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Haupt- und Realschule Süd
Buxtehuder Schulleiterinnen fordern Oberschule

Jutta Mangelmann (li.) und Hanka Schwedt
  • Jutta Mangelmann (li.) und Hanka Schwedt
  • hochgeladen von Nicola Dultz

Mehr Chancen für Kinder, weniger Schubladendenken:  Die beiden Buxtehuder Schulleiterinnen Jutta Mangelmann, Hauptschule Süd, und Hanka Schwedt, Realschule Süd, haben kürzlich vor dem gemeinsamen Ausschuss für Bau- und Grundstücksmanagement sowie für Schulen und Sport zum ersten Mal öffentlich ausgesprochen, was intern schon lange diskutiert wird: Die Zukunft des Lernens am Schulzentrum Süd liegt in einer neuen Schulform – einer Oberschule.

Eine Schulform, die Kinder nicht einsortiert, sondern entfaltet
Der Wunsch nach Veränderung ist keine Momentaufnahme. Er entspringt der täglichen Realität, in der sich zwei engagierte Schulleiterinnen mit all ihrer Erfahrung und ihrem pädagogischen Herzblut für die Kinder einsetzen. Die starre Trennung in Haupt- und Realschule wird den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht, sagen beide. Sie drängt Kinder zu früh in Kategorien – und das oft zu Unrecht.

„Unsere Schülerinnen und Schüler haben so viele Begabungen“, betont Jutta Mangelmann, „aber sie brauchen Zeit und die richtige Förderung.“ Doch genau daran fehlt es im aktuellen System. Während Gymnasien und integrierte Gesamtschulen (IGS) ihre Schülerkontingente begrenzen dürfen, müssen Haupt- und Realschulen alle aufnehmen – ungeachtet der individuellen Voraussetzungen oder der personellen und räumlichen Ressourcen.

Lehrkräftemangel trifft auf steigende Anforderungen
Die Folge: schwierige Rahmenbedingungen, die nicht nur den Schülern, sondern auch den Lehrkräften zu schaffen machen. Lehrkräftemangel, hohe Fluktuation, fehlende Bezugspersonen – all das trifft ausgerechnet jene Kinder am härtesten, die am meisten Konstanz und Unterstützung bräuchten. „Wir brauchen Schulen, die für alle Kinder da sind – nicht nur für die Leistungsstarken“, sagt Mangelmann.

Eine Oberschule bietet ein Mehr an Möglichkeiten: eine gemeinsame Eingangsstufe, mehr Raum für individuelle Entwicklung, moderne Unterrichtsformen, bei denen die Kinder motiviert und eigenständig Wissenslücken schließen. „Es ist so viel mehr möglich“, so Mangelmann. Als Modellschule hat Hanka Schwedt bereits beste Erfahrungen mit modernen Unterrichtsmethoden  wie Selbstlernzeiten. Die Kinder lernen begeistert und selbstständig. "Wir haben bereits alles ausgereizt. Eine Oberschule würde noch mehr Möglichkeiten eröffnen", so die Realschulleiterin.

Vielfalt fördern – nicht verwalten
Beide Schulleiterinnen sehen die Oberschule als Antwort auf die veränderten Bedingungen: mehr Kinder mit nichtdeutscher Herkunftssprache, mehr Förderbedarfe, mehr Heterogenität. In der Hauptschule spricht inzwischen rund die Hälfte der Kinder zuhause kein Deutsch, in der Realschule ein Drittel. Gleichzeitig nehmen die sogenannten „Rückläufer“ aus den jeweils höheren Schulformen zu – Kinder, die am Gymasium oder Realschule nicht zurechtkommen und ab Klasse 6 oder 7 wechseln müssen. Die Folge: instabile Klassenstrukturen und zusätzlicher Förderbedarf – mit einem System, das dafür nicht mehr gebaut ist.

„Was soll eigentlich die zentrale Kompetenz der Zukunft sein?“, fragt Schwedt. „Messbare Leistungen und gute Abschlüsse  – oder auch Teamfähigkeit, Empathie, Kreativität?“ Sie will Schulen, die Kindern Raum geben, sich als Menschen zu entfalten – nicht nur als Notenträger.

Gleichwertigkeit statt Zweiklassensystem
Hinzu kommt die Raumnot: So platz die Realschule platzt aus allen Nähten. Sie wurde für 17 Klassen gebaut – unterrichtet werden derzeit 27. Zusammen mit der Hauptschule zählt das Schulzentrum Süd 930 Schülerinnen und Schüler – fast genauso viele wie das benachbarte Gymnasium Süd. Wertschätzung auf Augenhöhe fordern die beiden Schulleiterinnen daher – für die Arbeit ihrer Teams ebenso wie für die Kinder, die ihnen anvertraut sind.

Doch sie machen auch klar: Eine neue Schulform allein reicht nicht. Es braucht einen neuen, wohlwollenden Blick auf die Kinder, mehr Vertrauen in ihre Fähigkeiten, individuelle Förderung und eine Schule, die für Vielfalt steht – nicht für Stigmatisierung.

„Jedes Kind will lernen – geben wir ihm die Chance dazu.“

Die Forderung nach einer Oberschule ist mehr als ein struktureller Vorschlag. Sie ist ein leidenschaftliches Plädoyer für eine Schule, die Kinder nicht sortiert, sondern sieht. Für ein Lernen, das sich an den Menschen orientiert, nicht an Schubladen. Für eine Bildung, die wirklich gerecht ist.

Redakteur:

Nicola Dultz aus Buxtehude

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