Wellen im Netzwerk schlagen hoch / Wer wäre für das Tier verantwortlich gewesen?
Hund in Buxtehude ausgesetzt

Ein trauriges Bild: Der ausgesetzte Mischlingshund soll um ein Uhr nachts an dem Zaun befestigt worden sein. Eine Anwohnerin war auf das Bellen aufmerksam geworden
  • Ein trauriges Bild: Der ausgesetzte Mischlingshund soll um ein Uhr nachts an dem Zaun befestigt worden sein. Eine Anwohnerin war auf das Bellen aufmerksam geworden
  • Foto: Polizei
  • hochgeladen von Alexandra Bisping

ab. Buxtehude. Ein Hund wird in Buxtehude ausgesetzt, angebunden an einen Zaun. Er trägt einen Maulkorb, knurrt Polizisten an, die helfen wollen. Der Tierschutzverein Buxtehude möchte ihn nicht abholen. Erst eine angehende Hundetrainerin aus Sauensiek traut sich, das Tier loszubinden. In den sozialen Netzwerken schlagen die Emotionen hoch: Wer hätte die Verantwortung für das Tier gehabt?

Eine Anwohnerin hatte sich morgens gegen fünf Uhr bei der Polizei in Buxtehude gemeldet. Der Hund belle schon die ganze Nacht und sitze vermutlich seit ein Uhr dort, so die Anruferin. Torben Schuback, der diensthabende Polizist, fuhr mit einem Kollegen und Chipgerät dorthin. "Es war eindeutig, dass das Tier ausgesetzt wurde", so Schuback. Der Hund, ein kräftiger schwarzer Mischling, habe einen Maulkorb getragen, ein Hundebett und Spielzeug sei neben dem Tier abgeladen worden.

Als sich der Polizist mit dem Chipgerät näherte, um den Besitzer festzustellen, sei der Hund aggressiv und knurrend nach vorne gesprungen. Trotz des aggressiven Verhaltens habe der Mischling überfordert und ängstlich gewirkt. "Ich bin dann auf Abstand gegangen", sagt der Polizist. "Denn jedesmal, wenn ich mich genähert habe, war das für den Hund purer Stress. Wahrscheinlich wirkten wir in unserer schwarzen Uniform bedrohlich." 

Die Polizei versuchte, jemanden von der Stadt zu erreichen, aber es meldete sich niemand. "Ich habe keine Notwendigkeit gesehen, ihn sofort mitzunehmen. Darum haben wir mit einem Flatterband den Platz um ihn herum abgesperrt. Das ist ein üblicher Vorgang und kennzeichnet, dass wir da waren."

Auf der Wache habe er sofort ein Foto des Vierbeiners auf Facebook gepostet. "Tierfreunde sind oft gut vernetzt und ich hatte die Hoffnung, dass jemand den Hund kennt." Außerdem habe man den Baubetriebshof informiert. "Dann endete meine Schicht." Auch die Mitarbeiter des Baubetriebshofes, die das Tier nach Stade ins Tierheim bringen wollten, trauten sich nicht an den Hund heran. 

"Warum hat sich der Tierschutzverein nicht gekümmert? Die sind doch dafür verantwortlich und müssten den Hund abholen", hieß es in den sozialen Netzwerken. Das WOCHENBLATT fragte beim Vereinsmitglied Rita Sarach nach. Sie war lange im Vorstand tätig und betreut freiwillig weiterhin die heimatlosen Hunde. "Bei mir hat um halb sieben der Bauhof angerufen und mir von dem Hund erzählt", sagt sie. Das Tier sei ihr als aggressiv geschildert worden, woraufhin sie sich weigerte, es abzuholen. "Wenn der Hund bissig ist, kann auch ich nichts machen. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass knurrende Hunde mit Maulkorb nicht harmlos sind." Der richtige Ansprechpartner sei in so einem Fall das Stader Tierheim. "Dort sitzen die Profis, die das hauptberuflich machen. Wir vom Tierschutzverein sind alle ehrenamtlich tätig."

Dazu gebe es im Buxtehuder Tierschutzverein keinen Platz für einen bissigen Hund. "Ich habe nach einem Jahr Betreuung endlich einen Wolfshund in gute Hände abgeben können", erzählt Sarach. Das Jahr habe viel Kraft gekostet. "Und wir haben seit Jahren einen Kandidaten, der hin und wieder schnappt. Für ihn ist auch noch kein passender Besitzer gefunden worden."

Losgemacht hat den Fundhund schließlich Liona Plorin von der Buxtehuder Tiertafel, eine angehende Hundetrainerin. Eine Frau habe sie um halb sieben angerufen und gefragt, ob sie kommen könne. "Als ich dort ankam, ist der Hund auch erst mal nach vorne gegangen, aber er erschien mir eher ängstlich als aggressiv." Liona Plorin band das Tier ab und führte es in das Auto des Baubetriebshofes. Dann wurde der Hund ins Stader Tierheim gebracht. "Ich hoffe, ihm geht es jetzt gut", sagt Liona Plorin. "Und ich wünsche mir sehr, dass Buxtehude bald ein Tierheim bekommt."

Auch das WOCHENBLATT wollte wissen, wie es für das Fundtier weiterging. Eine Mitarbeiterin des Tierheims teilte auf Nachfrage mit, der Hund sei von einer früheren Besitzerin abgeholt und aufgenommen worden. Darüber habe er sich sehr gefreut.

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