachsen hat“, erklärt Koordinatorin Petra Reinken. Der flankierende „Kinder- und Jugendkongress“ war ein Novum in der Geschichte des Bundestreffens und ließ die Teilnehmer vor den Erwachsenen zu Wort kommen.
Der Nachwuchs-Kongress bestand aus drei Aktionsvormittagen von drei Naturpark-Schulklassen. Sie sollten aus dem Aktionstag heraus Wünsche und Forderungen an die Gäste des Erwachsenenkongresses formulieren, wie man die regionalen Versorgungsstrukturen stärken kann. „Das haben sie hervorragend gemacht“, so Petra Reinken. "Der Bundesverband hat zugesagt, diese Forderungen zum Kongressbericht auf seine Webseite zu stellen, damit jeder sehen kann, was die junge Generation sich von den Erwachsenen wünscht, die das Sagen haben.“
Die Grundschule Sprötze-Trelde war mit einer 1. Klasse bei der Bio-Gärtnerei und -Baumschule von Elling in Asendorf. Der Betrieb ist auch Naturpark-Partner, weil er nachhaltig wirtschaftet. Detlef von Elling hält Hühner, die die Baumreihen freihalten. Das Geheimnis: Das Hühnerfutter wird dicht an die Baumstämme gestreut, und dort kratzen die Tiere den Bewuchs bei der Futtersuche weg, sodass die Bäume ausreichend Platz zum Wachsen haben. Als die Kinder sahen, was der Betrieb alles im eigenen Hofladen verkauft, war die Forderung an die Erwachsenen klar: "Kauft mehr vor Ort, dann muss man weniger Waren transportieren, und es entstehen weniger Abgase!"
Eine 5. Klasse der IGS Buchholz war auf dem Weidenhof in Schneverdingen-Lünzen zu Gast, der solidarische Landwirtschaft betreibt und eine Schafherde hält. Die Kinder hatten sich schon vorher in der Schule mit „Fast Fashion“ beschäftigt, nämlich mit dem Trend, Kleidung nur kurz zu tragen und dann wegzuwerfen. Als Gegenpol passte das Thema Wolle als nachhaltiger Rohstoff für Kleidung perfekt. Bei der Präsentation auf dem Erwachsenenkongress zeigten die Buchholzer mit einem Video, welche negativen Auswirkungen "Fast Fashion" auf Natur und Gesundheit hat. Jeder Schüler stellte unter dem Leitsatz „Wir wollen von den Erwachsenen, dass wir Kinder eine lebenswerte Zukunft haben“ seinen eigenen Wunsch vor.
Eine 9. Klasse der Oberschule Hanstedt lernte auf dem Hof an den Teichen in Lüneburg-Rettmer die Verarbeitungsschritte verschiedener Produkte kennen und stellte diese auf dem Erwachsenenkongress vor. Insbesondere ging es um Fleisch von der alten Nutztierrasse Bunte Bentheimer Schweine und um Kräuter, die im Hofladen und in der Region verkauft werden. Das Kräutersalz konnten sie sogar selbst herstellen. Die Tiere beeindruckten die Kinder so sehr, dass die zentrale Forderung nach mehr Tierschutz bei der Fleischproduktion vor den Erwachsenenkongress gebracht und dort mit anhaltendem Beifall unterstützt wurde.
„Wir haben viele positive Rückmeldungen von den Schulen erhalten“, berichtet Annika Drews-Shambroom, beim Naturpark Lüneburger Heide für die Bildungsarbeit zuständig. Dass die Kinder den Erwachsenen ihre Forderungen vortragen konnten, habe viele begeistert, sei es doch eine große Wertschätzung gewesen.
Redakteur:Christoph Ehlermann aus Salzhausen |
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