Vortrags- und Diskussionsabend in Buchholz
So geht nachhaltige Stadtentwicklung

Neues Denken in Buxtehude: Der Kindergarten in Hedendorf soll nachhaltig errichtet werden
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Um den ökologischen Fußabdruck zu verringern, der in Deutschland derzeit bei elf Tonnen Kohlendioxid pro Person und Jahr liegt, und damit einen Beitrag auf dem Weg zur Klimaneutralität zu leisten, ist eine erhebliche Kraftanstrengung notwendig. "Wir müssten auf zwei Tonnen runter", betonte Stephan Anders von der "Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen" (DGNB) beim Vortragsabend "Wie kann eine nachhaltige Stadtentwicklung erreicht werden?" in Buchholz. Etwa 70 Gäste verfolgten am Mittwochabend die Diskussion im Veranstaltungszentrum Empore. Eingeladen hatten die Stadt Buchholz und das Klimaforum.

"Nachhaltigkeit muss das neue Normal werden", forderte Anders in seinem Impulsvortrag. Ein großer Beitrag zur dringend notwendigen Reduzierung der CO₂-Emissionen müsse über die Gebäudewirtschaft erfolgen, verdeutlichte er. Dazu gehöre die Verdichtung von Wohnquartieren statt Ausweisung weiterer Neubaugebiete für Einfamilienhäuser genauso wie die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden oder der nachhaltige Wohnungsbau etwa in Holzbauweise. Erhebliches Potenzial liege in der Aufstockung bestehender Gebäude, betonte Anders. Damit könne man einen wichtigen Beitrag zum flächenschonenden Bauen leisten. Derzeit würden deutschlandweit 56 Hektar pro Tag für Neubauten verbraucht. Das sei erheblich zu viel. Auch die Zielmarke von 30 Hektar pro Tag für das Jahr 2030 sei eine zu große Versiegelung. Anders plädierte stattdessen dafür, bei Neubauten neu zu denken und z.B. kleinere Grundrisse umzusetzen. "Man kann die Individualräume in Mehrfamilienhäusern reduzieren und dafür größere Gemeinschaftsflächen schaffen", schlug er vor.

Anders verwies auf die dänische Hauptstadt Kopenhagen, die führend sei in Sachen Nachhaltigkeit. So wurden dort u.a. Quartiere mit kurzen Wegen geschaffen und Dachflächen von Parkhäusern in öffentlich zugängige Spielplätze umgestaltet. Zudem habe die Stadt dem Fuß-, Fahrrad- und Busverkehr deutlich Vorrang vor Autos gegeben. "Man braucht politischen Mut, um in Fahrradstraßen zu investieren. Der Erfolg gibt Kopenhagen aber recht", betonte Anders.

Um das Ziel zu erreichen, nicht nur klimaneutral zu werden, sondern sogar zur klimapositiven Kommune, seien gemeinsame Anstrengungen notwendig, verdeutlichte Michael Nyveld, Erster Stadtrat der Stadt Buxtehude. "Wir müssen die Wirtschaft und die Stadtgesellschaft mitnehmen", sagte er. Zudem müsse das Thema Nachhaltigkeit als Gesamtbild von Ökonomie, Ökologie und Sozialem verstanden werden. Besonders wichtig sei, dass man als Stadtverwaltung immer ein Vorbild für die Bürger sei. Wenn man z.B. die Bürger ermutige, Blühwiesen in ihren Gärten für die Insekten anzulegen, "müssen wir das natürlich auf den städtischen Flächen vorleben", so Nyveld.

Wichtig sei ebenfalls, im Bausegment andere Wege zu gehen. "Man muss neu nachdenken und nicht alles so machen, weil es immer so gemacht wurde", sagte Nyveld. Als Beispiel nannte er den Lärmschutzwall im Neubaugebiet Giselbertstraße. Dieser werde statt eines reinen Ingenieurbauwerks mit einem völlig neuen Konzept mit verschiedenen Nutzungen errichtet. Auch der Bau des Waldkindergartens in Hedendorf mit Gebäuden, die später wieder zurückgebaut werden können, oder die Einrichtung einer Kita in einem alten Fachwerkhaus gehörten zum neuen Denken dazu. Klar sei, dass man weder in Buchholz noch in Buxtehude das Weltklima retten könne, betonte Nyveld: "Wir können aber unseren Beitrag dazu leisten!" (os).

Autor:

Oliver Sander aus Buchholz

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