Krankenhaus Salzhausen - "kein Spielball von Profit-Interessen"

Interviewtermin in der Cafeteria des Krankenhauses Salzhausen (v.li.): Dr. Heiner Austrup (Krankenhaus Winsen), Landrat Rainer Rempe, Krankenhausgeschäftsführer Norbert Böttcher, Hermann-Gregor Haunerland (Krankenhaus Salzhausen) und die WOCHENBLATT-Redakteure Reinhard Schrader und Christoph Ehlermann | Foto: nf
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WOCHENBLATT-Chefredakteur Reinhard Schrader und Redakteur Christoph Ehlermann vor Ort im Krankenhaus Salzhausen.

WOCHENBLATT: Warum ist die Übernahme des Krankenhauses Salzhausen durch den Landkreis Harburg überhaupt nötig? Von Seiten der Grünen und der örtlichen FDP gibt es Kritik am Engagement des Kreises.
Rainer Rempe: Der Landkreis hat den gesetzlichen Auftrag, die Krankenhausversorgung sicherzustellen. Deshalb wollen und werden wir die Verantwortung für den Gesundheitsstandort Salzhausen übernehmen. Wobei gesagt werden muss, dass der Landkreis in keiner Weise an der Schieflage des Krankenhauses Salzhausen beteiligt ist. Wir haben im Gegenteil alles getan, um stützend tätig zu werden.

WB: Warum bleibt Salzhausen nicht Krankenhausstandort?
Norbert Böttcher: Das Land hat deutlich gemacht, dass das Krankenhaus Salzhausen nicht mehr als stationäre Einrichtung benötigt wird. Eine Berücksichtigung im Krankenhausplan des Landes ist aber die Voraussetzung dafür, dass ein Krankenhaus seine Leistungen mit den Krankenkassen abrechnen kann. Ohne Krankenkassen ist die wirtschaftliche Sicherung eines Krankenhauses unmöglich.

WB: Ist das der Grund, warum sich die Curagita AG aus Heidelberg als potentielle Betreiberin des Krankenhauses Salzhausen zurückgezogen hat?
Böttcher: Das müssen Sie die Beteiligten schon selbst fragen.

WB: Warum lässt der Landkreis - wie die Grünen es fordern - die Sache nicht einfach laufen?
Rempe: Mit Krankenhäusern spielt man nicht. Wir dürfen den Krankenhaustandort Salzhausen nicht zum Spielball von Profitinteressen werden lassen. Das halten weder die Mitarbeiter noch die Patienten noch die Bevölkerung im Landkreis aus. Wir haben deshalb mit dem Land ein abgestimmtes Umwandlungskonzept erarbeitet.

WB: Was ist konkret geplant?
Böttcher: Das Konzept sieht die stufenweise Umwandlung in ein ambulantes Gesundheitszentrum vor. Das wird mit der Inneren Abteilung beginnen. Im Jahr 2016 geht die Chirurgie nach Winsen, 2017 die Urologie nach Buchholz. Bis dahin werden unsere gesamten Anstrengungen darin liegen, dass jede Leistung, die im Krankenhaus Salzhausen erbracht wird, dem gleichen Qualitätsstandard entspricht wie in Buchholz und Winsen.

WB: Was kostet die Umwandlung?
Rempe: Wir rechnen für drei Jahre mit jährlichen Kosten von 800.000 Euro, dazu mit 1,5 Millionen Euro im Rahmen des Ablösungsprozesses, den der Landkreis mitfinanziert. Insgesamt rechnen wir mit Umwandlungskosten zwischen 4,5 und 5 Millionen Euro.

WB: Welche medizinischen Leistungen gibt es aktuell im Krankenhaus Salzhausen?
Dr. Heiner Austrup: Es gibt eine voll ausgestattete Urologie, die in den kommenden drei Jahren weiter ausgebaut und gestärkt wird. Außerdem haben wir die internistische Versorgung auf vollem Niveau bis zum Jahresende. Weiterhin steht ein Chirurg mit Assistentin bis mindestens 2016 zur Verfügung.

WB: Reicht das nach der Insolvenz des Krankenhauses aus?
Austrup: Ich denke, ja. Denn das Krankenhaus Winsen steht mit seiner Manpower ständig im Hintergrund bereit. Die Abteilungsleiter persönlich kommen hierher, um die medizinische Versorgung sicherzustellen. Als ärztlicher Direktor des Krankenhauses Winsen stehe ich mit meinem Namen dafür ein, dass sich die medizinische Versorgungsqualität weiterentwickeln wird.
Hermann-Gregor Haunerland: Nicht zu vergessen ist die 24-Stunden-medizinische-Primärversorgung von Notfällen, die wir die gesamte Zeit aufrechterhalten haben und weiterhin aufrecht erhalten werden.

WB: Was wird aus den zwei hochmodernen zwei OP-Sälen?
Böttcher: Die sind Dreh- und Angelpunkt der künftigen Nutzung. Das ambulante Operieren in den bestehenden OP-Räumen ist wichtiger Teil unseres Konzeptes.

WB: Wer wird Träger des ambulanten Versorgungszentrums?
Rempe: Wir favoritisieren eine gemeinnützige GmbH. Zur Trägerschaft sind noch rechtliche und steuerliche Details zu klären.

WB:Welche Akteure werden in einem ambulanten Versorgungszentrum später tätig sein?
Böttcher: Wir sprechen mit möglichst vielen Leistungsanbietern im Gesundheitswesen. Alle unsere Kooperationspartner sind dabei eingespannt. Dazu gehört auch die Bürgerstiftung Hospiz.

WB: Wie nehmen die Krankenhaus-Mitarbeiter die Entscheidung auf?
Haunerland: Unsere 120 Mitarbeiter haben auf Lohn verzichtet und sind geblieben, trotz besserer Angebote von außerhalb. Das Krankenhaus Salzhausen besteht doppelt so lange wie das Krankenhaus Buchholz und dreimal so lange wie das Krankenhaus Winsen. Diejenigen, die hier arbeiten, sind Lokalpatrioten. Wir haben Verständnis dafür, dass für viele der Ablösungsprozess schmerzlich ist.
Rempe: Wir garantieren Sicherheit und Perspektiven für den Gesundheitsstandort Salzhausen. Wir haben mit unseren kreiseigenen Krankenhäusern allen Mitarbeitern eine Anschluss-Beschäftigungsgarantie gegeben, so dass ihre berufliche Perspektive gesichert ist.

WB: Was wird aus dem Gebäude, das ja zum Teil denkmalgeschützt ist?
Böttcher: Denkmalgeschützt ist ein kleiner Teil der Krankenhaus-Fassade. Und die werden wir erhalten. Wir werden aber mit Nachnutzern über Umbauten in der vorhandenen Gebäudesubstanz, vor allem im Bettenhaus, sprechen.

WB: Das Land trifft die letzte Entscheidung über das geplante ambulante Versorgungszentrum. Kann es noch einen Strich durch die Rechnung machen?
Rempe: Unser Vorgehen ist mit dem Land abgestimmt. Wir zeigen modellhaft, wie wir ein nach Einschätzung des Landes und der Kostenträger nicht bedarfsnotwendiges Krankenhaus umwandeln und gleichzeitig die Versorgung der Bevölkerung aufrechterhalten.

WOCHENBLATT: Meine Herren, danke für das Gespräch.

Interviewtermin in der Cafeteria des Krankenhauses Salzhausen (v.li.): Dr. Heiner Austrup (Krankenhaus Winsen), Landrat Rainer Rempe, Krankenhausgeschäftsführer Norbert Böttcher, Hermann-Gregor Haunerland (Krankenhaus Salzhausen) und die WOCHENBLATT-Redakteure Reinhard Schrader und Christoph Ehlermann | Foto: nf
Wollen die Zukunft des Gesundheitsstandortes Salzhausen sichern (v. li.): Hermann-Gregor Haunerland, Norbert Böttcher,  Rainer Rempe und Dr. Heiner Austrup | Foto: nf
Redakteur:

Reinhard Schrader aus Buchholz

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