Anlässlich des Rücktritts von Bärbel Bas
Politikerinnen fordern mehr Respekt für Frauen
- Birgit Eckhoff (v. li.), Jessica Nottorf, Hannelore Buls, Christine Glawe, Katharina Moll, Britta Weimann, Timea Baars und Anna Ulrich
- Foto: SPD-Frauen Landkreis Harburg
- hochgeladen von Heidi Goch-Lange
Die SPD-Frauen im Landkreis Harburg kritisieren den zunehmend rauen Ton in der Politik und die wachsende Zahl persönlicher Angriffe auf Politikerinnen. Vorsitzende Birgit Eckhoff sieht darin eine Gefahr für die Demokratie. Der öffentliche Umgang mit der zurückgetretenen Bundesministerin Bärbel Bas zeige exemplarisch, wie unterschiedlich Frauen und Männer bewertet würden. Während Frauen für persönliche Entscheidungen scharf angegriffen und öffentlich diffamiert würden, blieben vergleichbare Fälle bei Männern häufig unbeachtet.
Auch auf kommunaler Ebene seien Anfeindungen und Herabwürdigungen gegenüber Frauen keine Seltenheit. Viele Betroffene sprächen jedoch kaum über ihre Erfahrungen, aus Sorge vor weiteren verbalen Angriffen oder Ausgrenzung. Zudem würden solche Vorfälle häufig als Einzelfälle abgetan. Dabei zeigten sich überholte Rollenbilder oft schon im politischen Alltag. So werde etwa die Besetzung von Ausschüssen für Jugend, Soziales und Senioren mit weiblichen Ratsmitgliedern mitunter als selbstverständlich angesehen, weil diese Themen angeblich Frauensache seien.
Rossella Leonforte, ehemals Ratsmitglied der Gemeinde Hanstedt für die UNS, hat solche Erfahrungen selbst gemacht: „Wenn ich geredet habe, wurden die Herren ungeduldig. Ich wurde sogar angeschrien von einem anderen Fraktionsvorsitzenden, dass ich keinen Roman vorzutragen hätte.“
Veraltete Rollenbilder und männlich dominierte Strukturen erschwerten Frauen nach wie vor den Zugang zu politischen Entscheidungspositionen. Die SPD-Frauen fordern deshalb eine respektvolle Debattenkultur, die unterschiedliche Meinungen zulässt, ohne Menschen persönlich anzugreifen. „Politik lebt vom harten Streit in der Sache, aber nicht vom persönlichen Herabsetzen“, betont Eckhoff. Es brauche mehr Respekt, Anstand und vor allem echte Unterstützung für Frauen, die politische Verantwortung übernehmen.
Kommentar
Was hätten wir eigentlich zu verlieren?
Frauen leisten in Deutschland nicht nur 43,4 Prozent mehr unbezahlte Arbeit als Männer. Beruf, Familie und politisches Engagement zu vereinbaren, wird damit oft zum Kraftakt. Auch männlich dominierte Strukturen machen den Weg zu Macht und Einfluss beschwerlich, wie auch die Wirtschaft zeigt. Anfang 2026 waren nur 25,3 Prozent der Vorstandsmitglieder in den DAX-40-Unternehmen Frauen. Das mag vielschichtige Gründe haben, aber sicherlich auch den, dass viele Frauen sich einem männlich dominierten Umfeld gar nicht erst aussetzen mögen.
Auch in den Kommunalparlamenten und im Bundestag mit leider sinkendem Frauenanteil stellt sich die Frage, wer politische Macht ausübt und wie miteinander umgegangen wird. Die erstarkte AfD und ihr häufig konfrontativer Stil verschärfen die Debatten. Dass die Partei mehr Männer als Frauen anspricht, sollte Anlass genug sein, auch über politische Rollenbilder und männlich geprägte Machtstrukturen zu sprechen. Was hätten wir eigentlich zu verlieren mit Parität vom Gemeinderat bis hin zum Bundestag? Nicht als Selbstzweck, sondern um Strukturen aufzubrechen und unterschiedliche Perspektiven gleichberechtigt in Entscheidungen einfließen zu lassen. Mehr echte Demokratie zu wagen, wäre ein Gewinn für alle.
Heidi Goch-Lange
Redakteur:Heidi Goch-Lange aus Buchholz |
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