Stichwahl in Buchholz
Frischer Wind geht auch mit Erfahrung
- hochgeladen von Stefanie Hansen
WOCHENBLATT: Herr Hirsch, eine lange und intensive Wahlkampfzeit geht zu Ende. Am Sonntag entscheidet sich in der Stichwahl, wer künftig Bürgermeister von Buchholz sein wird. Was nehmen Sie persönlich aus den vergangenen Monaten mit?
Dirk Hirsch: Wahlkampf bedeutet natürlich vor allem, mit vielen unterschiedlichen Menschen in unterschiedlichsten Formaten in Begegnung zu kommen. Das hat mich wirklich bereichert, und aus jeder Begegnung und jedem Gespräch nimmt man etwas anderes mit. Mal wurden Ärgernisse sehr klar formuliert, ein anderes Mal wurden konkrete Wünsche vorgetragen, und oft habe ich auch viel Unterstützung für mich und meine Themen erfahren. Das hat motiviert, und ich nehme einen vollen Rucksack mit Bürgeranliegen mit, deren Umsetzung mein klares Ziel ist.
Und ich habe noch einmal erlebt, dass Wahlkampf Teamsport ist. Was in den vergangenen Monaten von so vielen Menschen ehrenamtlich geleistet wurde, hat mich wirklich beeindruckt. Dafür bin ich sehr dankbar. Mein Dank gilt insbesondere auch meiner Familie, die den Wahlkampf nicht nur mitgetragen, sondern mich stets unterstützt hat.
WOCHENBLATT: Was möchten Sie den Buchholzerinnen und Buchholzern wenige Tage vor der Stichwahl noch mit auf den Weg geben?
Hirsch: Gehen Sie wählen. Am Sonntag geht es um eine wichtige Entscheidung für unsere Stadt und die kommenden Jahre. Mit Ihrer Stimme bestimmen Sie mit, welchen Weg Buchholz künftig einschlägt.
Natürlich hoffe ich auf das Vertrauen der Menschen. Aber unabhängig davon, wem jemand seine Stimme gibt: Nutzen Sie diese Möglichkeit. Demokratie lebt davon, dass wir uns einmischen und mitentscheiden.
WOCHENBLATT: Was bekommt Buchholz, wenn Dirk Hirsch Bürgermeister wird?
Hirsch: Einen Bürgermeister, der die Stadt gut kennt und kurze Wege zu den Menschen hat, die diese Stadt mitgestalten. Ich weiß um unsere Stärken, aber auch um unsere Herausforderungen. Ich muss mich nicht einarbeiten und kann mit einem veränderten Führungsteam sofort loslegen.
Solide Finanzen sind dabei für mich die Grundlage. Wir können über viele gute Ideen reden – am Ende müssen wir sie auch bezahlen können. Das gilt für Schulen und Kitas genauso wie für Straßen, Wohnungsbau oder unsere Innenstadt. Bezüglich der östlichen Umfahrung habe ich eine klare Position: Ich will sie. Buchholz ist gewachsen, die Verkehrsinfrastruktur aber nicht in demselben Maße. Die östliche Umfahrung ist nicht nur eine Verkehrsfrage, sondern entscheidet mit darüber, wo wir künftig Wohnungen und Gewerbe entwickeln können und welche Möglichkeiten wir für unsere Innenstadt bekommen. Diese Position habe ich im Wahlkampf klar vertreten, und daran wird sich nach der Wahl nichts ändern.
WOCHENBLATT: Gibt es neben der östlichen Umfahrung denn überhaupt noch Platz für andere Themen?
Hirsch: Ja, eine ganze Menge. Der Erhalt und die Weiterentwicklung unseres Krankenhauses und die deutliche Verbesserung der Fachärzteversorgung liegen mir sehr am Herzen. Wir müssen zudem beim ÖPNV besser werden und mehr wohnortnahe Arbeitsplätze schaffen. Wenn Menschen in Buchholz nicht nur wohnen, sondern auch arbeiten können, entlastet das die Pendlerverkehre und stärkt gleichzeitig unsere Stadt, auch unsere Innenstadt.
Und wir brauchen mehr Wohnraum. Dabei geht es ausdrücklich nicht nur um Mietwohnungen. Buchholz braucht einen guten Mix: bezahlbare Mietwohnungen, Reihenhäuser und Eigentum. Auch eine junge Familie, die sich den Wunsch vom eigenen Haus erfüllen möchte, soll dafür in Buchholz eine Chance haben.
WOCHENBLATT: Viele Kandidaten sagen vor einer Wahl, was sie irgendwann erreichen wollen. Was würden Sie denn ganz konkret in Ihren ersten 100 Tagen als Bürgermeister anpacken?
Hirsch: Ich habe im Wahlkampf bewusst Themen benannt, bei denen ich nicht erst jahrelang Konzepte diskutieren möchte. Deshalb würde ich in den ersten 100 Tagen drei Dinge unmittelbar angehen.
Erstens möchte ich das Innenstadtmanagement auf den Weg bringen. Dazu gehören für mich ganz praktische Dinge wie Sauberkeit und Sicherheit, aber auch ein aktives Leerstandsmanagement. Die Innenstadt ist unser gemeinsames Wohnzimmer. Wenn dort etwas nicht funktioniert, müssen Stadt, Eigentümer, Handel und Gastronomie gemeinsam an einen Tisch.
Zweitens möchte ich gemeinsam mit dem Buchholz Bad und den Vereinen die Kapazitäten für die Schwimmausbildung von Kindern und Jugendlichen erweitern. Wir wissen, dass zu viele Kinder nicht oder nicht sicher schwimmen können. Darüber müssen wir nicht lange reden, sondern zusätzliche Angebote schaffen. Das möchte ich zu einer echten Schwimmausbildungsoffensive für Buchholz machen.
Und drittens werde ich mich um das Rathaus selbst kümmern. Wenn ich Bürgermeister werde, muss meine heutige Funktion als Erster Stadtrat neu besetzt werden. Das ist für mich die Gelegenheit, nicht einfach nur eine Stelle nachzubesetzen, sondern die Verwaltungsstruktur insgesamt anzuschauen und gleichzeitig bessere Entscheidungsstrukturen zu schaffen. Mut zu einer Fehlerkultur ist mir dabei ebenfalls sehr wichtig. Zudem braucht es schnelle Unterstützung, wenn etwas nicht gut läuft. Ich möchte eine Arbeitskultur etablieren und festigen, in der sich Mitarbeitende unterstützt und wertgeschätzt fühlen.
WOCHENBLATT: Das klingt nach einem ziemlich vollen Programm für 100 Tage.
Hirsch: Das wird es auch. Aber ich trete nicht an, um mich erst einmal ein halbes Jahr einzuarbeiten. Ich kenne die Stadt, ich kenne das Rathaus und ich kenne viele der Aufgaben, die vor uns liegen. Natürlich wird kein Bürgermeister in 100 Tagen alle Probleme lösen. Das wäre ein unseriöses Versprechen.
Aber nach 100 Tagen soll erkennbar sein, wohin die Reise geht. Die ersten Dinge sollen angestoßen sein, Verantwortlichkeiten sollen feststehen, und bei einigen Themen möchte ich schon konkrete Ergebnisse sehen. Mein Anspruch ist: zuhören, entscheiden und dann zügig umsetzen.
WOCHENBLATT: Und Ihr letzter Satz vor Sonntag?
Hirsch: Ich würde mich sehr freuen, wenn mir die Buchholzerinnen und Buchholzer am Sonntag ihr Vertrauen schenken. Ich möchte Bürgermeister dieser Stadt sein – nicht nur für diejenigen, die mich gewählt haben, sondern für alle. Und ich habe richtig Lust darauf, gemeinsam mit den Menschen hier die nächsten Jahre anzupacken.
Redakteur:Stefanie Hansen aus Buchholz |
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