Verkehrsprobleme in Buchholz: Letzte Chance auf eine gütliche Einigung!

So sieht es in Buchholz mehrfach täglich aus: 
An der Canteleubrücke staut sich der Verkehr
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Ratswerkstatt soll Lösung erarbeiten / "Was muss der Bürger eigentlich noch tun, ehe sich etwas ändert?"

Auf ein Wort

Drei Wochen nach der Bürgerwerkstatt suchen jetzt die Mitglieder des Buchholzer Stadtrates nach einem Weg, einen Kompromiss zur Lösung der Verkehrsprobleme in der Nordheidestadt zu finden. Die nicht-öffentliche Ratswerkstatt findet am Samstag, 25. November, von 10 bis 16 Uhr in der Waldschule statt. Für mich ist das die letzte Chance für die Ratsmitglieder, sich gütlich zu einigen. Ich bin aber skeptisch, dass es ein positives Ergebnis geben wird: Die Gräben zwischen Gegnern und Befürwortern eines Ostrings - oder wie auch immer eine Straße im Osten heißen soll - sind so tief wie lange nicht. Im Vorfeld schießen vor allem die Gegner einer Ostumfahrung, allen voran die Buchholzer Liste um Sprecher Peter Eckhoff und Ex-Bürgermeister Norbert Stein (SPD), verbal scharf gegen eine neue Straße. Flankiert werden sie von Umweltschutzverbänden und dem ADFC. In einer gemeinsamen Erklärung warnen diese z.B. vor gravierenden Folgen für den Natur- und Klimaschutz, wenn die neue Straße kommt. Ohne detaillierte Lösungen anzubieten, plädieren sie für die Stärkung des Radverkehrs und des ÖPNV.
Das Credo der Gegner fasste jüngst Peter Eckhoff in einem Leserbrief im WOCHENBLATT zusammen: „Buchholz hat nicht zu wenig Straßen, sondern zu viele Autos“. Eckhoff hat in Teilen recht: Wie er glaube auch ich, dass bei Weitem nicht alle Autofahrten in Buchholz notwendig sind. Schüler brauchen nicht zwangsläufig in Eltern-Taxis bis vor die Schule kutschiert zu werden, und Buchholzer können Einkäufe auf dem Wochenmarkt auch mit dem Fahrrad erledigen.
Eckhoffs Schlussfolgerung, man könne die Verkehrsprobleme in Buchholz lösen, wenn nur genügend Autofahrer auf öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad umsteigen, halte ich für realitätsfremd, denn das Grundproblem wird nicht gelöst: Täglich pendeln fast 11.000 Menschen aus Buchholz aus, die meisten zur Arbeit nach Hamburg. Denen ist mit Radfahren nicht geholfen. Und: Der Buchholz Bus, der die Pendler morgens zum Bahnhof fährt, ist häufig übervoll. Und auch der Metronomzug ist in den Stoßzeiten überfüllt. Helfen könnte eine S-Bahn-Anbindung mit dichtem Takt. Ob die aber kommen wird, steht in den Sternen, damit kann man nicht ernsthaft planen.
Buchholz' Problem ist, dass die Infrastruktur nicht mit der Bevölkerung mitgewachsen ist. Buchholz ist eine mittelgroße Stadt mit den Straßen eines Dorfes. Deshalb ist es unverantwortlich, weiter munter neue Wohngebiete freizugeben, z.B. auf dem ehemaligen Hilmer-Gelände an der Soltauer Straße oder an der Schaftrift. Das wird ohne die Stärkung der Infrastruktur zur Verschärfung des Stauproblems führen. Und da ist über eine Oststadt mit bis zu 1.000 Wohneinheiten, die Ex-Bürgermeister Norbert Stein ins Spiel gebracht hat, noch gar nicht gesprochen. Eine autofreie Siedlung, wie sie u.a. von Grünen und SPD ins Spiel gebracht wurde, ist eine nette Idee, funktioniert aber in einer Stadt der Größe von Buchholz nicht. Die meisten Bürger von Buchholz arbeiten eben nicht hier, was Grundvoraussetzung für das Gelingen ist - siehe die Weißenburgsiedlung in Münster. Dort pendeln die Bürger innerhalb ihrer Stadt, da sind Bus und Rad ein bestens geeignetes Mittel, da kann man sein eigenes Auto stehen lassen.
Apropos Stein: Im Rat sitzt er nicht mehr, doch im Hintergrund zieht er noch die Fäden und beeinflusst seine Sozialdemokraten, indem er mantraartig seine Forderung nach einer Fahrbahntrasse wiederholt, die auf der Canteleu-Brücke beginnt und dann „Am langen Sal“ vorbeiführt. Mir fehlt die Vorstellungskraft, wie das zu einer echten Entlastung des Innenstadtverkehrs beitragen soll. Ich halte sie schlicht für nicht umsetzbar. Wahrscheinlich auch die Autofahrer, die allmorgendlich bereits ab der Soltauer Straße im Stau stehen. Mit Holm-Seppensen wird eine ganze Ortschaft in Sippenhaft genommen.
Mitverantwortlich für die jetzige Situation sind ebenso die Ostringbefürworter, vor allem die langgedienten Ratsmitglieder wie Arno Reglitzky (FDP) und Heike Meyer (CDU). Beinahe arrogant hielten sie an der ursprünglichen Planung fest und blockten aller Versuche, eine Alternative zu finden. Kann die fehlende Kompromissbereitschaft auch damit zusammenhängen, dass nur vier der 39 Ratsmitglieder im Süden von Buchholz wohnen und die Verkehrsprobleme auf der Nord-Süd-Achse aus eigener Erfahrung kennen?
„Was muss der Bürger eigentlich noch tun, damit sich endlich etwas ändert?“, fragte mich kürzlich Jürgen Köster, Vorsitzender des Vereins Altenhilfe. Er verwies auf den Bürgerentscheid aus dem Januar 2013, als sich 62 Prozent der Bürger für den Ostring aussprachen, sowie die Empfehlung für eine Ostumgehung, die die Bürger am 4. November bei der Bürgerwerkstatt mit großer Mehrheit aussprachen. Auch das Ergebnis der letzten Kommunalwahl war ihm noch sehr präsent. Zur Erinnerung: CDU 32 Prozent (plusminus 0), SPD 20,1 (minus 5,9), Grüne 12,3 (minus 5,0), FDP 12,2 (plus 4,5), Buchholzer Liste 9,9 (plus 4,2), AfD 9,1 (plus 9,1), Linke 3,0 (plus 0,7), andere Parteien 1,4 (minus 1,0) - daraus folgt, dass die Blockadehaltung von Grünen und SPD von der großen Mehrheit der Buchholzer nicht gewollt ist.
Helfen würde bei der Suche nach einem Kompromiss ein Bürgermeister, der motiviert und Befürworter wie Gegner des Ostrings gleichermaßen mitnimmt. Das waren die ehemaligen Bürgermeister Norbert Stein und Wilfried Geiger aus ideologischen Gründen nicht. Und das aktuelle Stadtoberhaupt Jan-Hendrik Röhse kann es nicht, da er zu sehr verkopfter Jurist und zu wenig leidenschaftlicher Motivator ist.
Ich hoffe, dass mich die Ratsmitglieder Lügen strafen und sie bei der Ratswerkstatt zu einem für alle tragfähigen Kompromiss kommen. Mein Appell: Reißt Euch zusammen und einigt Euch gütlich! Oliver Sander

Autor:

Oliver Sander aus Buchholz

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