Da filmen, wo niemand hinsieht
Buxtehuder Regisseur zeigt das Leben in einer Wohngruppe

Eleyna (li.), Leni (mi. u.) und Lena (re.) leben gemeinsam in der Wohngruppe – sie alle wünschen sich wieder langfristig bei ihren Eltern bleiben zu können | Foto: AMA FILM GmbH
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  • Eleyna (li.), Leni (mi. u.) und Lena (re.) leben gemeinsam in der Wohngruppe – sie alle wünschen sich wieder langfristig bei ihren Eltern bleiben zu können
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AMA FILM GmbHVier Mädchen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, teilen eine gemeinsame Realität: Sie leben in einer Wohngruppe. Und sie sind die Protagonistinnen in einem besonderen dokumentarischen Filmprojekt – „Das fast normale Leben“.

Ein Regisseur mit Gespür für das Verborgene

Regisseur Stefan Sick, aufgewachsen in Buxtehude und Tostedt, hat ein feines Gespür für geschützte, oft unsichtbare Orte. Schon sein Regiedebüt, gedreht in einer Pflegeeinrichtung für Menschen mit Demenz, wurde für seinen sensiblen Blick ins Verborgene gelobt. Das Interesse an der Kamera entdeckte er bereits während seiner Schulzeit im Norden. Doch erst mit 29 Jahren, während seines Studiums an der Filmhochschule, griff er wieder aktiv zur Kamera – und legte damit den Grundstein für seine dokumentarische Handschrift. Heute lebt der Regisseur mit seiner Familie in Baden-Württemberg.

Stefan Sick wuchs in Buxtehude und Tostedt auf – der Regisseur wohnt heute in Schwäbisch Hall | Foto: AMA FILM GmbH
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Zwei Jahre nah dran – ohne Drehbuch

Für sein zweites Werk richtet Sick den Fokus auf eine evangelische Jugendeinrichtung, in der junge Mädchen leben, die zeitweise oder dauerhaft nicht bei ihren leiblichen Eltern wohnen können. Über zwei Jahre lang begleitete er mit seiner Kamera Leni, Eleyna, Lena und Lisann – ebenso wie ihre Familien, die Erzieherinnen und Erzieher. Ohne Skript, ohne festgelegte Dramaturgie, dafür mit Geduld und dem Willen, echtes Vertrauen aufzubauen. „Ich bin sehr froh, dass mir dieses Vertrauen geschenkt wurde“, sagt Sick.

Balance zwischen Nähe und Distanz

Sicks Kamera urteilt nicht, sie beobachtet. Sie bleibt auch dann, wenn es wehtut – und findet die feine Balance zwischen schonungsloser Ehrlichkeit und Empathie für die Mädchen, ihre Eltern und Bezugspersonen. Aus dem Kinderzimmer in der Wohngruppe bis in Gespräche mit dem Jugendamt begleitet Sick seine Protagonistinnen. „Ich höre oft, dass ich ein Gespür für diesen Drahtseilakt habe“, so der Regisseur. Für ihn gehören Erfahrung und ein empathischer Blick genauso dazu wie das Mitspracherecht der Beteiligten.

Der Anstoß für das Projekt kam von Sicks Partnerin, die in der Jugendhilfe arbeitet. Sie kennt den Alltag hinter verschlossenen Türen – einen Alltag, den Außenstehende nur selten zu sehen bekommen. „Das fast normale Leben“ öffnet diese Türen vorsichtig und mit Respekt, lässt Einblicke zu, ohne Grenzen zu überschreiten.

Streitereien und Traurigkeit – in allen Lebenslagen sind die Jugendhelferinnen und -helfer für die Mädchen zur Stelle | Foto: AMA FILM GmbH
  • Streitereien und Traurigkeit – in allen Lebenslagen sind die Jugendhelferinnen und -helfer für die Mädchen zur Stelle
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Fünf Jahre von der Idee bis zur Premiere

Von der ersten Idee über den Schnitt bis zum fertigen Film vergingen rund fünf Jahre. Für dieses finanziell mutige Konzept – langwierig, ohne Drehbuch und wirtschaftlich riskant – erhielt die Produktionsfirma AMA Film bei den Filmfestspielen in München eine Auszeichnung. Die Jury lobte besonders die harmonische Zusammenarbeit zwischen Regie und Produktion sowie den behutsamen Umgang mit allen Protagonistinnen und ihren Familien.

Ein Film, der nachhallt

„Das fast normale Leben“ erzählt leise, aber intensiv – und bleibt im Gedächtnis – auch lange, nachdem der Abspann gelaufen ist. Kinostart ist am Donnerstag, 22. Januar 2026. Der Trailer zum Film und mehr Informationen unter www.stefansick.de/das_fast_normale_leben

Redakteur:

Pauline Bellmann aus Buxtehude

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