Neue Wege in Buxtehude beschreiten
Der Präventionsrat bricht zu neuen Ufern auf

Bluemen im Präventionsrat für die Stadtteileltern, deren Engagement für Integration wieder mit einem bundesweiten Preis gewürdigt wurde
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tk. Buxtehude. Der Buxtehuder Präventionsrat wird 20 Jahre alt. Das Jahr des runden Geburtstags soll ein Jahr der Veränderungen werden. Bereits im Vorfeld der Präventionsrats-Sitzung am Mittwochabend hatte Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt angekündigt, dass der Weg Buxtehudes zu einer nachhaltigen Kommune über den Präventionsrat führen soll. Klimaschutz soll eine weitere Säule der Arbeit in dieser Buxtehuder Institution werden, die bereits vieles - unter anderem die Offene Ganztagsschule (OGS) - auf den Weg gebracht hat. Der Abend hat gezeigt: Das kann gelingen. Doch ein Selbstläufer ist das nicht und es wird noch viel Überzeugungsarbeit notwendig sein, um neue Akteure, etwa aus dem Bereich Klimaschutz, zu überzeugen.

"Ich ziehe aber eine positive Bilanz", sagt Katja Oldenburg-Schmidt auf WOCHENBLATT-Nachfrage. Es seien am Ende des Abends konkrete Projekte und gute Ansätze herausgekommen.
Der Abend sollte ein Neustart sein und weniger die Rückschau auf Geleistetes. Die große Zahl der Anwesenden, die ganz unterschiedliche Themen, Forderungen aber auch Biographien und Interessen repräsentierten, zeigte: Die Hansestadt ist vielfältig und aus dieser Vielfalt lässt sich themenübergreifend  kreatives Potential schöpfen
.
Gleichwohl - das machten einige Anwesende unmissverständlich deutlich, gebe es deutlichen Verbesserungsbedarf. "Jetzt soll ich schon wieder Ideen auf Kärtchen schreiben. Verschwinden die anschließend in der Schublade?", fragte einer der Anwesenden. Der Weg von der Idee bis zur Umsetzung, das wurde deutlich, müsse transparenter aber auch schneller gehen. Und - auch das ein Ergebnis des Treffens - Themen wie Integration und Barrierefreiheit werden von den jeweiligen Vertreterinnen und Vertretern dieser Gruppen vehement als Säule und eigenständige Themen der künftigen Arbeit eingefordert.

Klimamanagerin Ann-Kathrin Bopp machte noch einmal deutlich, wieso der Präventionsrat die richtige Plattform für Nachhaltigkeit samt Klimaschutz und sozialer Themen ist: "Viele Bereiche berühren sich dabei."
Die Verwaltung, das betonten die Bürgermeisterin und Projektkoodinatorin Frauke Schulte, stecken viel Arbeit und Energie in die Begleitung des Präventionsrates. Wobei Katja Oldenburg-Schmidt auch aufzeigen wollte, dass die Arbeit ein Weg ist und konkrete Ergebnisse nicht immer vorhersehbar seien. "Wir haben auch nicht auf alles gleich die richtige Antwort." Eine weitere Voraussetzung ist laut Bürgermeisterin, dass die Arbeit im Präventionsrat frei von Parteipolitik sein muss.

Im März soll der 20-jährige Geburtstag des Präventionsrates gefeiert werden. Dann ist Zeit für einen Rückblick. Was sich daran anschließt, bleibt spannend. Am Mittwochabend wurde aber deutlich: Ein Treffen pro Jahr reicht bei Weitem nicht aus, um Buxtehude nachhaltig zu verändern, das wichtige Thema Klimaschutz inklusive.

KOMMENTAR

"Früher war das griffiger", stellte einer der Gäste der jüngsten Buxtehuder Präventionsratssitzung treffend fest. Das stimmt. Früher war vor 20 Jahren, als der Präventionsrat als Instrument der Gewaltprävention gegründet wurde. Es kamen weitere Themen wie Gesundheit und Integration hinzu. Und jetzt auch noch Klimaschutz und das in einem ganzheitlichen Sinn, dass alles irgendwie mit allem zusammenhängt, weil das Oberthema schließlich die Verbesserung der Lebensverhältnisse in der Hansestadt ist. Ganz schön schwierig, aber nicht unmöglich.

Ein Stolperstein wurde bereits bei dem Treffen identifiziert: der Name.  Präventionsrat passt nicht mehr. Er schreckt neue und dringend notwendige Akteure sogar ab. Etwa die Mitglieder von "Fridays for Future", die sich mit Recht fragen, was sie dort eigentlich sollen. Besser wäre vielleicht Zukunftsrat. Denn darum geht es. Die Buxtehuder Zukunft, die nachhaltiger - und auch klimaneutraler - werden muss als die Gegenwart.
Ein richtig dickes Brett, das durchbohrt werden muss, liegt in der Motivation der Ehrenamtlichen, die sich im Präventionsrat einbringen. Sie sind dort, weil sie Spezialisten für ein Thema sind. Sei es durch Interesse, eigene Betroffenheit oder Profession. Aus Spezialisten können keine Generalisten werden. Hier ist es daher Aufgabe der Verwaltung als Koordinator, deckungsgleiche Themen und Projekte zu identifizieren und die Akteure an einen Tisch zu bringen. Dann kann gelingen, was Kernpunkt der Arbeit ist: Breites Wissen zu vernetzen, um gemeinsam neue Wege zu beschreiten.

Außerdem: Richtung der Buxtehuder Grünen der dringende Appell, dass der Präventionsrat keine erweiterte Plattform für Parteipolitik ist. Weder muss langatmig die von einer politischen Mehrheit bereits abgelehnte Integrationsbeauftragte erneut gefordert werden, noch bedarf es des Hinweises, dass sich Rat und Ausschüsse stärker den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen verpflichten müssen. Richtiges Thema, falsche Bühne.
Was ebenfalls notwendig ist: Wer etwas erreichen will, muss sich mehr als einmal im Jahr treffen. Und das, was als Ziel und Projekt ins Visier genommen wird, muss sichtbarer werden. Also nicht nur ein neuer Name, sondern auch eine Struktur, die gleichermaßen genug Zeit einräumt, wie verhindert, dass Themen ausfransen und totgeredet werden. Auch dabei ist die Verwaltung als Koordinator und Moderator gefordert.
Derzeit ist noch nicht abschließend klar, wie der Weg aussieht und was am Ende steht. Die Richtung, daran besteht für mich kein Zweifel, stimmt. 
Tom Kreib

Autor:

Tom Kreib

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